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Fragen und Antworten

Eine Frage von Yvonne S.:

Wie ist bei einer Therapie mit Remicade mit der Infektionsgefahr im täglichem Leben und gezwungenermaßen auch durch den Beruf/Studium (Chemie/Biochemie-Studentin + berufstätig auf chem./biochemischem Sektor)? z.B. Hühnerstallputzen(Staubwolke, Milben), Pflegen von kranken Tieren, Kontakt zu Tieren im allgemeinen? Arbeiten in chemischen Labors (biochemische Tätigkeiten bei wissenschaftlichen Studien, PCR-Abteilung, Arbeiten mit Toxinen, Viren, Mykobakterien, Serum, Blutproben, Proteinexpression, Aufreinigungen/Isolationen, chemisches Arbeiten --> Probenvorbereitung, Analysen...)? Ist dadurch mein Studium/Werdegang/Laufbahn in Gefahr?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 19.02.2004:

Grundsätzlich gilt auch für diese Frage die Antwort zu einem allgemein erhöhten Infektionsrisiko unter einer Therapie mit TNF-alpha-hemmenden Substanzen. Inwieweit sich unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern ein spezifisch erhöhtes Risiko unter einer ganz speziellen Arbeitsplatz-Situation ergibt, hängt sehr vom individuellen Einzelfall ab. An sich sollte man davon ausgehen, daß an Arbeitsplätzen mit einem entsprechend erhöhten Infektionsrisiko auch geeignete Schutzmaßnahmen vorgesehen sind, z.B. durch entsprechende Schutzkleidung oder ggf. auch Mundschutz oder Laminar-Flow-Geräte und andere technische Einrichtungen, die das Infektionsrisiko auch für die anderen Mitarbeiter minimieren. Wenn man sich an die hier vorgeschriebenen oder empfohlenen Hygienestandards und Vorbeugungsmaßnahmen hält, sollte auch unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern das Infektionsrisiko überschaubar sein.

 

Ein spezielles Problem ist die Infektion mit Mykobakterien. Bekanntlich ist unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern das Risiko speziell für Infektionen mit Mykobakterien, insbesondere auch für eine Tuberkulose-Infektion (Mykobakterium tuberculosis) erhöht. Dieses erhöhte Risiko für die Reaktivierung einer vorbestehenden Tuberkulose betrifft aus substanzspezifischen Gründen vor allem die TNF-Antikörper, d.h. Infliximab (Remicade) und Adalimumab (Humira), in geringerem Ausmaß den löslichen TNF-alpha-Rezeptor Etanercept (Enbrel). Bevor eine Therapie mit einem TNF-alpha-Antikörper (Remicade, Humira) begonnen wird, ist deshalb eine Testung auf eine Tuberkulose mittels eines entsprechenden Hauttestes vorgeschrieben. Wenn dieser Test negativ ist, d.h. keine Reaktion erfolgt, wird das Risiko hinsichtlich einer Tuberkulose-Reaktivierung gemeinhin als relativ niedrig eingeschätzt. Grundsätzlich gelten diese Aspekte auch für eine Neuansteckung mit Tuberkulose. Allerdings sollten die Arbeitsbedingungen in mikrobiologischen und anderen Labors so sein, daß ein beruflich bedingtes Risiko für eine Infektion mit Mykobakterien nicht besteht.

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