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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ralf R.:

Da ich nicht weiß, ob ich Rheuma habe, es aber vermute, hier meine Krankheitsgeschichte mit der freundlichen Bitte um Stellungnahme:

 

Seit 1978 habe ich eine ausgeprägte Psoriasis vulgaris, welche im üblichen Stil verläuft. Alle 2 Jahre lasse ich mich deswegen in der Fachklinik ... behandeln und komme gut damit zurecht.

 

Seit etwa 10 Jahren habe ich teilweise heftige Rückenschmerzen (oft wetterbedingt). Man hat gut 7 Jahre gebraucht, um "Sakroileitis" zu diagnostizieren. Beide Gelenkspalten sind betroffen, was auf dem CT zu sehen ist. Sowohl mein Orthopäde, als auch die Fachklinik ... gab mir die Auskunft, dass man daran nicht viel machen könne. Es hängt mit der Psoriasis zusammen und müsse sich "ausbrennen". Irgendwann sei dann gut. Nun denn! Ich komme damit zurecht und nehme auch keine Medikamente. Nur wenn es ganz schlimm ist, mal eine Schmerztablette.

 

Nun zu dem eigentlichen Problem: Seit etwa 2 Jahren habe ich immer mal Schmerzen in den Knien - mal mehr, mal weniger. Da ich ja von der psoriatischen Arthritis weiß, habe ich die Knie röntgen lassen. Die Gelenke sind tadellos. Im vorigen Jahr habe ich festgestellt, dass sowohl die Innen- als auch die Außenmuskulatur direkt an den Knien schmerzt und auch manchmal auf Druck mit Schmerzen reagiert. Zunächst dachte ich an mangelnde Bewegung, aber auch mit Radfahren oder so wird es nicht besser. Vor einer Woche nun stellte ich fest, dass die Schmerzen weiter hoch ziehen, bis in die Ansätze der Oberschenkelmuskulatur. Gestern war das linke Knie in der Kniekehle geschwollen und schmerzte heftig. Bei Berührung fühlte sich die Haut an wie bei einem Sonnenbrand oder nach einem Bienenstich, und sie reagierte bei leichter Berührung mit leichtem Schmerz. Ist das Rheuma? Bei der psoriatischen Arthritis spricht man von Gelenkbeteiligung. Dies scheint aber bei mir nicht der Fall zu sein? Können Sie mir helfen?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 3.08.2003:

Wir können und dürfen aus der Ferne keine Hinweise zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben.

 

Allgemein kann man allerdings sagen, dass die Psoriasisarthritis zu den Krankheitsbildern gehört, die sehr häufig überhaupt nicht oder erst nach einem sehr langen Zeitraum diagnostiziert werden.

 

Wenn Gelenke geschwollen sind und schmerzen und gleichzeitig eine Psoriasis besteht, sollte man solange von einer Psoriasisarthritis ausgehen, bis das Gegenteil bewiesen ist.

 

Die Beteiligung der Ileosakralgelenke („Sakroileitis“) gehört auch in das Krankheitsbild der Psoriasisarthritis. Da dann das sogenannte Achsenskelett betroffen ist, liegt eine Unterform der Psoriasisarthritis vor, die man Psoriasis-Spondarthritis nennt.

 

Hinsichtlich der Therapie:

 

Mit der Einführung der modernen Medikamente stehen heute eine ganze Reihe von wirksamen Therapieverfahren zur Verfügung. Dies betrifft sowohl die Wirbelsäulenbeteiligung einschließlich der Iliosakralgelenke als auch die peripheren Gelenke.

 

Insofern gilt heute nicht mehr die Vorstellung, die rheumatische Entzündung müsse „ausbrennen“. Das Ziel der modernen Rheumatologie besteht vielmehr darin, die Entzündung so rechtzeitig und so wirksam zu kontrollieren, dass der „Brand“ in Wirbelsäule und Gelenken möglichst wenig Schaden anrichtet und nach Möglichkeit keine dauerhaften Schädigungen und Behinderungen eintreten.

 

Grundsätzlich gilt bei der Therapie, dass jede aktive Psoriasisarthritis mit einer langwirksamen antirheumatischen und krankheitsmodifizierenden medikamentösen Therapie behandelt werden sollte. Von der allgemeinen Therapiestrategie kann man sich an dem Vorgehen wie bei der rheumatoiden Arthritis orientieren. Hierzu gibt es beim TNF-alpha-Informationszentrum umfangreiche Informationen, zum einen auf der Homepage, zum anderen auch in Form von Broschüren und weiteren Print-Materialien.

 

Flankiert wird die krankheitsmodifizierende Medikation ggf. durch die symptomatische Behandlung mit cortisonfreien Entzündungshemmern („nicht-steroidale Antirheumatika“, NSAR) und unter Umständen bei hoher Krankheitsaktivität auch mit Cortison.

 

Als langwirksame Antirheumatika für die Therapie der Psoriasisarthritis sind in Deutschland derzeit folgende Substanzen zugelassen:

 

· intramuskulär verabreichtes Gold (Natriumaurothiomalat, Handelsname Tauredon)

 

· Methotrexat (z.B. Lantarel)

 

Ganz aktuell, d.h. seit Dezember 2002, steht außerdem mit dem „Biological“ Etanercept (Enbrel) das erste krankheitskontrollierende Medikament zur Behandlung der Psoriasisarthritis zur Verfügung.

 

Außerhalb der offiziellen Zulassung („off-label“) liegen bei der Behandlung der Psoriasisarthritis Erfahrungen aus klinischen Studien oder aus der praktischen Anwendung für folgende Substanzen vor:

 

· Sulfasalazin (z.B. Azulfidine RA, Pleon RA)

 

· Azathioprin (z.B. Imurek)

 

· Ciclosporin (Sandimmun, Sandimmun optoral); Sandimmun ist in Deutschland offiziell zugelassen für die Therapie der schweren Haut-Psoriasis

 

· Leflunomid (Arava)

 

Umfangreiche Studiendaten liegen aus dieser Medikamentengruppe insbesondere für Leflunomid vor. Die Ergebnisse der TOPAR-Studie belegen dabei eine gute Wirksamkeit von Arava bei Psoriasisarthritis. Es ist zu erwarten, das Arava in absehbarer Zeit auf der Grundlage dieser Studien auch offiziell für die Therapie der Psoriasisarthritis zugelassen werden wird.

 

Aus der Gruppe der biologischen Medikamente zeigen Studiendaten auch für Infliximab (Remicade) eine Wirksamkeit bei der Psoriasisarthritis.

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