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Fragen und Antworten

Eine Frage von Carmelita L.:

Ende des Monats fliege ich für 3 Wochen auf die Philippinen. Nun weiß ich nicht, wie ich das Medikament auf der langen Reise ununterbrochen kühl halten kann. Schadet es dem Medikament, wenn es für ein paar Stunden warm wird? Ist es vielleicht in Manila erhältlich, oder kann ich das Medikament für diese 3 Wochen absetzen? Ich möchte nicht auf die gute Wirksamkeit verzichten, jedoch geht es mir erfahrungsgemäß auf den Philippinen besser.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 18.07.2004:

Die in Enbrel enthaltene Wirksubstanz Etanercept kann „verderben“, wenn die vorgeschriebene Kühlkette unterbrochen wird. Dies kann dann dazu führen, daß das Präparat nicht mehr oder nicht mehr ausreichend wirkt. Außerdem kann es in einem solchen Fall auch dazu kommen, daß sich die Struktur des Wirkstoffes verändert und dadurch Nebenwirkungen auftreten.

Generell gilt, daß eine einzige Spritze unter normalen Bedingungen, d.h. nicht gerade bei ständiger Lagerung in der prallen Sonne, auch dann noch für einen Zeitraum von 3-4 Tagen, d.h. die nächste anstehende Injektion, verwendet werden kann, wenn die Kühlkette unterbrochen wurde.

Bei längeren Reisen, d.h. wenn man einen Enbrel-Vorrat von mehreren Spritzen und für mehrere Injektionen mitnehmen muß, darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Dies ist insbesondere bei längeren Flugreisen ein Problem, da für den Transport sichergestellt werden muß, daß das Medikament immer ausreichend gekühlt wird.

Glücklicherweise gibt es für solche Fälle aber schon sehr umfangreiche Erfahrungen. Eine TIZ-Userin ist mit Enbrel sogar im Rucksack für 3 Monate durch Asien gereist, auch dies hat hervorragend funktioniert.

Einige Dinge muß man dazu aber im Vorfeld organisieren:

1. Man braucht eine kleine Kühltasche, die nicht so groß ist, daß sie im Handgepäck im Flugzeug stört, die aber andererseits so ausreichend dimensioniert ist, daß der gesamte Enbrel-Vorrat einschließlich Kühlakkus hineinpasst.

2. Neben den Kühlakkus, die man für die Kühlung von Enbrel in der Kühltasche braucht, sollte man genauso viel Ersatzakkus haben, damit man diese während der Reise überall da, wo es möglich ist (z.B. Flugzeug, Hotel etc.) aufladen kann und sie dann für den weiteren Transport / die nächste Etappe frisch gekühlt zur Verfügung hat.

3. Vorher bei der Airline / den Airlines, mit denen man fliegen wird, klären, in welcher Form die Enbrel-Spritzen im Flugzeug gekühlt werden können. In den meisten Maschinen, die für Langstreckenflüge eingesetzt werden, gibt es Kühlschränke, so daß man die Enbrelspritzen bei Flugbeginn beim Flugpersonal abgeben kann. Man sollte in diesem Fall auch den Kühlakku und die Reserve-Kühlakkus dort abgeben, damit man sie beim Verlassen der Maschine für die weitere Reise frisch aufgeladen zur Verfügung hat und das Enbrel auf diese Weise heil im Hotel oder am sonstigen Zielort ankommt (wo es dann die nächste Kühlmöglichkeit geben sollte). Ansonsten gibt es im jedem Flieger Eis, allein schon für die Getränke. Damit hat man auf jeden Fall Eis, um das Enbrel in der eigenen Kühltasche zu kühlen. Bevor man die Maschine verlässt, sollte man auch in diesem Fall die Kühltasche mit frischen Eis für die Weiterreise auffüllen.

4. Die gesamte Menge Enbrel gehört ins Handgepäck, da nur so sichergestellt werden kann, daß die Kühlkette nicht unterbrochen wird, wenn ungeplante Dinge passieren (z.B. sich Anschlussflüge verschieben oder auch der Koffer nicht am Zielort ankommt). Damit es bei der Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen keine Probleme gibt, sollte man sich von seinem behandelnden Arzt eine Bescheinigung ausstellen lassen, daß es sich bei den Spritzen um ein Medikament handelt, daß Sie ständig bei sich führen müssen. Bei Diabetikern, die Insulin spritzen müssen, gibt es auch solche Bescheinigungen. Dort hat sich die Formulierung bewährt, daß es sich um eine lebensnotwendige Medikation handelt. Auch wenn dies bei Enbrel nicht unmittelbar der Fall ist, sollte man überlegen, ob man zur Vermeidung von Schwierigkeiten auch bei diesem Medikament auf eine solche bewährte und bekannte Formulierung zurückgreift. Alternativ könnte man die Formulierung wählen, daß es sich bei diesen Spritzen um eine kontinuierliche Behandlung handelt, die regelmäßig durchgeführt werden muß und daß sie die Spritzen deshalb auf der Reise ständig bei sich tragen müssen. Die Bescheinigung sollte auch in englischer Sprache sein, optimalerweise außerdem auch in der Sprache des Landes / der Länder, in die man reist (sofern es sich um gängige Sprachen wie Spanisch oder Französisch handelt).

5. Wenn man im Zielland selber über Land / durch das Land reisen will, ist es wichtig, daß es bei den einzelnen Stationen die Möglichkeit zum Aufladen der Kühlakkus gibt. Dies sollte man bei der Reiseplanung, d.h. der Auswahl der Hotels oder Pensionen etc. berücksichtigen.

In Deutschland gibt es durch die inzwischen ausreichend vorhandenen Produktionskapazitäten keine Versorgungsengpässe für Enbrel mehr. Dies gilt aber für andere Länder nicht in jedem Fall. Aus dem Kopf kann ich ohnehin nicht sagen, ob Enbrel auf den Philippinen überhaupt zugelassen ist und damit dort ohne Probleme erhältlich ist. Unabhängig davon würde ich mich nicht darauf verlassen, daß dort für den geplanten Urlaubsaufenthalt Enbrel rechtzeitig und in ausreichender Menge zur Verfügung steht, und deshalb sicherheitshalber die gesamte Menge für den benötigten Zeitraum mitnehmen. Bei der geplanten Aufenthaltsdauer von 3 Wochen dürfte es auch beim Zoll keine Probleme machen, da es unmittelbar einsichtig sein dürfte, daß es sich um persönlichen Bedarf handelt. Je nach Land und Einfuhrbestimmungen sollte man sich aber ggf. vorab bei der Botschaft um die entsprechenden Vorschriften kümmern bzw. sich entsprechend informieren, was zu tun ist, z.B. ob zusätzlich entsprechende Bescheinigungen notwendig sind.

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