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Fragen und Antworten

Eine Frage von Frank:

Welche Möglichkeiten habe ich als Bechti mit dem Medikament Remicade, bzw. mit dem Wirkstoff Inflximab und mit welchen Nebenwirkungen muß ich rechnen?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 18.09.2002:

Remicade ist bei M. Bechterew ein hochwirksames Medikament, allerdings sollte es erst nach Ausschöpfen der traditionellen Behandlungsmethoden eingesetzt werden. Dies hängt u.a. damit zusammen, dass Infliximab (Remicade) ebenso wie im übrigen auch der andere TNF-alpha-Blocker Etanercept (Enbrel) in Deutschland noch nicht offiziell für die Behandlung des M. Bechterew zugelassen ist.

 

Aus Studien wissen wir, dass beide Substanzen beim M. Bechterew excellent wirken. Die weltweit erste Pilot-Studie zur Behandlung eines M. Bechterew mit TNF-alpha-Blockern erfolgte übrigens in Deutschland; dabei kam Infliximab (Remicade) zur Anwendung. Die Ergebnisse dieser Pilotstudie waren so überzeugend, dass in der Folge weitere Studien angeschlossen wurden, die zu identisch positiven Ergebnissen kamen.

 

Für einen Patienten mit einem M. Bechterew heißt die Antwort auf die Frage zum Einsatz von TNF-alpha-Hemmern wie Infliximab (Remicade) konkret:

 

Wenn sich die Krankheitsaktivität durch eine traditionelle langwirksame antirheumatische Therapie nicht ausreichend kontrollieren läßt, sollte ein Versuch mit einem TNF-alpha-Blocker wie Infliximab unternommen werden. In der Regel heißt aber "Ausschöpfen traditioneller langwirksamer Antirheumatika" auch, dass zuvor andere langwirksame Antirheumatika wie Sulfasalazin und auch Methotrexat (Mtx) in einer ausreichend hohen Dosis (mindestens 15 mg pro Woche) und ausreichend lange (mindestens 3 Monate) eingesetzt wurden. Das Problem bei dieser Einschränkung ist, dass Mtx bei Bechterew oft nicht wirkt. Der vorherige Einsatz und die unzureichende Wirkung von Mtx ist aber bei der Frage der Kostenübernahme der sehr teuren Remicade-Therapie ein wichtiges Argument gegenüber der Krankenkasse (bei Versicherten der Privaten Krankenversicherung) bzw. gegenüber den Prüfungsausschüssen der Kassenärztlichen Vereinigungen (bei Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung). Ich selber würde außerdem zusätzlich zur laufenden langwirksamen antirheumatischen Therapie (Basistherapie) den vorherigen Versuch mit einer niedrig-dosierten Cortisontherapie (5 mg Prednisolonäquivalent) unternehmen, bevor ich den Einsatz von TNF-Blockern vorschlagen würde.

 

Zur Frage der möglichen Nebenwirkungen:

 

Von den meisten Patienten wird Remicade sehr gut vertragen. Allerdings kann es wie bei jedem hochwirksamen Medikament auch zu möglichen Nebenwirkungen kommen. Dabei sind vor allem Infektionskomplikationen von Bedeutung.

 

Für beide oben genannten TNF-alpha-Blocker ist eine erhöhte Infektanfälligkeit bekannt, die sich in der Regel in einer erwas erhöhten Rate an normalerweise harmlosen Infekten der oberen Luftwege wie banalen Erkältungen äußert. Schwere Infektionen sind glücklicherweise selten. Allerdings können sie auftreten und sind dann u.U. auch gefährlich, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Deshalb sollte man bei allen unklaren Symptomen unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern mit seinem behandelnden Arzt Kontakt aufnehmen (Tipp: mit dem behandelnden Rheumatologen, da er die entsprechende Erfahrung mit der Remicade-Therapie hat und am ehesten beurteilen kann, ob eine kritische Situation vorliegt oder nicht).

 

Damit eine hohe Therapiesicherheit unter einer Remicade-Therapie sichergestellt ist, sollte aus meiner Sicht die Behandlung mit TNF-alpha-Blockern wie Infliximab (Remicade) oder Etanercept (Enbrel) nur durch Spezialisten durchgeführt werden, die mit dieser Therapie eine ausreichende Erfahrung haben. Dies sind in der Regel internistische Rheumatologen. Damit die Therapie auf einem hohen Sicherheitsniveau abläuft, werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt, deren Art und Umfang sich u.a. nach dem Behandlungszeitpunkt (z.B. Therapieeinleitung, stabile laufende Therapie), der genauen Diagnose, der Art und Schwere der Erkrankung sowie möglichen Begleiterkrankungen richtet.

 

In der Regel kommt es dann unter einer Remicade-Therapie nicht zu gefährlichen oder gar lebensbedrohlichen Folgen.

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