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Fragen und Antworten

Eine Frage von Anne N.:

Die DGE (= Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Anm. von rheuma-online) gibt zum Thema Alkohol 10g/d für Frauen und 20g/d für Männer als Höchstmaß an. Wie sieht das denn bei gleichzeitiger MTX - Therapie aus?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.2002:

Diese Empfehlungen zur täglichen Höchstmenge an Alkoholzufuhr gelten im Prinzip auch für Patienten, die Mtx (Methotrexat, z.B. Lantarel) einnehmen, allerdings mit der Ergänzung, dass am Tage der Mtx-Einnahme bzw. Verabreichung und am Tag danach, d.h. also für 48 Stunden, überhaupt kein Alkohol getrunken werden sollte. Ausnahme: Lottogewinn mit 6 oder 7 Richtigen, Geburt eines Enkelkindes, erfolgreich überstandene Steuerprüfung und ähnliche erfreuliche Ereignisse.

Die Angaben beziehen sich im übrigen auf reinen Alkohol. Es gibt andere Empfehlungen, die auf umfangreichen wissenschaftlichen Studien beruhen und die Höchstmenge etwas großzügiger ansetzen. Als ganz grobe Empfehlung kann man sagen, dass nach dem derzeitigen Kenntnisstand ein täglicher Alkoholkonsum von z.B. maximal etwa 1/3 Flasche Wein pro Tag für gesunde Frauen und maximal etwa 2/3 Flaschen Wein pro Tag für gesunde Männer als weitgehend unbedenklich angesehen werden. Alkoholkonsum in Maßen scheint sogar etwas lebensverlängernd zu sein; jedenfalls ist die Lebenswartung von Menschen, die regelmäßig in kleinen Mengen Alkohol trinken, etwas erhöht gegenüber Menschen, die völlig abstinent leben. Ob dies allerdings tatsächlich allein mit dem Alkohol zusammenhängt oder ob da nicht auch noch ganz andere Faktoren hineinspielen, soll jetzt einmal dahingestellt sein.

Bei Patienten mit einer rheumatischen Erkrankung und insbesondere bei Patienten, die mit Mtx behandelt werden, würde ich mit der Empfehlung zu einer maximalen täglichen Alkoholmenge etwas vorsichtiger sein. Insgesamt kann man sagen, dass man unter einer Mtx-Therapie nicht völlig auf Alkohol verzichten muß. Andererseits gibt es keine sicheren Daten dazu, ob eine regelmäßige, d.h. z.B. tägliche Alkoholzufuhr in Verbindung mit Mtx für die Leber völlig unschädlich ist. Als Anhalt sollte man für sich persönlich sehr genau auf die Leberwerte schauen, die ja unter einer Mtx-Therapie regelmäßig kontrolliert werden müssen. Kommt es dabei zu einer Erhöhung der sogenannten Gamma-GT, sollte große Zurückhaltung mit Alkohol geübt werden (die Gamma-Gt ist eine sehr frühes Zeichen dafür, dass die Leber mit zuviel Alkohol konfrontiert wird. Wobei es auch andere Ursachen für eine Erhöhung der Gamma-GT geben kann; so ist bei Rheumapatienten eine vergleichsweise ziemlich häufige Ursache für eine Erhöhung der Gamma-GT die Einnahme von cortisonfreien Entzündungshemmern, insbesondere von Diclofenac). Ähnliches gilt natürlich auch bei einer Erhöhung von anderen Leberwerten, z.B. GOT oder GPT, die dann aber in der Regel eine andere Ursache als Alkohol haben (vor allem, wenn die Gamma-GT gleichzeitig nicht erhöht ist).

Ich hatte übrigens die Tage in der Praxis eine entsprechende Frage zu Mtx im Hinblick auf die anstehende Silberhochzeit, die nun ausgerechnet mit dem Tag der Mtx-Einnahme kollidierte. Die Frage war, ob denn trotzdem ein Gläschen Sekt erlaubt sei. Natürlich ist so ein einziges Gläschen Sekt auch unter Mtx an einem so besonderen Tag erlaubt.

Damit der Tag der Silberhochzeit aber nicht ein Tag der relativen Askese wird und sich die Möglichkeit eröffnet, auch ein zweites oder drittes Gläschen Sekt zu trinken oder zum Essen ein zusätzliches Glas Wein, habe ich dieser Patientin empfohlen, die Mtx-Einnahme einfach einen Tag nach hinten hinauszuschieben, in der nächsten Woche kann es dann ganz normal weitergehen wie sonst, d.h. das Mtx wird wieder am gewohnten Tag wie bisher eingenommen.

(für Nicht-Rheinländer: dies ist ein Beispiel für eine typische "rheinische Lösung" eines Problems)

 

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