Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Sabine:

Ich bin 30 Jahre alt, habe seit 4 Jahren Polyarthritis. Nehme seit 4 Monaten Ebrel-Spritzen. Hat jemand Erfahrungen mit diesem Medikament in der Schwangerschaft oder möchte auch schwanger werden? Vorher hatte ich 4 Monate Arava genommen, muß ja irgendwie ausgewaschen werden? Reichen dafür Kohletabletten aus?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.09.2001:

1. Auf dem diesjährigen Rheumatologenkongress wurde in einem Vortrag über TNF-alpha-Blocker (Enbrel ist ja auch ein TNF-alpha-Blocker) am Rande berichtet, dass es bei einigen Frauen ungeplant zu einer Schwangerschaft unter einer laufenden Enbrel-Therapie gekommen ist und alle Schwangerschaften gut ausgingen. Insbesondere wurden auch keine Schäden bei den Neugeborenen beobachtet.

Da allerdings ausreichende Daten zu einer Schwangerschaft unter Enbrel nicht vorliegen, wird derzeit empfohlen, Enbrel vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen. Im Fall einer unter Enbrel eingetretenen Schwangerschaft ist die Beratungslage sehr schwierig. Wenn man es unter einer juristischen Perspektive sieht, wird ein Arzt wegen der fehlenden Daten und aus Gründen der Haftung zu einem Schwangerschaftsabbruch raten müssen. Allerdings sprechen sowohl der Wirkmechanismus von Enbrel als auch die oben berichteten bisherigen Schwangerschaften unter Enbrel dagegen, dass man die Schwangerschaft unbedingt unterbrechen muss. Letztendlich muß es jede Betroffene nach einer umfangreichen Beratung für sich alleine entscheiden, da ja bei einer solchen Entscheidung nicht nur medizinische Gesichtspunkte, sondern auch persönliche ethische und religiöse Grundüberzeugungen und Werte von großer Bedeutung sind.

2. Bei Arava ist die Situtation vollständig anders. Von Arava weiss man auf Grund von Tierversuchen, dass es darunter zu Schädigungen des Kindes im Mutterleib kommen kann. Deshalb liegt bei Arava eine eindeutige und unzweifelhafte medizinische Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch vor. Da ein wirksamer Bestandteil von Arava sehr lange im Körper bleiben kann (z.T. bis zu 2 Jahren), muss vor einer geplanten Schwangerschaft eine sogenannte Auswaschprozedur durchgeführt werden. Dies geschieht entweder mit einem Medikament ("Cholestyramin") oder mit Kohle nach einer bestimmten Vorschrift. Nach erfolgreicher Durchführung dieser Auswaschprozedur muß Blut an den Hersteller von Arava (Aventis) geschickt werden, der (kostenlos) prüft, ob sich noch Reste des wirksamen Metaboliten nachweisen lassen oder ob Arava vollständig aus dem Körper entfernt wurde. (Wirkspiegelbestimmung Arava). Dieser Test wird zur Sicherheit anschließend noch ein zweites Mal durchgeführt. Wenn beide Teste sagen, daß Arava nicht mehr im Körper ist, bestehen hinsichtlich einer anstehenden Schwangerschaft keine Bedenken. Ansprechpartner bei Aventis sind Dr. Prechtel (Tel. 069 / 305 - 84 109) oder Dr. Kapfer (Tel. 069 / 305 - 80 749). Die Kosten betragen 800,- pro Untersuchung und werden bei Schwangerschaft bzw. Schwangerschaftswunsch von Aventis übernommen.

 

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.