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Fragen und Antworten

Eine Frage von Thomas H.:

Sehr geehrter Herr Dr. Langer, ich habe wegen M. Bechterew bereits 4 Infusionen Remicade mit traumhafter Wirkung erhalten. NSAR konnten bereits nach der 1. Infusion abgesetzt werden. Bin nahezu schmerzfrei und beweglich wie seit 17 Jahren nicht mehr. D.h. aus heutiger Sicht das Medikament der 1. Wahl.

 

Nun zu meinen Fragen: Eine mögliche berufliche Veränderung würde mich 4-6 mal im Jahr nach Asien (China, Korea, Malaysia, Japan, Taiwan) und Mexico, Brasilien für jeweils 5-7 Tage führen. Zur Einarbeitung müßte ich insgesamt 4-5 Wochen in bereits genannten Ländern verbringen. Reisestandard: hoch, hauptsächlich Stadtgebiete, Kontakt mit einheimischer Bevölkerung in Industriegebieten: hoch

 

- Sind unter einer Therapie mit TNF-alpha-Hemmern Reisen in o.a. Länder generell nicht ratsam?

- Können Sie mir etwas zu Risiken (erhöhte Infektionsanfälligkeit) sagen?

- Bedeutet ein mögliches Zusammentreffen mit TBC-Infizierten auf jeden Fall eine Ansteckung?

- Welche der folgenden Impfungen sind unter einer TNF-Blocker-Therapie nicht möglich: Hepatitis A, B, Typhus, Tetanus, Diphterie, Polio, Malaria stand-By mit Lariam (Mefloquin), Gelbfieber?

- Wird Remicade in der Rheumatherapie auch in Asien eingesetzt?

- Ist Remicade in Asien somit erhältlich?

- Gibt es Veröffentlichungen über Reisen unter einer Therapie mit TNF-Blockern wie Remicade bzw. anderen "biologicals"? Mein Problem, ich kann als medizinischer Laie mit den mir vorliegenden Informationen nicht abschätzen, wie hoch das damit verbundene Risiko ist.

- Ist zu erwarten, dass mögliche Infektionen mit Typhus, Hepatitis, Dengue... grundsätzlich unter einer TNF-Blocker-Therapie tödlich verlaufen?

 

Über die Beantwortung der Fragen bedanke ich mich im voraus. MfG

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 18.09.2002:

Antwort:

 

1. Sind unter einer Therapie mit TNF-alpha-Hemmern Reisen in o.a. Länder generell nicht ratsam?

 

Grundsätzlich steht auch unter einer Therapie mit TNF-alpha-Inhibitoren Reisen in die genannten Länder nichts entgegen, insbesondere unter den von Ihnen genannten relativ günstigen Bedingungen (hoher Reisestandard, hauptsächlich Stadtgebiete).

 

2. Können Sie mir etwas zu Risiken (erhöhte Infektionsanfälligkeit) sagen?

 

Das Hauptrisiko ist natürlich das erhöhte Infektionsrisiko, dass man allerdings von hier aus schwer einschätzen kann. Generell ist unter einer TNF-Blocker-Therapie das Infektionsrisiko erhöht; üblicherweise handelt es sich dann um banale Infekte der oberen Luftwege. In den genannten Ländern liegt allerdings eine Sondersituation vor, da mit den üblichen Reisekrankheiten, vor allem auch Durchfallserkrankungen etc. zu rechnen sein dürfte. Wenn es sich bei diesen Erkrankungen um „normale“ Reisedurchfallserkrankungen handelt, sollten diese auch unter einer Behandlung mit TNF-alpha-Blockern nicht wesentlich komplizierter verlaufen als üblich. Ganz sicher kann man das aber nicht sagen.

 

3. Bedeutet ein mögliches Zusammentreffen mit TBC-Infizierten auf jeden Fall eine Ansteckung?

 

Nein. Zum einen muß bei dem Infizierten eine „offene“ Tb vorliegen. Zum anderen müssen die Tuberkelbazillen übertragen werden. Wenn man sich von einem Infizierten etwas entfernt hält, ist das Risiko überschaubar.

 

4. Welche der folgenden Impfungen sind unter einer Therapie mit TNF-Blockern nicht möglich: Hepatitis A, B, Typhus, Tetanus, Diphterie, Polio, Malaria stand-By mit Lariam (Mefloquin), Gelbfieber?

 

Nicht möglich sind unter einer Therapie mit TNF-Blockern alle Lebendimpfungen. Unter den genannten Erkrankungen gehören dazu die Impfungen gegen Gelbfieber sowie die Schluckimpfungen gegen Kinderlähmung (Polio) und Typhus (diese gibt es aber alternativ auch als Impfungen mit einer inaktivierten Vakzine als subkutan-Injektion (Polio) bzw. mit einem inaktivierten Typhus-Impfstoff), mit Einschränkungen gegen Hepatitis A, außerdem die BCG-Impfung gegen Tuberkulose.

 

Man kann sich im Hinblick auf empfohlene, mögliche und verbotene Impfungen an der folgenden Tabelle orientieren, wobei sich die Auswahl der Impfungen auch stark an der speziellen Reisesituation und den besuchten Ländern zu orientieren hat:

 

Impfungen bei Fernreisen bei Patienten unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern:

 

· Hepatitis A (inaktiviertes Hepatitis-A-Virus): möglich

· Hepatitis B (Oberflächenantigen, HBs): empfohlen

· Tetanus (Wundstarrkrampf) (Toxoid): empfohlen

· Typhus-Schluckimpfung (Vivotif) (Lebendimpfstoff): nicht erlaubt ("kontraindiziert")

· Typhus (Typhim Vi) (inaktivierter Typhusimpfstoff) möglich

· Diphterie (Toxoid): empfohlen

· Polio (Kinderlähmung), ) oral (Schluckimpfung, Sabin) (Lebendimpfstoff): nicht erlaubt ("kontraindiziert")

· Polio (Kinderlähmung), subkutan (Salk)(inaktivierte Poliovakzine): empfohlen

· Gelbfieber (attenuierte Viren, Lebendimpfstoff): nicht erlaubt ("kontraindiziert") *

 

*) z.T. wird diese Impfung unter bestimmten Umständen auch für möglich gehalten

Das Hauptproblem ist in Ihrem speziellen Fall die Gelbfieberimpfung, die nach vorherrschender Meinung nicht durchgeführt werden darf. Es gibt in der Literatur allerdings auch die Auffassung, dass bei Patienten mit immunkomprimittierenden Erkrankungen, d.h. bei Erkrankungen, bei denen das Immunsystem nicht in voller Stärke arbeitet, sowie bei Patienten unter einer immunsuppressiven Therapie eine Impfung mit Gelbfieber unter bestimmten Bedingungen möglich ist. Gesichtspunkte sind dabei einerseits die Art und das Ausmaß der Immunkomprimttierung und andererseits die Höhe des Risikos für eine Gelbfieber-Infektkion. Diese Auffassungen beziehen sich allerdings nicht auf die Therapie mit TNF-alpha-Blockern.

Hinsichtlich des Malaria-Stand-by sehe ich keine über das übliche Mass hinausgehenden Probleme. Allerdings auch mit der Einschränkung, dass es im Hinblick auf Malaria-Erkrankungen unter TNF-alpha-Blockern meines Wissens keine oder nur extrem begrenzte Erfahrungen gibt.

 

5. Wird Remicade in der Rheumatherapie auch in Asien eingesetzt? Ist Remicade in Asien somit erhältlich?

 

Wir haben mit der Herstellerfirma Kontakt aufgenommen und geben in folgenden den aktuellen Stand wieder. Danach ist Remicade in folgenden asiatischen Ländern zugelassen und erhältlich:

 

Bahrain (Zulassung für rheumatoide Arthritis und M. Crohn)

Indien (Zulassung für rheumatoide Arthritis)

Israel (Zulassung für rheumatoide Arthritis und M. Crohn)

Japan (Zulassung für M. Crohn)

Kuwait (Zulassung für M. Crohn)

Philippinen (Zulassung für rheumatoide Arthritis und M. Crohn)

 

Nach dem Timing der Reisen, wie Sie es oben schreiben, sollte es allerdings möglich sein, die Infusionen hier zu geben. Oft reichen ja gerade unter einer gut wirksamen Therapie beim Bechterew auch Intervalle von 8 Wochen, manchmal sogar noch größere Intervalle.

 

 

6. Gibt es Veröffentlichungen über Reisen unter einer Therapie mit TNF-Blockern wie Remicade bzw. anderen "biologicals"?

 

Ich kenne keine. Einige persönliche Erfahrungen findet man bei uns im Forum (allerdings mit Enbrel, allerdings macht das keine prinzipiellen Unterschiede). Vielleicht stellen Sie Ihre diesbezüglichen Fragen auch einmal selber ins Forum?

 

7. Ist zu erwarten, dass mögliche Infektionen mit Typhus, Hepatitis, Dengue... grundsätzlich unter einer Therapie mit TNF-Blockern tödlich verlaufen?

 

Das Problem ist, dass auch ein Experte das Risiko nicht sehr genau abschätzen kann, da einfach derzeit dazu noch zu wenige Erfahrungen vorliegen. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass mögliche Infektionen mit Typhus oder Hepatitis grundsätzlich unter einer Therapie mit TNF-Blockern tödlich verlaufen. Zu Dengue kann ich nichts sagen, da ich die Erkrankung nur aus Büchern und von einem „eigenen“ Patienten mit einer chronischen Polyarthritis kenne, der die Erkrankung glücklicherweise gut überstanden hat (allerdings unter einer anderen langwirksamen antirheumatischen Therapie als Remicade oder Enbrel).

 

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