Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Irene P.:

Bei mir ist seit Mai 2001 eine Psoriasisarthritis bekannt. Die Behandlung erfolgte zuletzt mit MTX und Infliximab. Nachdem die Infliximab-Therapie (Beginn Juni 2003) wegen Nebenwirkung (ANA und starke Symptome eines SLE) im Januar abgebrochen wurde (es war auch nur kurzzeitig in der Mitte des Behandlungszeitraums eine etwa dreiwöchige Besserung aufgetreten), soll jetzt eine neue Basis-Therapie festgelegt werden. Die Nebenwirkungen (Ganzkörper-Entzündung) sind weitgehend weg, die rheumatischen Entzündungen und vor allem Gelenk- und Rückenschmerzen (LWS, ISG) werden zunehmend stärker. Was kann man tun?

 

Cortison ist nicht richtig wirksam, weder in hoher Dosis beginnend und dann Erhaltungsdosis, noch kurze hohe Gabe. Diclofenac und Bextra sind nicht ausreichend.

 

Die Diagnose ist wohl richtig, einmal kam es nach Absetzen von Cortison zu Hauterscheinungen an Ellbogen und Knien.

 

Die behandelnden Ärzte fürchten, dass bei einem Umsteigen auf z. B. Enbrel ebenfalls die o. g. Nebenwirkungen auftreten könnten (auch ich habe davor Angst, es war beängstigend). Nach meinem "Gefühl" ist die Entzündung nicht so ganz aktiv, auch die Werte sind wohl entsprechend nicht so schlecht. Was schlimm ist, sind die Schmerzen und die wirklich zunehmenden Bewegungseinschränkungen der Hände.

 

Auch die Probleme mit den Füßen nehmen zu (versteifte Großzehen mit

Entzündung in den Grundgelenken, Schmerzen in den OSG und rechts im USG (Triplearthrodese), Entzündungsschmerzen an den Grundgelenken der drei kleinen Zehen am rechten Fuß.

 

Meine Frage:

Welches Medikament, welche Kombination könnten Sie empfehlen? Wäre Anakinra eine Möglichkeit?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 7.07.2004:

Letztendlich kennt keiner den genauen Mechanismus, warum es (in sehr seltenen Fällen) unter einer Therapie mit TNF-Blockern zu Lupus-artigen Krankheitsbildern kommen kann. Da die einzelnen TNF-alpha-Blocker bei im Ergebnis gleichem Wirkmechanismus (TNF-alpha-Blockade) von ihrer Zusammensetzung her allerdings doch sehr unterschiedliche Substanzen sind (so ist Infliximab = Remicade ein monoklonaler Antikörper, Etanercept = Enbrel ein löslicher Rezeptor), ist ihr Nebenwirkungsprofil in einigen Punkten ähnlich, in anderen deutlich verschieden. So muß es nicht unbedingt und zwangsläufig zu einem SLE-artigen Krankheitsbild unter Enbrel kommen, wenn unter einer Therapie mit Infliximab eine solche Nebenwirkung aufgetreten ist. Allerdings wäre ich bei einem Wechsel auf Enbrel nach dieser Reaktion auf Remicade extrem vorsichtig und würde sicherlich diesen therapeutischen Schritt nur im äußersten Notfall vorschlagen.

Eine aus meiner Sicht unproblematische Kombination ist die bei der rheumatoiden Arthritis gut wirksame und gut verträglich Kombination aus Methotrexat mit Leflunomid (Arava), die nach meiner Erfahrung auch bei der Psoriasis-Arthritis gut wirkt. Im Hinblick auf die Nebenwirkung eines SLE ist bei dieser Kombination nichts zu befürchten, da beide Substanzen sogar für die Therapie des Lupus eingesetzt werden, wenn dazu für Arava auch nicht so viel Erfahrungen vorliegen wie für MTX.

Da für Kineret SLE-ähnliche Krankheitsbilder nicht beschrieben sind, käme diese Substanz in Kombination mit Methotrexat auch als eine Behandlungsoption in Frage. Allerdings gibt es keine Daten aus klinischen Studien zur Wirksamkeit von Kineret bei der Psoriasisarthritis, so daß es sich hier um einen individuellen Therapieversuch handeln würde, bei dem man die Erfahrungen aus der Therapie der rheumatoiden Arthritis auf die Situation bei der Psoriasis-Arthritis übertragen würde.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.