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Fragen und Antworten

Eine Frage von A.P.:

Mein Lebensgefährte hat M. Bechterew und nimmt an einer Remicade-Studie teil. Vor

Beginn der Studie wurde er darauf hingewiesen, dass unter Remicade kein Kind gezeugt

werden darf. Ich glaube, das gilt generell für alle Immunsupressiva, warum ist

das so?

 

Es wird geraten, mindestens 6 Monate nach Absetzen von Remicade zu warten,

bevor ein Kind gezeugt wird. Kann man hier eine genauere Aussage treffen? Kann

man überprüfen, ob der Wirkstoff sich noch im Körper befindet?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 30.11.2002:

Da Ihre Frage mit Sicherheit von allgemeinem Interesse ist, habe ich sehr intensive Recherchen angestellt und mit der Antwort außerdem bis nach dem aktuellen 2. TNF-alpha-Forum in München gewartet, was heute Nachmittag zu Ende gegangen ist. Ich habe Ihre Frage dort auch an alle anwesenden Rheumatologen einschließlich der dortigen TNF-alpha-Experten gerichtet; außerdem an die dort anwesenden „hochkarätigen“ Essex-Mitarbeiter (Essex ist der pharmazeutische Hersteller von Infliximab (Remicade)).

 

Danach stellt sich die Situation wie folgt dar:

 

Es gibt absolut überhaupt keine Daten zu der Frage, was eine TNF-alpha-Blocker-Therapie mit den Spermien macht. Nach Aussage von Essex liegen dazu derzeit weder Erkenntnisse aus Tierexperimenten noch von Patienten vor. Man hat meine Frage aber zum Anlass genommen, ein entsprechendes Untersuchungsprogramm anzudenken.

 

Ebenso gibt es keine Daten zu Kindern, die von Männern unter einer laufenden Therapie mit Infliximab gezeugt wurden.

 

Insofern kann man augenblicklich vor dem Hintergrund der möglichen haftungsrechtlichen Konsequenzen nur die bereits oben genannte Empfehlung geben, mit der Zeugung so lange zu warten, bis die Infliximab-Spiegel im Blut vollkommen abgeklungen sind. Dies sollte spätestens 6 Monate nach der letzten Infliximab-Infusion der Fall sein.

 

Grundsätzlich können Infliximab-Spiegel im Blut bestimmt werden. Der Test ist aber sehr aufwendig und nicht routinemäßig verfügbar.

 

Hinsichtlich anderer langwirksamer antirheumatischer Substanzen einschließlich Immunsuppressiva sind die Empfehlungen in Abhängigkeit von den einzelnen Medikamenten unterschiedlich. So muß nicht bei jedem dieser Medikamente ein Zeitraum von 6 Monaten zwischen der letzten Einnahme oder Verabreichung des Medikaments und der Zeugung eingehalten werden. Die Länge des Intervalls richtet sich vielmehr danach, wie schnell die Substanz aus dem Körper ausgeschieden wird bzw. wie lange sie oder ggf. auch so genannte wirksame Metaboliten = Stoffwechselprodukte im Körper verbleiben. Dabei kann das Intervall in Einzelfällen sehr viel kürzer oder aber auch sehr viel länger sein. Im Fall von Leflunomid (Arava) verbleibt der wirksame Metabolit bis zu 2 Jahre im Körper. Wenn man mit einer Schwangerschaft so lange nicht warten will, muß dieser Metabolit mit einem speziellen Medikament gezielt ausgewaschen werden.

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