Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Jutta G.:

Ich leide seit nunmehr gut 10 Jahren an Morbus Bechterew.

 

Röntgenologisch ist bei mir außer leichten Veränderungen an den Ilio-Sakralgelenken noch nicht viel zu sehen. Dennoch habe ich ununterbrochen Schmerzen und nehme auch durchgehend Indometacin. Eine MTX-Therapie wurde bisher nicht durchgeführt, allerdings leide ich auch nicht unter starken Gelenkbeteiligungen.

 

Cortison habe ich immer wieder dazu ausprobiert, hat mir aber bei einer Dosierung von 20 mg pro Tag und oraler Einnahme eigentlich überhaupt nicht geholfen. Desweiteren habe ich die diversesten Cox2-Hemmer ausprobiert, die mir aber alle nicht so geholfen haben wie das Indometacin.

 

Meine serologisch festzustellende Entzündgsaktivität war in den ersten Jahren trotz massiver Schmerzen nie sehr hoch, ist aber in letzter Zeit stärker erhöht. (CRP 22 (bei Normwert kleiner 5), Blutsenkung 20/50, Leukozyten immer deutlich über Referenzwert, Ferritin aktuell 6,8). Trotz dieser im Verhältnis zu manch anderen Bechterew-Patienten sicherlich noch moderaten Entzündungswerte leide

ich unter massiven Schmerzen. Oft weiß ich nicht, wie ich von der Arbeit nach Hause kommen soll, da ich kaum noch gehen kann. Insbesondere seit einem halben Jahr verschlechtert sich mein Zustand eigentlich konstant.

 

Ein weiteres Problem stellt für mich der deutlich verschlechterte

Allgemeinzustand dar. Ich leide ständig unter massiver Müdigkeit (trotz ausreichendem Schlaf und auch ansonsten nicht ungesundem Lebenswandel, die sich trotz Einnahme von Eisen- und Vitamin B 12 - Präparaten nicht bessert.

 

Nun meine Frage: Käme für mich eine Therapie mit TNF-a-Blockern in Frage und würde die Kasse Ihrer Ansicht nach eine solche Therapie bezahlen? Mein behandelnder Arzt hat mich darauf hingewiesen, daß ich zunächst einige Zeit MTX nehmen müsste, damit das Präparat verordnet werden kann. Daß dies wohl beim Morbus Bechterew nicht der Fall ist, habe ich gestern auf einem Vortrag erfahren.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 2.06.2003:

TNF-alpha-Blocker sind beim M. Bechterew immer dann indiziert (medzinisch angezeigt), wenn durch eine Therapie mit maximal hoch dosierten cortisonfreien Entzündungshemmern (es müssen zwei Präparate nacheinander ausprobiert worden sein) über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten die Krankheitsaktivität nicht ausreichend kontrolliert werden kann und eine systemische Entzündungsaktivität besteht (die sich in einer erhöhten Blutsenkung und/oder in einem erhöhten CRP und/oder weiteren/anderen Entzündungsparametern zeigt).

 

Da Methotrexat beim M. Bechterew in der Regel nicht wirksam ist, ist vor dem Einsatz von TNF-alpha-Blockern bei dieser Erkrankung eine solche Therapie keine Voraussetzung. Darin unterscheiden sich die seronegativen Spondarthritiden wie der M. Bechterew von der rheumatoiden Arthritis / chronischen Polyarthritis.

 

Wenn die medizinische Notwendigkeit für eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern besteht und keine Alternativen vorhanden sind, muß die gesetzliche Krankenkasse die Therapie mit zugelassenen Substanzen bezahlen. Da in Deutschland seit Ende Mai 2003 Infliximab (Remicade) für die Therapie des M. Bechterew offiziell zugelassen ist, gibt es von dieser Seite her keine grundsätzlichen Probleme.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.