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Fragen und Antworten

Eine Frage von Christel M.:

Was sind die Unterschiede in der Wirkung der Medikamente MTX und Tauredon? Welches der beiden Medikamente ist stärker, und wo liegen die jeweiligen Vorteile!? Wann wird jedes Medikament angewendet?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 15.06.2004:

Methotrexat (Mtx) und Tauredon (intramuskulär verabreichtes Gold) sind beides langwirksame Antirheumatika zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und verwandten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, d.h. Substanzen aus der Gruppe der früher so genannten Basismedikamente.

Klinische Studie zeigen bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis eine etwa gleich hohe Wirksamkeit. Dies betrifft sowohl die Verbesserung der Symptome wie Gelenkschmerzen, Gelenkschwellungen, Morgensteifigkeit etc. als auch die Abnahme der im Blut messbaren Entzündungszeichen (z.B. Rückgang der Blutsenkung = BSG oder des c-reaktiven Proteins = CRP). Beide Substanzen sind außerdem etwa gleich stark in der Lage, das im Röntgenbild sichtbare Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen (sogenannte Röntgenprogression).

Methotrexat und Gold wirken als langwirksame Antirheumatika nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Zeit. Die Wirkung von Methotrexat setzt im Durchschnitt nach etwa 6 Wochen ein. Die Goldwirkung beginnt im Regelfall erst später, etwa nach 8 bis 12 Wochen.

Neben dem schnelleren Wirkungseintritt liegt ein Vorteil von Methotrexat in der vergleichsweise guten Verträglichkeit. Da eine langwirksame antirheumatische Therapie bei den meisten Patienten länger durchgeführt werden muß, spielt insbesondere auch die Langzeitverträglichkeit eine Rolle. Methotrexat ist die Substanz mit der geringsten Abbruchquote, wenn man längere Therapiezeiträume von mehreren Jahren betrachtet.

Vorteil von intramuskulärem Gold sind die oftmals sehr guten und langanhaltenden Ansprechraten bei denjenigen Patienten, die es vertragen und genügend lange erhalten. Selber kenne ich Patienten, die mit einer rheumatoiden Arthritis unter der Goldtherapie in komplette, anhaltende Remissionen gekommen sind, die dann selbst nach Absetzen des Goldes noch für Jahre angehalten haben und bei denen z.T. auch nach 10 Jahren Therapiefreiheit kein Rezidiv der Arthritis aufgetreten ist. Vergleichbare Beobachtungen sind mit von Methotrexat persönlich nicht bekannt.

Ein weiterer Vorteil von Gold liegt darin, dass es kein Immunsuppressivum im engeren Sinne ist, d.h. unter Gold kommt es nicht zu einer Schwächung der Immunabwehr. So kann Gold ohne Probleme bei Patienten mit einer vorbestehenden Beeinträchtigung der Immunabwehr (Immunkompromittierung) und bei Patienten eingesetzt werden, die zu schweren Infekten neigen. Bei solchen Patienten ist es deshalb sogar das Mittel der ersten Wahl.

Nachteile von intramuskulär verabreichtem Gold sind die relativ hohe Nebenwirkungsrate und eine damit verbundene relativ hohe Abbruchquote der Therapie (z.T. mehr als 50% der Patienten) und der relativ lange Zeitraum bis zum Wirkungseintritt (in der Regel mindestens 3 Monate, oft auch 6 Monate).

Ob bei der Therapie einer rheumatoiden Arthritis primär Methotrexat oder intramuskulär verabreichtes Gold verwendet wird, hängt sehr vom individuellen Einzelfall ab, insbesondere auch von der aktuellen Krankheitsaktivität zum Zeitpunkt der Therapieentscheidung, dem Krankheitsstadium und auch möglichen Begleiterkrankungen oder anderen Begleitumständen.

Da Gold bis zum Wirkungseintritt vergleichsweise länger braucht als Methotrexat, kommt es eher nicht als Mittel der ersten Wahl in Frage bei Patienten, bei denen vor Einleitung der langwirksamen antirheumatischen Therapie eine hohe Krankheitsaktivität besteht und bei denen im Röntgenbild bereits erosive Veränderungen zu sehen sind, d.h. eine Schädigung des Gelenkknorpels und des gelenknahen Knochens.

Methotrexat ist außerdem heute das wahrscheinlich am häufigsten eingesetzte langwirksame Antirheumatikum bei der Therapie einer rheumatoiden Arthritis. Damit liegen für diese Substanz auch die meisten Erfahrungen vor, sowohl was die Wirksamkeit als auch die Sicherheit und Verträglichkeit angeht. Da Gold immer seltener verwendet wird, besitzen heute viele Ärzte nicht mehr die Erfahrung im Umgang mit dieser Substanz wie die älteren Rheumatologen. Interessant ist allerdings der Eindruck, daß augenblicklich in den USA die Goldtherapie gerade „wiederentdeckt“ zu werden scheint. Sicher ist, daß die Goldtherapie mit ihrem ganz anderen Wirkmechanismus als viele der anderen langwirksamen Antirheumatika eine Reihe von Vorteilen hat, die leider viel zu selten genutzt werden.

Ob bei einem Patienten zunächst eine Therapie mit Methotrexat oder mit intramuskulär verabreichtem Gold (Tauredon) begonnen wird, hängt nicht zuletzt auch von der individuellen Erfahrung ab, die der einzelne behandelnde Rheumatologe mit der einen oder der anderen Substanz gemacht hat.

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