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Fragen und Antworten

Eine Frage von Simone P.:

Seit Ende 2002 sind meine Augen gerötet, wie bei einer Augenentzündung. Die Augenärztin meint aber, dies sei keine normale Augenentzündung, sondern sieht einen Zusammenhang mit meiner Psoriasis-Arthritis / rheumatoiden Arthritis. Ich habe inzwischen drei verschiedene Augentropfen und Salben durch, alle cortisonhaltig. Nach ca. 1 Woche wieder Besserung. So bald ich aber 1-2 Tage aufhöre, weil es gut aussah, beginnt es wieder mit Rötungen.

Ist das normal ? Was soll ich nur machen ?

Eigentlich wollte ich demnächst meine Cortison-Dosis etwas verringern, um endlich auf die Low-Dose zu kommen, aber so wird das wohl nix werden.

Kann das mit der Augenrötung gefährlich werden?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.1970:

Es gibt unterschiedliche Augenbeteiligungen bei den verschiedenen rheumatischen Erkrankungen. Bei der rheumatoiden Arthritis ist eine häufige Augenproblematik die sogenannte Sicca-Symptomatik (von lat. sicca = trocken), bei der es durch eine entzündliche Mitbeteiligung der Tränendrüsen zu einer verminderten Bildung von Tränenflüssigkeit, einem Gefühl wie Sandreiben im Auge und Augenrötungen und Augenentzündungen kommt. Die Augenärzte verschreiben dann künstliche Tränenflüssigkeit, die die Symptome lindert. Damit die Hornhaut über Nacht nicht zu stark austrocknet, verwendet man abends vor dem Schlafengehen meistens ein Gel, das in der Wirkung länger anhält. Manche Patienten benutzen so ein Gel auch tagsüber.

Die Sicca-Symptomatik bei einer rheumatoiden Arthritis wird häufig auch als Sjögren-Syndrom bezeichnet. Dies ist aber nicht ganz korrekt. Das Sjögren-Syndrom ist eine eigenständige Erkrankung, die durch den Symptom- und Befundkomplex Polyarthritis, positiver Rheumafaktornachweis im Serum und Sicca-Symptomatik gekennzeichnet ist. Beim Sjögren-Syndrom lassen sich im Blut spezifische Antikörper aus der Gruppe der ENA-Antikörper nachweisen (SS-A, SS-B); noch spezifischer für das Sjögren-Syndrom soll der ganz neue Alpha-Fodrin-Antikörper sein.

Eine weitere Augenbeteiligung bei der rheumatoiden Arthritis sind die Skleritis und die Episkleritis. Diese Manifestationen findet man oft bei Patienten mit einer rheumatischen Beteiligung der Gefäße (Vaskulitis). Im Gegensatz zur Sicca-Symptomatik, bei der cortisonhaltige Augensalben in der Regel nicht besonders gut oder gar nicht wirken, sprechen die Skleritis und die Episkleritis auf cortisonhaltige Augensalben gut an. Ebenfalls im Gegensatz zur Sicca-Symptomatik, bei der eine Intensivierung der systemischen Therapie, d.h. der langwirksamen antirheumatischen Therapie oder der Therapie mit Cortison in Tablettenform, keinen nachdrücklichen oder überhaupt keinen Effekt hat, sprechen Skleritis und Episkleritis in der Regel gut auf eine Modifikation bzw. Intensivierung dieser Therapien an.

Hingewiesen werden sollte der Vollständigkeit halber darauf, dass auch einige in der Rheumatologie verwendeten Medikamente mit einer Sicca-Symptomatik einhergehen können oder diese verstärken können. Dazu gehört leider auch Methotrexat.

Ob es sich bei der Augenbeteiligung bei rheumatischen Erkrankungen um eine harmlose, nichtsdestoweniger häufig sehr unangenehme Problematik handelt oder um eine möglicherweise auch gefährlichere Komplikation, hängt von der genauen augenärztlichen Diagnose ab.

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