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Fragen und Antworten

Eine Frage von Heike K.: :

Ich bin weiblich, 53 Jahre und wurde 2 Jahre wegen einer rheumatoiden Arthitis mit Cortison und verschiedenen Basismedikamenten von meiner Rheumatologin behandelt.

Seit 1 Jahr dann 5 mg Cortison und 20 mg Arava, darunter waren dann meine Entzündungswerte gut zurückgegangen - die Schmerzen im ganzem Körper waren aber immer wieder vorhanden. Nach einem stationären Aufenthalt mit Untersuchungen und verschiedenen physikalischen Anwendungen wurde bei mir eine Fibromyalgie festgestellt. Da zu dieser Zeit keine Entzündungen festgestellt wurden, wurden Cortison und Arava in der Klinik abgesetzt. Ich bekam 75mg Imitryptilin und 2x täglich 200 mg Celebrex.

Als ich mich jetzt bei meiner Rheumatologin vorstellte, war sie sehr erbost, daß die Medikamente in der Klinik abgesetzt wurden. Sie verordnete mir gleich wieder Cortison, ohne die Werte zu überprüfen. Nun bin ich sehr verunsichert.

Auch mit der Behandlung der Fibromyalgie habe ich keine optimale Behandlung. Ich hatte mich bei einem Psychologen vorgestellt, dieser meinte jedoch, ich wäre kein Fall für den Psychologen. In der Klinik wurde mir dieser Weg aber empfohlen.

Vieleicht können Sie mir meine Unsicherheit etwas nehmen.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.08.2002:

Leider ist die Fibromyalgie eine sehr häufig gestellte und häufig nicht sehr gut begründete Diagnose. So steht in den amerikanischen Diagnosekriterien ausdrücklich, dass andere Krankheiten ausgeschlossen werden müssen, bevor man die Diagnose einer Fibromyalgie stellt. Dazu gehört auch eine rheumatoide Arthritis. Wenn also bei einer Patientin mit einer rheumatoiden Arthritis fibromyalgische Symptome bestehen, kann es sich nur um eine sogenannte sekundäre Fibromyalgie handeln, d.h. eine Fibromyalgie in der Folge der Grunderkrankung. Wenn in einer solchen Situation die rheumatoide Arthritis mit einer Basistherapie so gut kontrolliert ist, dass im Blut keine Entzündungszeichen mehr nachweisbar sind, ist dies kein Grund, die Basistherapie abzusetzen und die Diagnose von RA auf Fibromyalgie zu ändern.

Grundsätzlich schließe mich insofern der Auffassung Ihrer behandelnden Rheumatologin an und kann auch ein bisschen nachvollziehen, dass sie erbost war. Es ist für die Kooperation zwischen Ärzten nie gut, wenn der eine die Diagnose des anderen ändert, ohne vorher Rücksprache zu nehmen und zu klären, warum der erste Arzt zu dieser Diagnose kam. Außerdem sollte eine Rheumatologin in der Lage sein, die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis zu stellen. Wenn die Klinik meint, dies in Frage stellen zu wollen, muss sie zum einen gute Argumente haben und wäre zum anderen in jedem Fall gut beraten gewesen, sich mit der Rheumatologin in Verbindung zu setzen. Dies aber eher als allgemeine Bemerkung, ohne die Verhältnisse bei Ihnen vor Ort genau zu kennen.

Das medizinische Problem in einer Lage wie der Ihrigen ist, dass es die Kombination von RA und Fibromyalgie gibt und leider wirklich nicht selten die ursprüngliche RA unter der Basistherapie nicht mehr das Problem ist, sondern die Probleme dann aus der Fibromyalgie erwachsen.

In diesem Fall muss man meistens die Therapie der RA fortsetzen und die Fibromyalgie flankierend behandeln. Ein bewährter Therapieansatz ist dabei neben einer medikamentösen Therapie zur Schmerzdistanzierung (wie z.B. Imitryptilin) und einer ausreichenden Schmerzmedikation (z.B. mit einem cortisonfreien Entzündungshemmer wie Celebrex oder auch mit einer zusätzlichen Gabe von einem reinen Schmerzmittel in Kombination mit Celebrex) eine psychologische Schmerztherapie (z.B. Entspannungstraining, Ablenkungstechniken etc.). Für diese psychologische Schmerztherapie gibt es eine entsprechende Spezialausrichtung; nicht jeder Psychologe ist automatisch auch Schmerztherapeut. Ich verstehe die Bemerkung Ihres Psychologen so, dass er eine andere Ausrichtung seiner Schwerpunkte hat (möglicherweise ist er psychoanalytisch orientierter Psychologe und damit vielleicht in einer ganz anderen Richtung tätig als ein Schmerztherapeut).

 

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