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Fragen und Antworten

Eine Frage von I.I.:

Ich nehme seit 1992 30 mg des Medikaments Methotrexat-Dinatrium in Tablettenform ein. Meine Frau hat innerhalb eines Jahres 2 Fehlgeburten gehabt, deshalb habe ich die Frage, ob es sein kann, daß nach jahrelanger Einnahme des Medikaments meine Spermien Schaden davongetragen haben könnten?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.04.2002:

Im Zusammenhang mit der Fortpflanzung und dem Einfluss von Medikamenten stellt sich bei Männern grundsätzlich die Frage, ob es zu einer Schädigung der Keimzellen oder zu einer Einwirkung auf die Spermien kommt.

Ist es zu einer Schädigung der Keimzellen gekommen, ist diese nicht mehr rückgängig zu machen. Ausserdem liegt für das Kind ein hohes, um nicht zu sagen obligates Risiko einer Schädigung / von Missbildungen vor, so dass in so einer Situation dringend von einer geplanten Zeugung abgeraten werden muss.

Sind "nur" die Spermien betroffen, sind mehrere Auswirkungen eines Medikaments denkbar. So kann das Medikament zum einen zu einer Schädigung der Spermien und der in ihnen gespeicherten Erbinformation führen. Weiterhin kann sich durch das Medikament die Zahl der Spermien verringern, nicht zuletzt können sie auch in ihrer Motilität / Beweglichkeiit / Bewegungsfähigkeit beeinträchtigt sein.

Unter der Einnahme von Methotrexat sollte es nach meinen Wissensstand nicht zu einer Veränderung der Erbsubstanz kommen. Die "Urform" der genetischen Information, sozusagen die "Master-CD", von der dann die "Abdrücke" genommen werden, wird also nach dem, was man heute dazu an Informationen hat, in der Regel nicht durch Methotrexat verändert.

Methotrexat kann aber die Spermien schädigen, d.h. um im Bild zu bleiben, "Macken" auf den von der Master-CD gepressten CD´s machen, indem es den Pressvorgang stört oder in anderer Form in die Produktion eingreift.

Weiterhin kann Methotrexat auch die Zahl und die Motiltität der Spermien verringern. In einem solchen Fall kommt es allerdings gar nicht erst zu einer Zeugung.

Aus beiden Gründen, insbesondere aber aus dem ersten Grund, gilt deshalb, dass ein Mann unter einer laufenden Methotrexat-Behandlung keine Kinder zeugen darf, sondern auf eine sichere Verhütung achten muss. Die Regel ist, dass man bei einem Kinderwunsch eine Mtx-Pause von mindestens drei Monaten einhalten sollte. Im Anschluss daran sollte zum einen die Zahl der Spermien und ihre Motilität normal sein, zum anderen sind nach diesem Zeitraum keine "alten", zu Methotrexat-Zeiten produzierten Spermien mehr vorhanden und besteht damit nach der Wahrscheinlichkeit auch kein Risiko mehr, dass es zu einer Missbildung beim Kind kommt.

Sicherheitshalber sollte man in den drei Monaten, in denen mit Mtx pausiert wird, die Folsäurespeicher im Körper auffüllen, indem man in dieser Zeit viel Folsäure zuführt. Folsäure spielt eine Rolle bei der Zellteilung und ist damit bei der Produktion der Spermien ein wichtiges Vitamin.

Wenn es in einer Partnerschaft zu zwei Fehlgeburten gekommen ist, sollte auf jeden Fall vor der nächsten geplanten Schwangerschaft eine gezielte Beratung erfolgen, je nach Lage der Dinge auch unter einem humangenetischen Blickwinkel, damit man ein möglicherweise unabhängig von Methotrexat bestehendes Risiko nicht übersieht.

 

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