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Fragen und Antworten

Eine Frage von S.P.:

Welchen entscheidenden Vorteil bringt bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis das neu zugelassene Präparat Humira hinsichtlich Enbrel oder bereichert es nur als ein weiteres hochpreisiges Mittel die Palette der TNF-Blocker?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.11.2003:

Adalimumab (Humira) ist genau wie Infliximab (Remicade) ein monoklonaler Antikörper gegen TNF-alpha, während Enbrel ein löslicher Rezeptor ist. Daraus ergeben sich unterschiedliche Wirkungen, aber auch unterschiedliche Verträglichkeits- und Sicherheitsprofile.

 

Humira und Enbrel sind nicht unmittelbar miteinander vergleichbar, eher Humira und Remicade (Infliximab).

 

Gegenüber Infliximab hat Adalimumab den Vorteil, dass es ein vollständig humanisierter Antikörper ist, d.h. nicht wie Infliximab noch Mausanteile enthält.

 

Etanercept (Enbrel) ist ohnehin vollständig biotechnologisch synthetisiert und enthält auf Grund der anderen Produktionsverfahren sowieso keine Mausanteile.

 

Hinsichtlich der Wirksamkeit existieren bislang keine unmittelbaren Vergleiche („head-to-head-Vergleiche) zwischen zwei oder drei der genannten Substanzen in klinischen Studien.

 

Legt man die veröffentlichten Ergebnisse aus den randomisierten, placebo-kontrollierten, doppelblinden klinischen Studien zugrunde, sieht man bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis keine überzeugenden Unterschiede zwischen allen drei TNF-alpha-Blockern. Dies betrifft sowohl ihre Wirksamkeit hinsichtlich der klinischen Symptome der Erkrankung als auch hinsichtlich der Verbesserung der Laborbefunde, der funktionellen Kapazität (körperliche Funktionsfähigkeit) und der Hemmung der strukturellen Veränderungen durch die Erkrankung („Röntgenprogression“, d.h. die im Röntgenbild sichtbaren Gelenkzerstörungen in der Folge der rheumatoiden Arthritis).

 

Im Hinblick auf die Therapiesicherheit haben die monoklonalen Antikörper Adalimumab und Infliximab das Problem des größeren Tuberkulose-Risikos, das nach den bisherigen Erfahrungen bei dem löslichen Rezeptor Etanercept niedriger ist.

 

Unterschiede bestehen zwischen den Substanzen weiterhin in der zugelassenen Anwendung. Daraus können sich im Einzelfall Vorteile oder Nachteile für das eine oder andere Präparat ergeben.

 

Bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis sieht die Zulassung in Deutschland im Fall von Humira und Remicade den vorhergehenden erfolglosen Einsatz von Methotrexat (MTX) vor, Enbrel kann bei schweren, aktiven und progressiven Formen der rheumatoiden Arthritis indikationsgerecht auch ohne eine vorhergehende Therapie mit MTX verordnet werden.

 

Enbrel ist sowohl in der Monotherapie als auch in der Kombination mit Methotrexat zugelassen. Humira sollte entsprechend der EMEA-Zulassung bevorzugt in Kombination mit MTX angewendet werden, um ein maximales Ansprechen zu gewährleisten, kann jedoch auch in der Monotherapie eingesetzt werden, falls eine MTX-Unverträglichkeit vorliegt oder die Behandlung mit MTX nicht mehr angebracht ist. Remicade ist bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis nur in der Kombination mit Methotrexat zugelassen.

 

Für alle drei TNF-alpha-Blocker ist bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis eine Hemmung der Röntgenprogression in klinischen Studien belegt. Für diese Indikation sind in Deutschland allerdings nur Etanercept (Enbrel) und Infliximab (Remicade) zugelassen. In den USA liegt eine entsprechende Zulassung auch für Adalimumab (Humira) vor.

 

In Deutschland bezieht sich die Zulassung von Remicade auch auf die Verbesserung der funktionellen Kapazität. Eine entsprechende Zulassung für Enbrel liegt nur in den USA vor.

 

Aus klinischen Studien bis zur erfolgten Zulassung liegen die bislang umfangreichsten Daten für Adalimumab (ursprünglich D2E7, Humira) vor.

 

Auf Grund der längeren Postmarketingphase, d.h. der Anwendung in der alltäglichen rheumatologischen Praxis nach erfolgter Zulassung, existieren dagegen naturgemäß mit Abstand mehr Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit aus längeren Behandlungszeiträumen zu Enbrel und zu Remicade als zu Humira.

 

Allerdings erfassen die Nachbeobachtungszeiträume bei Patienten, die in die klinischen Studien zu Adalimumab eingeschlossen wurden, mittlerweile auch schon einige Jahre.

 

Aus Patientensicht wahrscheinlich wichtige Unterschiede zwischen den drei Substanzen bestehen bei der Verabreichung. Remicade wird als Infusion gegeben, anfangs in 14-tägigen Abständen, später in Abständen von 8 Wochen, Enbrel und Humira werden subkutan verabreicht, d.h. als Spritze unter die Haut. Dies erfolgt in der Regel als Selbstinjektion durch die Patienten. Dabei sind bei Enbrel die Injektionsabstände üblicherweise zweimal pro Woche, während Humira normalerweise alle 14 Tage gespritzt wird.

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