Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von R.K.:

Ich hätte zwei dringende Fragen an Sie:

Ich wurde im Oktober letzten Jahres 2004 mit Efalizumab bei meinem Hautarzt behandelt, um so meine Psoriasis besser in den Griff zu bekommen, im Dezember 2004 war ich fast völlig erscheinungsfrei, daraufhin wurde das Medikament abgesetzt, d.h. in der ersten Januarwoche 2005 bekam ich meine letzte Spritze mit Efalizumab.

Der Körper blieb daraufhin noch ca. 5 Wochen erscheinungsfrei, danach kam es zu einer heftigsten Psoriasis, die Haut wurde innerhalb eines Monats viel schlimmer als sie zuvor (vor Einsatz von Raptiva letztes Jahr 2004) war. Meines Erachtens ein sehr starker Rebound-Effekt.

Daraufhin begann mein Hautarzt dann erneut die Behandlung mit Raptiva (Efalizumab).

Dummerweise kamen dann innerhalb von kürzester Zeit auch noch heftigste Gelenkschmerzen hinzu, welche ich momentan nur mit Einnahme von Schmerzmitteln (150 mgDiclac) aushalte.

 

Weiterhin sollten Sie wissen:

Ich hatte vor 10 Jahren schon einmal heftige Probleme mit Psoriasis-Arthritis, dies wurde damals erfolgreich mit Methotrexat über 1 1/2 Jahre therapiert, danach war ich von den Schmerzen befreit und hatte auch nie mehr Probleme damit.

 

Ich hätte jetzt zwei, für mich sehr wichtige Fragen an Sie:

1. Im Januar 2005 wurde meine Freundin von mir schwanger, während dieser Zeit hatte ich auf jeden Fall noch eine Behandlung mit Raptiva (Efalizumab) am Laufen. Kann dies ein Risiko für das Kind darstellen?

 

2. Weiterhin war ich bei einem Rheumatologen (Dr. A.), der meinte, er will mir das Medikament Etanercept oder Infliximab verabreichen.

 

Mein Rheumatologe von früher (Dr. R., "Methotrexat-Behandlung vor 10 Jahren") meinte, ich solle abwarten und schauen, ob sich die momentanen Raptiva-Spritzen nicht doch bald positiv auf die Gelenke auswirken, dann könnten wir immer noch auf Methotrexat umsteigen.

Mein Hautarzt meinte, er würde nicht auf das Etanercept oder Infliximab umsteigen, sondern er würde diesen Gelenkschub mit Kortisonverabreichung (Zeitraum von 2 Wochen / Tabletten oder Spritzen) abfangen.

Meine Gelenke sind heftigst entzündet, und ich habe so ziemlich überall Schmerzen (3 Zehengelenke, rechtes Kniegelenk, Wirbelsäule: 2 Wirbel, Schulter rechts links, Becken...).Weiterhin weiß ich nicht, wie lange ich diese Schmerzen noch aushalten kann soll.

Sie können sich vielleicht vorstellen, daß ich jetzt dementsprechend verunsichert und verzweifelt bin.

 

Was würden Sie mir raten ? Würde meine Kasse (AOK) eine Etanercept-Behandlung auf Dauer überhaupt tragen können, wollen?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 8.04.2005:

Zeugung eines Kindes unter einer laufenden Therapie mit Efalizumab (Raptiva): Ein  Risiko für das Kind?

Es gibt dazu, zumindestens kenne ich selber keine, absolut keine Daten aus klinischen Studien. Deshalb kann ich dazu überhaupt nichts sagen.

Heftiger Krankheitsschub nach Absetzen von Efalizumab (Raptiva) und heftige Arthritis: Cortison, TNF-alpha-Blocker oder Methotrexat?

Sie wissen, daß wir über das Internet keine Ratschläge oder Empfehlungen zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben können, dürfen und wollen.

Allgemein kann man sagen, daß es zur Wirksamkeit von Efalizumab (Raptiva) auf die Gelenkbeteiligung einer Psoriasis, d.h. auf eine Psoriasis-Arthritis, derzeit noch keine ausreichenden Daten gibt. Weiterhin ist Raptiva für die Therapie einer Psoriasis-Arthritis auch nicht offiziell zugelassen. Die Kosten für eine solche Therapie dürfen von einer gesetzlichen Krankenversicherung für den Einsatz bei dieser Indikation deshalb auch nicht übernommen werden (gilt nur für die Arthritis, nicht für die Hautbeteiligung der Psoriasis). Damit entfällt, zumindest im Hinblick auf die Therapie der Psoriasis-Arthritis, eine Therapie mit Raptiva als erste Behandlungsoption.

Welche Alternativen zur Verfügung stehen, hängt vom individuellen Einzelfall ab und kann aus der Entfernung nicht entschieden werden. Grundsätzlich sind alle angesprochenen Behandlungswege denkbar:

     

  • Kurzer Cortisonstoß und schauen, was dieser bringt (dieser Weg wird zumindestens am schnellsten Erleichterung im Hinblick auf die Schmerzen bringen)
  •  Erneuter Therapieversuch mit Methotrexat vor dem Hintergrund der Erfahrung, daß diese Therapie seinerzeit wirksam und gut verträglich war und auch über einen langen Zeitraum zu einer Remission geführt hat. Ggf. ist in der Anfangsphase eine zusätzliche Therapie mit Cortison denkbar, da es eine gewisse Zeit (von 6-8-12 Wochen) brauchen wird, bis mit einem Wirkungseintritt von MTX zu rechnen ist.
  • Umstellung von Efalizumab (Raptiva) auf einen TNF-alpha-Blocker, z.B. Etanercept (Enbrel) oder Infliximab (Remicade), da dadurch eine sehr schnelle und wirksame Verbesserung sowohl im Hinblick auf die Hautmanifestationen der Psoriasis als auch auf die Arthritis zu erwarten ist (wobei man anmerken muß, daß bei vielen Patienten auch Methotrexat auf beide Erscheinungsformen der Psoriasis, d.h. Haut und Gelenke, wirkt).

Therapie einer Psoriasis-Arthritis mit TNF-alpha-Blockern: Wann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten?

Etanercept (Enbrel) ist in Deutschland offiziell zugelassen für die Therapie einer schweren Plaque-Psoriasis, bei der die herkömmlichen Behandlungsmaßnahmen nicht oder nicht ausreichend wirksam waren, außerdem für die Therapie einer aktiven Psoriasis-Arthritis, bei der eine konventionelle Therapie mit einem üblichen Basismedikament, in der Regel Methotrexat in ausreichend hoher Dosierung und über einen ausreichend langen Behandlungszeitraum, nicht oder nicht ausreichend effektiv war.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.