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Fragen und Antworten

Eine Frage von Günther Z.:

Seit 3 Jahren habe ich Polymyalgia rheumatica, seit 2 Jahren ist die Diagnose gesichert. Nun zu meinen Fragen: a) Ist Urbanson stärker als Decortin und wie ist der Äquivalenzwert zwischen beiden Medikamenten. b) Liege ich mit 4mg Urbason in der Low-Dose bzw. in der Cushing-Schwelle? - Ich muß Euthyrox75 (Schilddrüse) und Urbanson 4mg nach dem Aufstehen nehmen. c) Kann ich beide Medikamente gleichzeitig nehmen? Wenn nein, welches Medikament soll ich zuerst nehmen und wie groß soll der Zeitabstand sein. d) Sollte ich mal länger schlafen (9:00 Uhr) wirkt sich dann die verspätete Einnahme von Urbanson nachteilig aus? Welche Nachteile müßte ich in Kauf nehmen? Wie kann ich die Nachteile kompensieren?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.2002:

1. Urbason und Decortin sind in etwa gleich stark; das Verhältnis liegt bei ca. 4:5, d.h. 4 mg Urbason entsprechen annähernd 5 mg Decortin

2. Eine Dosis von 4 mg Urbason liegt im low-dose-Bereich. Hinsichtlich der sogenannten Cushing-Schwelle (Auftreten von Nebenwirkungen im Sinne eines Cushing-Syndroms wie Wassereinlagerungen im Gewebe, ?Vollmondgesicht?, ?Stammfettsucht?, ?Stiernacken?, Veränderungen im Mineralhaushalt, Osteoporose = Knochenentkalkung, u.U. auch Entwicklung einer Zuckerkrankheit / eines Diabetes mellitus etc.) weiß man heute, dass es eine für alle Patienten in gleicher Weise gültige, identische Cushingschwelle nicht gibt. Bei dem einen Patienten liegt diese Schwelle bei 6 mg Urbason entsprechend 7,5 mg Prednisolon / Decortin, bei dem anderen sogar noch deutlich unter der gemeinhin genannten Schwelle von 4 mg Urbason bzw. 5 mg Prednisolon / Decortin. Im statistischen Mittel scheint aber eine Dosis von 4 mg Urbason / 5 mg Decortin im Hinblick auf Langzeitnebenwirkungen des Cortisons relativ sicher zu sein.

3. Man kann Cortison und Schilddrüsenhormone (z.B. Euthyrox) zusammen, d.h. gleichzeitig, einnehmen.

4. Man kann Cortison auch mal später als 8:00 Uhr oder 9:00h einnehmen. Nachteile erwachsen daraus nicht, wenn man es nicht regelmäßig sehr viel später nimmt. Allerdings ist Cortison ja ein körpereigenes Hormon und wird vom Körper in der Spitze in den frühen Morgenstunden gebildet. Wenn man das Cortison als Medikament einsetzt und nimmt es morgens ziemlich früh ein (z.B. zwischen 6:00 Uhr und 8:00 Uhr), ahmt man die natürliche Sekretion des Hormons nach. Abgesehen davon hat die frühe Einnahme von Cortison, noch im Bett und vor dem eigentlichen Aufstehen, den großen Vorteil, dass man weniger Morgensteifigkeit und beim Aufstehen und der morgendlichen Körperhygiene weniger Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung hat. Oft wird gesagt, man dürfe Cortison nicht auf nüchternen Magen nehmen, da es den Magen schädige. Dies ist mittlerweile gesicherte medizinische Erkenntnis, dass Cortison alleine keine Magenschädigungen hervorruft und deshalb ohne Probleme morgens auf nüchternen Magen genommen werden kann. Eine erhöhte Rate an Magenproblemen gibt es allerdings, wenn Cortison und cortisonfreie Entzündungshemmer vom alten Typ (so wie Diclofenac o.ö.) zusammen eingenommen werden.

 

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