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Fragen und Antworten

Eine Frage von Sophie L.:

Vor zwei Wochen habe ich zur Behandlung meines SAPHO-Syndroms meine erste Humira-Spritze erhalten. Davor war ich 5 Wochen krank; zuerst hatte ich Aphthen im Hals, dann eine Kehlkopfentzündung. Nun habe ich eine leichte Erkältung.

 

Da ich ein Kindergartenkind und ein einjähriges Kind habe, die den Winter über oft Erkältungen haben, befürchte ich, dass das bei mir auch schlimmer werden könnte. Ich möchte daher mein Immunsystem stärken mit Symbioflor.

 

Denken Sie, dass das Sinn macht oder wirkt der TNF-alpha-Hemmer auf das Immunsystem so senkend, dass man es mit nichts stärken kann?

 

Wie wirkt z.B. Humira auf das Immunsystem? Kann ich nebenbei die homöopathische Therapie fortsetzen oder wird sie vermutlich nicht wirken?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 22.02.2004:

Alle TNF-alpha-Blocker gehen mit einer gewissen Minderung der Immunantwort einher, wenn man so will, mit einer gewissen Schwächung des Immunsystems. Das ist in einer Hinsicht auch unmittelbar erwünscht, da die entzündlich-rheumatischen und immunologischen Systemerkrankungen durch eine fehlerhafte Immunantwort des Körpers hervorgerufen werden, die man auf diese Weise korrigieren will.

 

TNF-alpha spielt eine Rolle bei der Immunabwehr. Wenn man es durch die medikamentöse Gabe eines TNF-alpha-Blockers in seiner Wirkung hemmt, ist die Immunabwehr beeinträchtigt. Deshalb ist eine erhöhte Infektanfälligkeit eine typische mögliche Nebenwirkung von einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern. Allerdings gibt es viele Patienten, bei denen dies im täglichen Alltag keine Rolle spielt.

 

Grundsätzlich sind alle unspezifischen immunstimulierenden Therapien, d.h. alle Maßnahmen, die die Immunabwehr steigern sollen, bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen und immunologischen Erkrankungen ein Problem, da es darunter auch zu einer Stimulierung solcher Immunmechanismen kommen kann, die die Erkrankung hervorrufen bzw. die Krankheitsaktivität beeinflussen. Allerdings betrifft dies nicht alle Maßnahmen. So sollte eine begleitende Therapie mit hochdosiertem Vitamin C nicht zu einer Schubauslösung bei einer rheumatischen Erkrankung führen; bei Symbioflor habe ich auch wenig Bedenken, da dieses Präparat beispielsweise auch bei entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt wird und dort eine günstige Wirkung auf den Entzündungsprozeß hat.

 

Humira mit dem Wirkstoff Adalimumab ist ein TNF-alpha-Antikörper und blockiert damit ganz gezielt TNF-alpha. Damit ist wie bei allen anderen TNF-alpha-Antikörpern auch bei Humira das Risiko einer Infektion erhöht. Der beste Schutz vor üblichen Infekten ist, daß man sich unter einer Therapie mit Humira noch strenger an die bekannten Vorbeugungsmaßnahmen hält, die wir schon von unseren Müttern und Großmüttern beigebracht bekommen haben und über die wir als Kinder immer gelächelt haben.

 

Eine flankierende homöopathische Therapie ist unter einer Therapie mit Humira möglich. Allerdings wird sich diese, wenn überhaupt, nur in einem sehr kleinen Ausmaß auf den weiteren Krankheits- und Behandlungsverlauf auswirken. Es ist so ähnlich, als ob man die Geschwindigkeit eines Porsche Turbo auf der Autobahn dadurch beeinflussen wollte, indem man von hinten pustet, um ihn schneller zu machen, oder von vorne gegen ihn anbläst, um ihn zu bremsen.

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