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Fragen und Antworten

Eine Frage von Jürgen H.:

Meine Frage bezieht sich auf Radiumchlorid 224 gegen M. Bechterew. Da in sämtlichen Publikationen größtenteils positives über dieses Medikament berichtet wurde, stellt sich mir die Frage, warum es trotz relativ geringer Nebenwirkungen nicht viel häufiger eingesetzt wird. Ich habe seit 16 Jahren MB (bin heute 32 Jahre alt) und meine gesamte Wirbelsäule ist schon relativ steif, aber ich habe glücklicherweise keine periphere Gelenkbeteiligung. Momentan nehme ich noch an einer Studie mit Remicade teil, aber nach nunmehr 22 Monaten lässt die Wirkung nach (die Schmerzen nehmen wieder zu, aber das CRP und die BSG sind im Normbereich, die Leukos sind wieder leicht erhöht (ca.12000)) und ich überlege, Radium als Folgemedikament zu nehmen. Meine Frage an Sie ist, ob Ihnen ein Fall bekannt ist, der negative Erfahrungen bzgl. der Nebenwirkungen mit Radium gemacht hat und warum es nicht häufiger verordnet wird. Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.07.2002:

Der Einsatz von Radiumchlorid 224 bei M. Bechterew ist eine Therapie, die in vergleichbarer Form schon vor einigen Jahrzehnten mit durchaus guten Erfolgen durchgeführt wurde. Diese Behandlungsform wurde dann in der Folge wegen gewandelter Therapiekonzepte, insbesondere auch wegen der Erfolge der medikamentösen krankheitsmodifizierenden Therapien beim M. Bechterew, verlassen bzw. aus den Augen verloren. Ein zweiter Grund dürfte die Diskussion um die möglichen Langzeitfolgen einer solchen Behandlung sein, da es sich ja um eine Therapie mit einer radioaktiven Substanz handelt. Insbesondere ist nach meinem Kenntnisstand auch die Frage nach der Auslösung von möglichen bösartigen Tumoren als Spätfolge nicht sicher entschieden. Ein weiterer Grund für die gewisse Zurückhaltung beim Einsatz dieser Therapie ist das Fehlen überzeugender klinischer Studien, die die Wirksamkeit dieser Behandlung auf einem wissenschaftlichen Niveau belegen, dass für die Medizin im Jahr 2002 zu verlangen ist. Meines Wissens gibt es keine randomisierte, doppelblinde, prospektive Studie zur Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode. Die mir bekannten Daten wurden häufig retrospektiv erhoben; andere Studien haben eher kasuistischen Charakter. Nicht zuletzt dürften auch die hohen Kosten der Therapie im Zusammenhang mit ihrer nicht ausreichend bewiesenen Wirksamkeit eine Rolle dabei spielen, warum der Stellenwert dieser Behandlungsmethode bei der Therapie des M. Bechterew derzeit nicht sehr hoch ist.

 

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