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Fragen und Antworten

Eine Frage von Elke:

Ich habe wegen Kinderwunsch und Unwirksamkeit im Februar MTX abgesetzt. Von April bis 1.6. habe ich 3 Infusionen Remicade bekommen, "Kurzzeittherapie" (sehr wirksam). Erst bei der letzten Infusion meinte die behandelnde Rheumatologin, daß ich nun 6 Monate beschwerdefrei sein müsste, und mich andernfalls vom Kinderwunsch verabschieden müsste (da man 6 Monate nach der letzten Infusion warten muss, um schwanger werden zu dürfen).

 

8 Wochen nach der letzten Infusion gingen die typischen Beschwerden wieder los. Ich bin zu einem anderen Rheumatologen gegangen, der meinte, mit Enbrel sei das Risiko viel geringer, das müsse man nicht 6 Monate absetzen, damit könne man sozusagen schwanger werden. Gibt es da Forschungsergebnisse? Welche Erfahrungen haben Sie mit Frauen und einer Therapie mit TNF-alfa- Blockern und einem Kinderwunsch? Seit 8 Tagen nehme ich Sulfasalazin, weil ich mich nicht entscheiden konnte für Enbrel. Nächste Woche fahre ich für 3 ½ Wochen nach China in eine medizinische Qi Gong Klinik (von meiner deutschen Hausärztin, die chin. Medizin anwendet, mitorganisiert). Würden Sie es empfehlen, dass ich in den nächsten 7 tagen 2 Enbrelspritzen nehme (mein Rheumatologe würde das machen), und dann erst mal 3 ½ Wochen mit Enbrel zu pausieren?

 

Weil ich ja erfahren möchte, ob die Behandlung in China wirksam ist, auf der andern Seite aber nicht mit geschwollenen Händen hinfahren möchte.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 17.08.2005:

Wie Sie wissen, dürfen, können und wollen wir über das Internet keine Empfehlungen und Ratschläge zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben.

Allgemein kann man sagen, daß sich die rechtliche Situation hinsichtlich eines Kinderwunsches bei allen TNF-alpha-Blockern nicht unterscheidet. Es liegen derzeit noch keine ausreichenden Erfahrungen mit Schwangerschaften unter solchen Medikamenten vor. Die ersten Daten deuten darauf hin, daß unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern Schwangerschaften möglich und im Hinblick auf das Kind auch ungefährlich sind. Aus haftungsrechtlichen Gründen, sowohl im Hinblick auf die Arzthaftung als auch auf die Produkthaftung des Herstellers gilt im Augenblick die Vorschrift, daß unter einer Therapie mit TNF-alpha-Blockern sicher verhütet werden muß und unter einer solchen Therapie keine Kinder gezeugt bzw. empfangen werden dürfen.

Wir haben im übrigen zu diesem Thema eine ganze Reihe von Anfragen bekommen, die Sie sich in den entsprechenden Rubriken heraussuchen können. Weiterhin gibt es zu diesem Thema auch ein gutes rheuma-online-Special (http://www.rheuma-online.de).

Zum zweiten Teil der Frage: Wenn es allein um die Frage des Kinderwunsches geht, gilt damit das oben gesagte. Unabhängig davon würde ich persönlich keinen Patienten mit einem TNF-alpha-Blocker behandeln, speziell nicht eine Therapie mit einem neuen Präparat beginnen, der sich kurz danach außerhalb meiner fachrheumatologischen Reichweite befindet. Wenn, was zwar unwahrscheinlich, dennoch aber möglich ist, irgendeine Komplikation passiert, gibt es keine Möglichkeit, adäquat darauf zu reagieren. China ist dann noch die Mega-Steigerung dieses Gesichtspunktes, da es erstens nicht gerade um die Ecke liegt und zweitens die Medizin dort doch nach vollkommen anderen Regeln und Maßstäben funktioniert als bei uns. Ganz abgesehen davon, daß bei einer vorherigen Gabe von TNF-alpha-Blockern in keinster Weise zu beurteilen ist, was eine Qi-Gong-Behandlung gebracht hat.

Für Sie persönlich freue ich mich, daß Sie nach China in eine solche Behandlung fahren können. Ich hoffe auch, daß die Therapie etwas bringt. Auf keinen Fall sollten Sie mit dem Anspruch dorthin fahren, daß Sie mit einer solchen Behandlung ursächlich auch nur einen Hauch zu der Therapie Ihrer Grunderkrankung beitragen. Chinesische Medizin ist eine bei manchen Patienten sinnvoll ergänzende und unterstützende Maßnahme bei rheumatoider Arthritis. Den eigentlichen Krankheitsverlauf kann traditionelle chinesische Medizin nach allem, was wir wissen und von mittlerweile doch einer großen Zahl von Patienten gelernt und bei ihnen gesehen haben, nicht beeinflussen.

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