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Fragen und Antworten

Eine Frage von Anniliesi:

Ich habe cP und nehme nun seit Juni 2001 Enbrel-Spritzen, 2xWoche s.c. Mein "Zustand "ist zufriedenstellend, obwohl die Blutwerte, wie BSG, CRP, RF sehr hoch sind. Dennoch möchte ich im Dezember für ca. 3 Monate nach Asien traveln, mit dem Rucksack, auf eigene "Faust". Da nun das Enbrel kühl lagern soll, weiß ich nicht, wie ich im heißen Asien die Medikamente kalt lagern soll. Haben Sie evt. eine andere Alternative, wie ich mich mit Medikamenten und mit welche über "Wasser halten" kann?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.09.2001:

 

Es ist natürlich ganz schwer, dazu etwas aus der Ferne zu sagen, und zu ihrer speziellen Situtation kann und darf ich ohnehin keine Kommentare abgeben. Allerdings kann man ganz allgemein antworten, dass man mit einer chronischen Polyarthritis in einer Phase hoher Krankheitsaktivität keine Fernreisen nach Asien machen sollte. Es ist zu befürchten, daß es darunter noch weiter zu einer Verstärkung der Krankheitsaktivität kommt bis hin zu einem richtigen schweren Schub. Ich halte in einer solchen Situation eine Reise für sehr riskant, zudem, wenn man dazu auch noch auf eigene Faust mit dem Rucksack losziehen will. Ganz anders ist es, wenn sich die cP in einer guten Remission befindet. Da kann man dann je nach Lage der Dinge schon darüber nachdenken, ob man so eine Reise wagen kann. Selbst in einem solchen Fall darf man da aber auch nicht zu blauäugig herangehen. Sicher ist bei Rucksackreisen das Enbrel nicht das Mittel der Wahl. Alternativen im engeren Sinne gibt es nicht. Das einzige, was zu überlegen wäre, ist, ob man in einer Phase der kompletten Remission auf ein anderes Medikament zur Remissionserhaltung wechseln kann, z.B. auf Methotrexat (z.B. Lantarel) oder Leflunomid (Arava) oder u.U. auch auf eine Kombination von beiden. In jedem Fall besteht unter einer wirksamen langwirksamen antirheumatischen Therapie mit solchen Medikamenten ein erhöhtes Infektionsrisiko. Auch ohne Medikamente geht die chronische Polyarthritis selber auch mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Gerade bei einer Rucksackreise sollte man sich dessen sehr bewußt sein, da ja die hygienischen Bedingungen dabei nicht so optimal sind wie zu Hause. Ich weiss, wovon ich rede, da ich selber als Student für 3 Monate mit dem Rucksack in Südamerika unterwegs war (Bolivien, Peru und Ecuador).

In jedem Fall erfordert ein solcher Plan eine sehr detaillierte Abstimmung mit dem behandelnden Rheumatologen, auch im Hinblick darauf, was man tun kann, wenn es wirklich zu Notsituationen (Krankheitsschub, Infektionskomplikationen etc kommt).

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Grundsätzlich finde ich es toll und unterstütze es mit allen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, wenn eine Patientin / ein Patient mit cP sich nicht einigelt, sondern das Leben anpackt und versucht, soweit wie möglich wie ein Gesunder zu leben und auch seine Träume zu verwirklichen. Dazu gehören natürlich auch solche Reisepläne, wie Sie es vorhaben.

Vielleicht sollten wir das Thema mal aufgreifen und vielleicht sogar mal einen der zukünftigen moderierten Chats dazu machen. Oder als ersten Schritt eine Diskussion im Erfahrungsaustausch. Vielleicht fragen sie dort mal, wer schon einmal mit cP mit dem Rucksack in Asien oder in Südamerika oder in Afrika unterwegs war und welche positiven, aber auch welche negativen Erfahrungen er gemacht hat. Ich wäre an solchen Beiträgen auch selber sehr interessiert, da es für mich auch für die Beratung meiner Patienten sehr hilfreich wäre.

 

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