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Fragen und Antworten

Eine Frage von Doreen G.:

Ich habe eine Mischkollagenose. Letztes Jahr war ich schwanger, allerdings endete diese Schwangerschaft bereits in der 8./ 9. Woche mit einer starken Blutung. Jetzt bin ich wieder schwanger, bereits in der 16. Woche, und bis jetzt ist alles in Ordnung.

Gibt es irgendwelche Sachen, auf die ich achten sollte? Irgendwelche Zusatzuntersuchungen, die Sie für empfehlenswert halten? Und was habe ich vor allem nach der Schwangerschaft in der Rückbildungsphase zu beachten?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.1970:

Grundsätzlich sollte man bei einer Schwangerschaft einer Patientin mit Mischkollagenose wissen, ob bei ihr Cardiolipin-Antikörper nachweisbar sind, da in einem solchen Fall ein erhöhtes Risiko für den Verlust des Feten, d.h. eine Fehlgeburt besteht. Insbesondere da bei Ihnen die erste Schwangerschaft vorzeitig endete, empfiehlt sich diese Untersuchung bei Ihnen speziell.

Ansonsten ist eine Schwangerschaft bei einer Patientin mit einer „stabilen“, d.h. nicht aktiven Mischkollagenose üblicherweise kein Problem, vor allem, da die Schwangerschaft selber eine Art Immunsuppression darstellt und bei vielen Patientinnen die Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft sogar eher zurückgeht. Dennoch bedürfen Patientinnen mit einer Kollagenose während einer Schwangerschaft einer engmaschigeren Kontrolle als vollkommen gesunde Frauen, damit eine sich anbahnende Schubsituation nicht übersehen wird.

Problematisch ist bei vielen Patientinnen allerdings die Zeit nach der Entbindung, da es sehr häufig nach 2-4-6 Wochen zu einer Zunahme der Krankheitsaktivität bis hin zu schweren Schubsituationen kommen kann. Ganz neue wissenschaftliche Daten gehen in die Richtung, dass für diese Zunahme der Krankheitsaktivität nach der Entbindung das Hormon Prolactin verantwortlich sein kann, das die Bildung der Muttermilch anregt und steuert. Gegenwärtig ist die Datenlage noch zu klein, um daraus schon die Forderung bzw. Empfehlung abzuleiten, dass eine Frau mit einer Autoimmunerkrankung nach der Entbindung abstillen sollte; man sollte diese Überlegungen aber im Auge behalten.

In jedem Fall empfiehlt sich bei allen Patienten mit Kollagenosen oder anderen entzündlich-rheumatischen oder immunologischen Systemerkrankungen eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Hausarzt, dem Gynäkologen und dem Rheumatologen.

Keywords: Kollagenose * Mischkollagenose * Schwangerschaft

 

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