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Fragen und Antworten

Eine Frage von Annette L.:

Seit 1990 leide ich an einer schweren beidseitigen posterioren Uveitis mit einer Vaskulitis der Netzhaut und ständigem Sehverlust; heutiger Stand: zwischen vier und sechs Prozent Visus. Seit einiger Zeit aufgetretene Beschwerden in der Lendenwirbelsäule haben sich als ebenfalls rheumatisch entzündlich herausgestellt. Aus diesem Grund wird eine medikamentöse Behandlung mit TNF -alpha Blockern in Erwägung gezogen.

Nun meine Fragen: Ich habe eine starke Neigung zu allergischen Reaktionen (Rhinitis, Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente, u.a. eine Reihe von Antibiotika). Meine Frage lautet: Ist unter einer TNF-Medikation mit einem erhöhten Risiko zu allergischen Reaktionen auf diese Mittel zu rechnen?

 

Welche Antibiotika können im Fall einer schweren Infektion überhaupt eingesetzt werden?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 27.08.2004:

Allergische Reaktionen können wie bei anderen Substanzen auch auf Medikamente aus der Gruppe der TNF-alpha-Blocker auftreten. Das Risiko ist dabei für die verschiedenen Substanzen unterschiedlich hoch. Grundsätzlich kann man sagen, daß gefährliche allergische Reaktionen auf Medikamente eher auftreten, wenn diese unmittelbar in die Blutbahn gegeben werden, d.h. bei allen Medikamenten, die man in die Vene injiziert oder die als Infusion gegeben werden.

Bei Substanzen, die als subkutane Spritzen (Spritzen unter die Haut)  verabreicht werden, können auch allergische Reaktionen auftreten. Meistens sind diese aber nicht so heftig und üblicherweise auch nicht so stark, daß schwere Kreislaufreaktionen bis hin zum allergischen Schock auftreten. Dennoch sollten auch bei diesen Medikamenten die ersten Spritzen bei Patienten mit bekannten schweren allergischen Reaktionen in der Praxis des Arztes unter Überwachung gegeben werden. Da bei Injektionen unter die Haut die allergische Reaktion verzögert auftreten kann, sollte der Patient in einem solchen Fall bei den ersten Injektionen noch etwa 1 Stunde in der Praxis bleiben, bevor er sich auf den Heimweg macht.

Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von unterschiedlichen Antibiotika-Gruppen, die chemisch völlig verschieden sind und bei denen im Regelfall auch keine Kreuzallergie vorliegt, d.h. die allergische Reaktion auf Antibiotika aus der einen Gruppe geht nicht zwingend mit einer allergischen Reaktion aus einer anderen Gruppe einher. Deshalb können auch bei einer bekannten Allergie beispielsweise auf Penicillin Medikamente beispielsweise aus der Gruppe der sogenannten Makrolide oder auch aus der Gruppe der Tetracycline üblicherweise ohne Probleme gegeben werden.

Im übrigen ist das Risiko für schwere Infektionen unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern zwar erhöht, allerdings nicht in sehr starkem Maße. Das Risiko dürfte vermutlich nicht höher sein als das erhöhte Infektionsrisiko unter einer höherdosierten Cortison-Therapie oder unter einer Therapie mit starken Immunsuppressiva (Medikamente, die das Immunsystem herunterregulieren und damit gleichzeitig die Immunabwehr beeinträchtigen). Eine Allergie gegen bestimmte Antibiotika wäre unter diesem Gesichtspunkt für mich persönlich kein Grund, auf den  Einsatz von TNF-alpha-Blockern bei einer schweren, hochaktiven entzündlich-rheumatischen oder immunologischen Systemerkrankung zu verzichten.

Ob eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern sinnvoll und verantwortbar ist, hängt von den jeweiligen Bedingungen im individuellen Einzelfall ab und kann ohne genaue Kenntnis der genauen Begleitumstände und ohne Kenntnis des Patienten nicht beurteilt werden.

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