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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ann-Kathrin:

Ich wollte gerne mal wissen, ob es schon Frauen gibt, die bei einer aggressiven chron. Polyarthritis unter einer Enbrel-Therapie schwanger geworden sind?? Da das Enbrel ja noch nicht so lange auf dem deutschen Markt ist, würden mich die evtl. Ergebnisse interessieren! Evtl. wie die Geburt verlaufen ist und ob das Baby gesund war....

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 18.09.2002:

In den klinischen Studien zu Enbrel war eine Schwangerschaft ein Ausschlussgrund, da es zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrungen zu der Auswirkung dieser Therapie auf das ungeborene Kind und den Schwangerschaftsverlauf gab. Deshalb gibt es aus wissenschaftlichen, kontrollierten klinischen Studien keine Daten zu Schwangerschaften unter Enbrel.

 

Aus Produkthaftungsgründen weist die Herstellerfirma von Enbrel im Beipackzettel darauf hin, dass zu Schwangerschaften unter Enbrel keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen und deshalb bei einer Enbreltherapie eine sichere Schwangerschaftsverhütung durchgeführt werden muss. Insofern kann auch in der ärztlichen Beratungssituation formal nicht zu einer Schwangerschaft unter einer Enbrel-Therapie geraten werden.

 

Unter theoretischen Gesichtspunkten zum Wirkungsmechanismus von Enbrel sollten aber eigentlich keine Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib oder auf den Schwangerschaftsverlauf zu erwarten sein. U.U. ist damit im sehr individuellen Einzelfall unter genauer Aufklärung und Risikoabwägung eine Fortsetzung der Enbrel-Therapie auch in der Phase einer gewünschten Schwangerschaft denkbar.

 

Generell gilt bei den meisten langwirksamen antirheumatischen Medikamenten ein Sicherheitsabstand von 3 Monaten zwischen Absetzen des Medikaments und einer Empfängnis. Für Enbrel sind mir keine speziellen Empfehlungen bekannt. Da die Halbwertszeit des Präparates allerdings sehr kurz ist und das Medikament innerhalb von wenigen Tagen nicht mehr im Körper ist, könnte aus biologischen Gründen bei Enbrel der Sicherheitsabstand zu einer geplanten Empfängnis kürzer als die oben genannten 3 Monate sein. Man sollte aber sicherheitshalber mindestens einen Zyklus / eine Periode abwarten.

 

Aus der sogenannten Postmarketing-Phase, d.h. aus dem Zeitraum ab der offiziellen Zulassung von Enbrel, liegen mittlerweile etwa 30 Einzelfallberichte vor, bei denen es unter Enbrel zu einer Schwangerschaft gekommen ist. Die Zahl ist sehr klein und lässt damit keine generellen Aussagen zu. Mit dieser Einschränkung scheint es auf der Basis dieser Einzelfallberichte aber keinen Anhalt dafür zu geben, dass es unter einer Enbrel-Therapie zu einer Schädigung des Kindes im Mutterleib kommt. Ebenso gab es keine Hinweise auf Probleme im Schwangerschaftsverlauf oder bei der Geburt. Diese Aussage sollte aber derzeit noch mit sehr großer Zurückhaltung und Vorsicht bewertet werden.

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