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Fragen und Antworten

Eine Frage von Veronika N.:

Wie berechnet man die Knochendichte bei Männern? Die Messungen beruhen doch auf der Knochenstruktur einer Frau im mittleren Alter. Wie ist das Verhältnis der Knochendichte bei einem Mann? Wie wird es berechnet?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.1970:

Für die Beurteilung, ob die Knochendichte bei einer Frau normal oder zu niedrig ist, erfolgt mit Hilfe von 2 sogenannten Scores: Dem Z-Score und dem T-Score.

Z-Score:

Beim Z-Score wird die bei einer Frau gemessene Knochendichte verglichen mit der durchschnittlichen Knochendichte von Frauen im selben Alter. Da die Knochendichte in dieser Vergleichsgruppe sehr niedrig sein kann, sagt der Z-Score nur etwas darüber aus, wo man selber Vergleich zu möglicherweise genauso Kranken steht. Der Z-Score vermittelt dagegen keine Information darüber, ob man an einer Osteoporose erkrankt ist, außerdem gibt er nicht an, wie hoch das Risiko ist, eine Fraktur zu erleiden, d.h. einen Knochenbruch in der Folge der Osteoporose. Der Z-Score ist deshalb weder für die Diagnose noch für Therapieentscheidungen hilfreich. Leider wird er immer noch in vielen Befunden einer Knochendichtemessung als alleiniger Wert angegeben; sehr häufig erfolgt bei einem „normalen“ Z-Score im Kommentar des Befundes dann sogar die regelrecht falsche Beurteilung: „... es liegt somit keine Osteoporose vor...“.

T-Score:

Beim T-Score ist die Bezugsgröße die durchschnittliche Knochendichte von jungen Frauen. Der T-Score gibt damit an, wie sich bei einer Frau die aktuell gemessene Knochendichte zu einer normalen Knochendichte in einem großen Vergleichskollektiv von jungen, gesunden Frauen ohne Osteoporose verhält.

Definition der Osteoporose

Nach einem internationalen Konsensus erfolgt die Definition einer Osteoporose durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) u.a. über den T-Score:

Als normal wird der T-Score bezeichnet, wenn der gemessene Wert innerhalb der einfachen sogenannten Standardabweichung liegt (T-Score von +1 bis – 1). Bei einem T-Score von kleiner als – 1 bis zu einem T-Score von – 2,5 liegt eine sogenannte Osteopenie vor, d.h. die Vorstufe einer Osteoporose. Hier gilt als Therapieempfehlung eine Vorbeugung, z.B. durch die regelmäßige Einnahme von Calcium und Vitamin D3 sowie durch gezielte körperliche Aktivität. Bei T-Score-Werten von kleiner als – 2,5 spricht die WHO von einer manifesten, behandlungsbedürftigen Osteoporose. Hier reicht die Gabe von Calcium, Vitamin D3 sowie körperliches Training alleine nicht aus, sondern es muß eine zusätzliche medikamentöse Behandlung mit wirksamen Präparaten erfolgen, z.B. Bisphosphonaten oder SERM´s (selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulatoren).

Osteoporose beim Mann

Beim Mann ist die Situation im Prinzip nicht anders als bei der Frau, allerdings besteht der Unterschied, dass es bei der Frau mit dem Eintritt in die Wechseljahre und dem Nachlassen der schützenden Östrogenwirkung (die weiblichen Hormone schützen die Frau vor Knochenabbau) zur sogenannten postmenopausalen Osteoporose kommt, d.h. zu einem rascheren Verlust an Knochendichte als beim Mann.

Ob ein Mann an einer Osteoporose leidet oder nicht, richtet sich dann aber im Grundsatz nach denselben Kriterien wie bei der Frau. Allerdings gibt es für Männer lange nicht so umfangreiche Vergleichskollektive wie bei der Frau, so dass hier formal die Angabe von Vergleichswerten wie dem Z-Score oder dem T-Score derzeit noch nicht möglich ist. Bei der Diagnose der männlichen Osteoporose geht man aber im Prinzip genauso vor wie bei der Frau, indem man auch hier den gemessenen Wert für die Knochendichte auf die Vergleichswerte von jungen, gesunden Männerr bezieht.

 

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