Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Hans K.:

Ich werde wegen eines M. Bechterew mit Infliximab behandelt und nehme nicht zusätzlich MTX (seit ca. 6 Monaten nicht mehr, in Absprache mit meiner Ärztin).

Ist das akzeptabel hinsichtlich der Entwicklung von Antikörpern?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 20.04.2005:

Die Situation ist bei der Therapie eines M. Bechterew (ankylosierende Spondylitis, Spondylitis ankylosans) mit Infliximab (Remicade) anders als bei einer rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis). Zum einen wird Remicade bei der rheumatoiden Arthritis niedriger dosiert (3 mg/kg Körpergewicht im Gegensatz zu 5 mg /kg Körpergewicht bei Spondylarthropathien). Man weiß aus den Dosis-Findungs-Studien zur rheumatoiden Arthritis, wo 3 mg mit 5 mg und sogar 10 mg/kg Körpergewicht verglichen wurden, daß die Wahrscheinlichkeit einer Antikörperbildung gegen den in Remicade enthaltenen Antikörper (HACA-Bildung) mit höherer Dosis von Infliximab abnimmt. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit einer HACA-Bildung bei der Behandlung von Spondylarthropathien allein schon wegen der höheren Dosis geringer.

Zum anderen sind Spondylarthropathien im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis „pauci-immune“ Erkrankungen, d.h. Krankheitsbilder, bei denen es in der Regel zu keinen oder nur zu geringen immunologischen Reaktionen kommt. Dazu gehört insbesondere auch die Bildung von Antikörpern und Autoantikörpern. Dies ist der zweite Grund, warum bei der Therapie eines M. Bechterew auch ohne die zusätzliche Gabe von Methotrexat eine HACA-Bildung in wesentlich geringerem Maße zu erwarten ist als bei einer rheumatoiden Arthritis.

Der dritte Grund, warum man bei der Behandlung von Spondylarthropathien auf die zusätzliche Gabe von Methotrexat verzichtet, ist der Sachverhalt, daß Methotrexat für die Therapie der ankylosierenden Spondylitis nicht offiziell zugelassen ist und Methotrexat deshalb in den klinischen Studien zur Therapie des M. Bechterew mit Infliximab überhaupt nicht eingesetzt werden durfte und konnte. Deshalb liegen keine Studiendaten zur Kombinationstherapie des Bechterew mit Infliximab und Methotrexat vor, so daß es zu dieser Behandlung auch keine gesicherten Daten gibt.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.