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Fragen und Antworten

Eine Frage von Rosina S.:

Ich leide seit Juli 2003 an einer Erkrankung die sehr schmerzhaft ist und in der Lendenwirbelsäule begonnen hat und sich mittlerweile auch auf fast den gesamten Rücken ausgebreitet hat. Außerdem schmerzt besonders der 7. Halswirbel. Diese Erkrankung wurde als Polymyalgia rheumatica diagnostiziert, und ich nehme seit August 2003 täglich 1 Tablette Cortison 25 mg (Prednislon).

Aufgrund der Cortinsontabletten ist die Blutsenkung von ursprünglich 66/92 auf 7/25 zurückgegangen. Sie steigt jedoch beim geringsten Versuch, die Cortisonmenge auch nur um einige mg. zu reduzieren, sofort wieder an. Außerdem kommen auch die ursprünglichen Schmerzen der Muskeln sofort wieder zum Tragen.

Gibt es hier noch eine andere Alternative?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 27.02.2004:

Die Polymyalgia rheumatica ist eine der prognostisch günstigen rheumatischen Erkrankungen, wenn sie rechtzeitig diagnostiziert und adäquat behandelt wird.

Typische Symptome sind ein morgendlich betonter Muskelschmerz in den Muskelgruppen, die nah am Körper sind (Oberarme, Oberschenkel), z.T. begleitet von einer ausgeprägten Muskelschwäche. Typisch ist weiterhin eine deutliche Morgensteifigkeit. Häufig beginnt eine Polymyalgia rheumatica auch mit starken Nackenschmerzen, die in die Schläfe und in die Augenregion einstrahlen. Je nach Entzündungsaktivität geht sie darüber hinaus mit Gewichtsabnahme, erhöhten Körpertemperaturen, allgemeinem Krankheitsgefühl und manchmal auch ausgeprägter Depressivität einher.

Bei den Laborbefunden ist die Blutsenkung stark bis sehr stark erhöht, so daß oft zuerst an einen Tumor gedacht wird.

Schwierig ist manchmal die Abgrenzung zu einer chronischen Polyarthritis des älteren Menschen, die häufig so ähnlich wie eine Polymyalgia rheumatica beginnt. Manchmal präsentieren sich Borreliosen mit einem ausgeprägt polymyalgischen Bild, desweiteren einige Viruserkrankungen (z.B. Cytomegalie-Virus, CMV, oder Epstein-Barr-Virus, EBV).

Typisch für die Polymyalgia rheumatica ist das Fehlen von Laborwerten, die eine Schädigung der Muskulatur anzeigen (z.B. Erhöhungen der sogenannten CK). Ist bei einem entzündlichen Muskelschmerz die CK erhöht, muß an eine Polymyositis gedacht werden.

Bei einem kleinen Teil der Patienten mit einer Polymyalgia rheumatica liegt den Symptomen und der stark erhöhten Blutsenkung eine (bösartiger) Tumor zugrunde. In der Vergangenheit wurde deshalb bei allen Patienten mit Polymyalgia rheumatica eine umfangreiche Tumorsuche durchgeführt. Da diese in den meisten Fällen ohne Ergebnis verlief, gleichzeitig zu einer erheblichen Belastung der Patienten führte und nicht zuletzt auch mit einem nicht unwesentlichen Kostenaufwand einherging, wird derzeit diskutiert, ob man tatsächlich bei jedem Patienten mit einer typischen Polymyalgia rheumatica eine Tumorsuche durchführen muß.

Die Polymyalgia rheumatica ist eine entzündlich rheumatische Erkrankung, die sehr gut auf eine Cortisontherapie anspricht – wie man am Rückgang Ihrer Beschwerden und an der Normalisierung Ihrer Blutsenkungsgeschwindigkeit sieht. Anfangs benötigt man meist eine höhere Dosis, die sich im Verlauf wieder reduzieren läßt.

In der Regel ist eine Cortisontherapie mindestens über ein Jahr in unterschiedlicher Höhe erforderlich. Man spricht von einer sogenannten Erhaltungsdosis, die von Patient zu Patient unterschiedlich ist, aber meist bei 5-10 mg Prednisolon liegt. Wichtig ist, dass das Cortison langsam reduziert wird. Wird das Cortison zu schnell reduziert, kann es zu einem Wiederaufflackern der Erkrankung kommen.

Die Behandlung der Polymyalgia rheumatica hat sich in den letzten Jahren allerdings stark gewandelt.

Früher wurde nur Cortison gegeben, dabei wurden in der Regel ziemlich hohe Mengen verabreicht. Das Ergebnis war oft eine Heilung der Polymyalgie, aber mit dem Preis einer starken, durch die hohen Cortisonmengen verursachten Knochenentkalkung (Osteoporose) und anhaltenden Rückenschmerzen oder anderen Osteoporosefolgen.

Die moderne Therapie der Polymyalgia rheumatica kommt (gerade zu Anfang) auch nicht ohne Cortison aus. Um Cortison zu sparen, wird aber heute auch bei der Polymyalgia rheumatica eine langwirksame antirheumatische Therapie begonnen (z.B. mit Chloroquin oder Methotrexat (z.B. Lantarel).

Wichtig ist, daß die Therapie mindestens ein Jahr lang konsequent durchgeführt wird. Oft ist auch eine längere Therapiedauer notwendig, um den Entzündungsprozeß entgültig zu stoppen.

Wichtig: Wegen der längerdauernden Cortisontherapie sollten alle Patienten zur Osteoporose-Vorbeugung täglich 4 x 250 mg Calcium und 1.000 Einheiten Vitamin D3 erhalten.

Ein weiterer wichtiger Hinweis: Da es insbesondere unter höheren Cortisondosen zum Auftreten eines cortisonbedingten Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kommen kann, sollte auch der Blutzuckerspiegel zwischendurch kontrolliert werden.

 

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