Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Marcel T.:

Mein Sohn leidet seit 1993 an JCA, mit schwerer Hueftzerstoerung beidseitig. Hat alle konventionellen Medikamente schon bekommen und als TNF-Blocker Enbrel, der allerdings seit Januar 03 abgesetzt wurde, weil seine gute 18-monatige Wirkung nachgelassen hat.

 

Inzwischen hat er Leukeran bis zu einer kumulativen Gesamtmenge von 500 mg bekommen, und jetzt treten wieder die Schwellungen und Entzuendungen in 2 Gelenken auf. Die aktuellen aerztlichen Vorschlaege sind:

 

1. eine Stammzellentransplantation, wenn die Ergebnisse einiger

Voruntersuchungen (Amyloidose) es befuerworten

2. Remicade einsetzen.

 

Wir als Eltern haben uns fuer den TNF-Blocker entschieden, haben aber den

Zweifel, ob Remicade die richtige Entscheidung waere.

 

Ich habe mehrmals gelesen und von Aerzten gehoert, dass durch die maeusliche Herkunft der Zusammensetzung von -Remicade- es oft zu allergischen Reaktionen kommen kann und die Wirkung abklingt.

 

Abgesehen davon, dass Humira noch nicht fuer Kinder zugelassen ist: Bietet das neue HUMIRA nicht Vorteile gegenueber REMICADE, da es rein menschliche Komponenten hat?

 

 

Die Antwort gibt Prof. Dr. med. Gerd Horneff, 1.11.2003:

1. Untersuchungen dazu, ob der Einsatz eines zweiten TNF-Hemmers

nach Versagen des ersten TNF-Hemmers auch im Kindesalter sinnvoll ist, stehen nicht zur Verfügung.

 

Dagegen gibt es bei erwachsenen Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis durchaus diese Erfahrung, d.h. nach Versagen einer Etanercept-Therapie konnte mit Einsatz von Infliximab doch ein therapeutischer Erfolg erreicht werden und auch nach Versagen einer Infliximab-Therapie wurde bei anderen Patienten erfolgreich Etanercept eingesetzt.

 

Eine Übertragung dieser Ergebnisse auf die juvenile idiopathische Arthritis ist aber nicht einfach möglich. Systematische Untersuchungen stehen hierzu nicht zur Verfügung. Mir sind dagegen aber einige Verläufe bekannt von Kindern, bei denen nach Versagen einer Therapie mit Etanercept auch eine Infliximab-Therapie ohne Erfolg blieb. Dies betrifft vor allem Kinder mit einer systemischen Beginnform ihrer Erkrankung, dem Morbus Still.

 

 

2. Es ist zutreffend, daß das Medikament Infliximab (Remicade) zum

Teil noch Mauseiweiß enthält. Dieses kann zu allergischen Reaktionen führen, auch zu schwereren allergischen Reaktionen. Auch bei den nur aus menschlichem Eiweiß bestehenden Medikamenten Etanercept und Adalimumab sind allergische Reaktionen beobachtet worden. Dies sind eher selten und leichter.

 

 

Das Medikament Adalimumab (Humira) ist noch nicht zum Einsatz bei

Kindern zugelassen. Auch erfüllt Ihr Kind nicht die Einschlußkriterien zur Teilnahme an der derzeit durchgeführten Studie, die die Prüfung der Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikamentes im Kindesalter zum Ziel hat.

 

Vor Abschluß einer solchen Prüfung mit der dann hoffentlich erfolgenden Zulassung sollte das Medukament nur in begründeten Ausnahmefällen im Rahmen eines individuellen Heilversuches im Kindesalter eingesetzt werden. Ihr behandelnder Kinderrheumatologe wird Ihnen diesbezüglich gern zur Besprechung zur Verfügung stehen.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.