Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Norbert:

Nach einem starken Schmerzschub im Juli 2004 hat mich mein Hausarzt zu einem Rheumatologen geschickt, der auch schon bald einen Morbus Bechterew bei mir feststellte.

 

Ich hatte ausschliesslich Schmerzen in den Iliosakralgelenken, und seit dem letzten Schub im Juli 2004 auch sehr starke Beschwerden in den Hüftgelenken. Mein Rheumatologe hat daraufhin mit einer Remicade-Behandlung begonnen. Am selben Tag nach der ersten Infusion ging es mir schon viel besser, und ich war beinahe schmerzfrei. Nach 2 Wochen stand nun die zweite Infusion auf dem Plan. Als ich an diesem Morgen aufgewacht bin, hatte ich schon das Gefühl, als hätte ich eine "Halskehre", und meine Nackenmuskulatur war ein wenig verspannt. Ich hab mir nichts dabei gedacht und bin dann zu meinem Arzt gegangen, um die zweite Infusion dieses "Wundermittels" zu erhalten. Die Schmerzen in meiner HWS wurden einfach nicht besser, und als nach 4 Tagen ein Kontrolltermin anstand, hat mich mein Arzt auf meine HWS-Schmerzen untersucht. Er meinte, ich hätte eine einfache Muskelverspannung, und daß ich das mit Physiotherapie und einem Muskellockerungmedikament(Sirdalud) wieder in den Griff kriege. Trotz ieser Massnahmen hatte ich weiterhin Schmerzen in meiner HWS. Nun habe ich einen Termin, um Röntgenbilder von meiner HWS zu machen. Mein Arzt schliesst nun auch nicht mehr aus, daß diese Schmerzen mit meinem Bechterew

zusammenhängen.

 

Was ich nun fragen wollte, kann es überhaupt sein, daß ich in meinen Iliosakral- und Hüftgelenken beinahe beschwerdefrei bin und meine HWS trotz Remicade zum ersten Mal vom Bechterew befallen ist?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 21.11.2004:

Es ist in der Tat eine bekannte und zugleich unerklärte Beobachtung, daß eine antirheumatische Therapie nicht in gleicher Weise auf die unterschiedlichen Symptome und Manifestationen einer rheumatischen Erkrankung anspricht.

Ich persönlich kenne den von Ihnen geschilderten Effekt auch von meinen eigenen Patienten, bei denen eine TNF-alpha-blockierende Therapie bei einer ganzen Reihe von Gelenken und / oder Wirbelsäulen- und / oder ISG-Manifestationen hervorragend anspricht, und gleichzeitig an anderen Stellen überhaupt keine Wirkung eintritt oder unter der Therapie sogar neue Beschwerden auftreten, die vorher nicht vorhanden waren.

Im Bereich der Wirbelsäule handelt es sich dabei oft um muskuläre Verspannungen, so wie es Ihr Arzt auch schon vermutet hat.

Es kann aber durchaus auch sein, daß eine Mitbeteiligung des M. Bechterew vorliegt, die nun dummerweise nicht auf die ansonsten sehr gut wirksame Remicade-Therapie anspricht. In einem solchen Fall muß diese Krankheitsmanifestation dann durch einen anderen therapeutischen Ansatz behandelt werden, beispielsweise durch die Gabe von cortisonfreien Entzündungshemmern o.ä. Was im einzelnen zur Anwendung kommen kann, hängt vom individuellen Einzelfall, dem genauen Befund und den weiteren Begleitumständen ab und kann von hier aus nicht weiter beurteilt werden.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.