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Fragen und Antworten

Eine Frage von Dagnija:

Ich werde zur Zeit mit Sulfasalazin und Prednisolon (7,5mg täglich) behandelt. Mein behandelnder Rheumatologe meint, daß eine Behandlung mit Enbrel möglich wäre.

Meine Fragen:

- zur Zeit spricht mein Arzt über einen 6-Monate-Kurs mit Enbrel, auf Ihrer Internetseite habe ich doch vieles über mehrjährigen Enbrel-Therapien gelesen - sollte man doch mit einer längeren Therapie rechnen?

- gegen welche Infektionen soll ich mich unbedingt vor dem Therapiebeginn impfen lassen?

- in drei Monaten, seit denen ich Prednisolon einnehme, habe ich deutlich Gewicht zugenommen (5 kg bei Normalgewicht 63/169cm), obwohl ich Sport treibe und auf meine Ernärung mehr als gewöhnlich achte. Wird üblicherweise bei einer Therapie mit Enbrel die Cortisontherapie weitergeführt? Führt auch Enbrel-Therapie zur Gewichtzunahme als Nebenwirkung?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 30.06.2005:

1. Dauer einer Enbrel-Therapie bei M. Bechterew

In vielen Fällen kommt nach einer erfolgreichen und wirksamen Behandlung mit Enbrel die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis wieder, wenn die Therapie beendet wird. Bei einigen Patienten entwickelt sich dann sogar eine schwere Schubsituation, die dann zum Teil sogar nur sehr schwierig und nur sehr langwierig durch die Wiederaufnahme der Enbrel-Therapie zu beherrschen ist. Oft sind dann sogar höhere Enbrel-Dosen als vorher erforderlich, und in einigen seltenen Fällen wirkt Enbrel auch nach einer erneuten, längeren Verabreichung nicht mehr so gut wie vorher. Insofern ist es immer ein Problem, eine laufende, gut wirksame Therapie mit Enbrel zu beenden. Andererseits spielen hier natürlich Kostenargumente eine enorme Rolle, so daß man sich schon zu Recht die Frage stellen muß, ob nach einer längeren Zeit eine Reduktion der Enbrel-Dosis (bedeutet: Verlängerung der Injektionsabstände) und letztendlich auch eine Beendigung dieser Therapie möglich ist.

2. Sind vor Beginn einer Enbrel-Therapie spezielle Impfungen notwendig?

Wegen der Enbrel-Therapie an sich sind keine speziellen Impfungen im voraus notwendig. Wenn Sie allerdings ohnehin vorhaben, sich gegen bestimmte Erkrankungen planmäßig impfen zu lassen, sollten Sie es vor der Enbrel-Therapie tun, da eine Impfung während einer Enbrel-Therapie unter Umständen nicht denselben Impfschutz bietet wie ohne Enbrel (es kann passieren, daß unter der Enbrel-Therapie die Impfung nicht „angeht“).

3. Kann Cortison nach Beginn einer Enbrel-Therapie abgesetzt werden?

Hinsichtlich der Cortisontherapie: Anfangs wird man die Cortisontherapie parallel zu Enbrel fortführen. Wenn dann im Verlauf Enbrel wirkt (dies kann sehr schnell sein und schon nach 1-2 Wochen eintreten), kann Cortison dann langsam in der Dosis verringert und zum Schluß ganz abgesetzt werden.

4. Führt eine Enbel-Therapie zu einer Gewichtszunahme?

Üblicherweise kommt es unter einer Enbrel-Therapie nicht zu einer Gewichtszunahme. Man kann es auch so formulieren: Anders als bei Cortison ist bei Enbrel eine  Gewichtszunahme keine typische und häufige Nebenwirkung.

Andererseits berichten die Patientinnen und Patienten immer wieder darüber, daß sie mit Beginn einer Enbrel-Therapie an Gewicht zunehmen. Dies hat dann aber in der Regel andere Gründe bzw. eine andere Erklärung als eine unmittelbare Enbrel-Nebenwirkung.

Ich habe erst kürzlich auf eine praktisch identische Frage eine Antwort gegeben (TIZ-Fragen und Antworten vom 10.05.2005):

„ … Enbrel ist ein TNF-alpha-Blocker und wirkt dadurch, daß es den körpereigenen Botenstoff TNF-alpha in seiner Wirkung blockiert. TNF-alpha ist bei vielen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen stark erhöht und wesentlich an der Entstehung und Ausweitung der rheumatischen Entzündung beteiligt.

TNF-alpha hat aber daneben im Körper noch andere Auswirkungen. Unter anderem ist TNF-alpha auch dafür verantwortlich, daß Patienten mit hochakuten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen z.T. sogar stark an Gewicht abnehmen, oder zumindest überhaupt nicht an Gewicht zunehmen, selbst wenn sie wie ein finnischer Holzfäller essen und trinken.

Wenn man nun mit Enbrel das körpereigene TNF-alpha blockiert und damit auch die Wirkung von TNF-alpha auf das Gewicht blockiert, kann es durchaus zu einer Gewichtszunahme kommen, obwohl man an seinem Eßverhalten überhaupt nichts geändert hat.

Eigentlich ist die Gewichtszunahme unter Enbrel sogar ein gutes Zeichen, allerdings ein Effekt, der von vielen Patienten und Patientinnen nicht immer besonders gewünscht wird.
Wenn es dazu kommt, bleibt nichts anderes übrig, als das zu tun, was alle tun müssen, die ungewollt an Gewicht zunehmen: Nämlich bei dem aufzupassen, was man täglich an Kalorien zuführt. Ist dies mehr – und sei es noch so wenig – als der Körper pro Tag verbraucht, nimmt man unweigerlich zu. …“

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