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Fragen und Antworten

Eine Frage von Hans-Jürgen F.:

Seit nunmehr 16 Jahren leide ich an Psoriasisarthritis und bin mit den bisher stattgefundenen Behandlungsmöglichkeiten sehr unzufrieden. Fast alle Fuß-, Zehen- und Fingergelenke sind betroffen und das Verrichten meiner täglichen Arbeit wird immer mehr zum Problem. MTX habe ich ca. 7 Wochen eingenommen, habe aber auf Grund von Nebenwirkungen (Ohrengeräusche, Depris...) damit aufgehört. Da ich als Meister auf ständig wechselnden Baustellen tätig bin, ist es auch nicht möglich, die vielen Kontrolltermine wahrzunehmen. Nun habe ich über dieses Enbrel gelesen und schöpfe natürlich neue Hoffnung. Leider habe ich noch keinen Arzt gefunden, der über dieses Medikament Auskunft geben kann bzw. eine Behandlung damit vorschlägt. Nun meine Bitte: Ich bin auf der Suche nach einem geeigneten Rheumatologen, der mir außer Operationen und MTX Alternativen aufzeigen könnte. Ich bin natürlich auch bereit, einen längeren Anfahrweg in Kauf zunehmen. Vielleicht gibt es Ihrerseits Empfehlungen über geeignete Ärzte, das wäre schön, und vor allem wieder ein Lichtblick am Horizont.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 7.08.2003:

Enbrel ist seit Dezember 2002 in Deutschland für die Therapie der aktiven Psoriasisarthritis zugelassen, bei der die konventionelle langwirksame antirheumatische Therapie nicht ausreichend wirkt oder aus anderen Gründen (inbesondere Gegenanzeigen („Kontraindikationen“) oder Nebenwirkungen) nicht gegeben werden kann. Die Entscheidung zum Beginn einer Enbrel-Therapie sollte von einem internistischen Rheumatologen getroffen werden; er sollte auch die Therapie durchführen bzw. überwachen.

 

Da Enbrel ein relativ teures Medikament ist, verlangen die Kostenträger (Krankenkassen, Beihilfestellen), dass vor dem Einsatz dieses Präparates preiswertere zur Verfügung stehende Alternativen angewendet wurden. Bei Ihnen wurde in dieser Richtung ein Therapieversuch mit Methotrexat bereits gemacht und konnte wegen der Nebenwirkungen nicht genügend lange fortgeführt werden. Damit wäre eine wichtige Voraussetzung für die Enbrel-Therapie erfüllt.

 

Außerhalb der offiziellen Zulassung („off-label“) liegen bei der Behandlung der Psoriasisarthritis Erfahrungen aus klinischen Studien oder aus der praktischen Anwendung für folgende Substanzen vor:

 

· Sulfasalazin (z.B. Azulfidine RA, Pleon RA)

 

· Azathioprin (z.B. Imurek)

 

· Ciclosporin (Sandimmun, Sandimmun optoral); Sandimmun ist in Deutschland offiziell zugelassen für die Therapie der schweren Haut-Psoriasis

 

· Leflunomid (Arava)

 

Umfangreiche Studiendaten liegen aus dieser Medikamentengruppe insbesondere für Lefunomid vor. Die Ergebnisse der TOPAR-Studie belegen dabei eine gute Wirksamkeit von Arava bei Psoriasisarthritis. Es ist zu erwarten, das Arava in absehbarer Zeit auf der Grundlage dieser Studien auch offiziell für die Therapie der Psoriasisarthritis zugelassen werden wird.

 

Enbrel ist bei Psoriasis-Arthritis hochwirksam mit Ansprechraten hinsichtlich der Gelenksymptome bei weit über 50% der Patienten. Bei dem größten Teil der Patienten kommt es auch zu einer deutlichen Besserung der Hautmanifestationen der Psoriasis.

 

Die Erfahrungen mit Enbrel decken sich im wesentlichen mit denen bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis. Für weitergehende Informationen zu Enbrel (insbesondere auch zur Verträglichkeit oder zu möglichen Nebenwirkungen) empfiehlt sich deshalb die Lektüre der entsprechenden Seiten auf der TIZ-Homepage. Weiterhin empfehlenswert ist die TIZ-Broschüre zu Etanercept, die online über das entsprechende Formular auf der TIZ-Homepage angefordert werden kann.

 

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