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Fragen und Antworten

Eine Frage von Renata V.:

Ich werde im August eine Trekkingreise in Ladakh (nordwestlichste Provinz Indiens, direkt neben Tibet gelegen) machen. Kann ich folgende Impfungen machen: Hapatitis A u. B, Typhus?

 

Was empfehlen Sie mir, falls ich unterwegs Probleme mit dem Knie oder Fuss bekomme? Vor einem Jahr hatte ich immer wieder Probleme mit dem rechten Fuss, ist jetzt aber ok. Mit dem linken Knie habe ich seit Oktober Probleme, d.h. es füllt sich immer wieder mit Wasser. Seit Dez. 04 wurde mir 6 mal die Fluessigkeit abgezogen, teilweise bekam ich Cortison ins Kniegelenk. Ich habe aber keine Schmerzen und kann sehr gut gehen, solange des Knie "leer" ist.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 30.03.2005:

Impfungen unter einer Therapie mit Remicade

Wie sie wissen, können und dürfen wir für den individuellen Einzelfall keine diagnostischen oder therapeutischen Empfehlungen geben.

Allgemein kann man sagen, daß Impfungen mit Totimpfstoffen unter der Therapie einer rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis) mit Remicade (und auch unter einer Kombinationstherapie von Remicade mit Methotrexat) im Prinzip durchgeführt werden können und normalerweise auch problemlos vertragen werden. Dies gilt auch für verwandte Erkrankungen wie die Psoriasis-Arthritis oder den M. Bechterew. Allerdings muß man die Einschränkung machen, daß es noch keine umfangreichen, systematischen Daten zu Patienten gibt, die unter einer laufenden Therapie mit TNF-alpha-Blockern bei diesen Krankheitsbildern geimpft wurden.

Zu den Totimpfstoffen gehören die von Ihnen angesprochenen Impfungen gegen Hepatitis A, Hepatitis B und Typhus (bei der Typhus-Impfung muß man aufpassen, es gibt einen Totimpfstoff und eine Lebendimpfung; unbedenklich ist hier nur die Totimpfung). Die Remicade-Therapie muß für die Impfung nicht unterbrochen werden.

Allerdings muß darauf hingewiesen werden, daß es unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern und damit auch unter einer Remicade-Therapie, speziell auch in Kombination mit Methotrexat, zu einer abgeschwächten oder fehlenden Impfreaktion kommen kann, d.h. die Impfung u.U. nicht den erwünschten Schutz bietet. Es wird deshalb empfohlen, Patienten vor Aufnahme einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern durchzuimpfen. Wenn, wie in Ihrem Fall, die Impfung unter einer laufenden Remicade-Therapie durchgeführt werden muß, würde man die Impfung geschickterweise so timen, daß sie nicht unmittelbar nach einer Infusion durchgeführt wird, sondern etwa 6 Wochen nach der Infusion (nicht unmittelbar vor der Infusion, damit das Immunsystem Zeit für eine Immunantwort hat). Wenn die Infusionsintervalle 8 Wochen betragen, ist ein guter Zeitpunkt für die zweite Impfung für Hepatitis B, die ja etwa 4 Wochen nach der ersten Impfung erfolgen sollte, der Zeitraum etwa 4 Wochen nach der Infusion (d.h. man verlängert den Abstand zur 1. Impfung etwas nach hinten).

In der Regel nicht durchgeführt werden dürfen unter einer Therapie mit Remicade  Impfungen mit Lebendimpfstoffen. Zu den Impfungen mit Lebendimpfstoffen gehören u.a. die Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Gelbfieber sowie die Schluckimpfungen gegen Kinderlähmung (Polio), außerdem die Impfung mit dem Lebendimpfstoff gegen Typhus, weiterhin die BCG-Impfung gegen Tuberkulose (die allerdings heute nicht mehr üblich ist).

Zum Thema „Impfungen bei rheumatischen Erkrankungen“ und zur Thematik „Impfungen und antirheumatische Therapie“ habe ich einen ausführlichen Beitrag in „Rheuma von A-Z in rheuma-online geschrieben (http://www.rheuma-online.de). Außerdem gibt es von mir mehrere Antwort im TIZ auf ähnliche Anfragen. Ich habe die entsprechenden Links nachfolgend zusammengestellt. Im Wesentlichen hat sich gegenüber diesen Antworten nichts geändert, so daß die damaligen Antworten immer noch aktuell sind.

In der Vergangenheit bestand eine kontroverse Diskussion bei der Frage, ob durch Schutzimpfungen Autoimmunerkrankungen wie z. B. die rheumatoide Arthritis oder die Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) ausgelöst werden können. Diese Sorge scheint nach dem heutigen Stand der evidenzbasierten Wissenschaft unbegründet zu sein (siehe dazu das entsprechende Kurzreferat in den rheuma-news vom 17. Dezember 2003).
Speziell zur Frage von Impfungen bei M. Bechterew und Therapie mit TNF-alpha-Blockern wurde auch schon einmal eine Antwort  in unserem Experten-Chat gegeben (nachzulesen hier).

Links zu ähnlichen Fragen:

http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/9/
http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/398/
http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/217/
http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/205/
http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/142/
http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/105/
http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/218/

http://rheuma-online.de/medikamente/adalimumab-humira/ausfuehrliche-informationen-zu-adalimumab-humira/impfungen-unter-einer-therapie-mit-humira/

http://rheuma-online.de/news/197.html

http://rheuma-online.de/chat-archiv/remicade-2.php

Zur Frage des dicken Knies:

Auf einer Trecking-Reise wird das Knie natürlich stärker belastet als unter normalen Alltagsbedingungen. Das könnte schon ein Problem darstellen. Da man kaum auf die Idee kommen wird, das Knie in Ladakh zu punktieren, gibt es praktisch nur die Möglichkeit, vorher die Verträglichkeit eines gut wirksamen cortisonfreien Entzündungshemmers auszuprobieren und diesen dann ggf. in Ladakh einzusetzen, außerdem für den Notfall soviel Cortison in Tablettenform mitzunehmen, daß man sich ggf. damit weiterhelfen kann. Dies nur als grundsätzliche Überlegung; ob dies für Sie im Einzelfall richtig und möglich ist, muß mit dem behandelnden Rheumatologen besprochen werden.

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