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Fragen und Antworten

Eine Frage von Elisabeth M.:

Ich (14 Jahre) leide seit ca. eineinhalb Jahren an starker juveniler chron. Polyarthritis. Dazu habe ich mich jetzt auch noch mit Windpocken angesteckt.

 

Können Sie mir sagen, ob irgendwelche Gefahren bei Windpocken und

gleichzeitiger Einnahme von Enbrel(2x25ml/Woche)und Kortison (12.5mg/tgl.) bestehen?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 6.11.2002:

Da eine juvenile chronische Polyarthritis oft alleine schon mit einer verschlechterten Immunabwehr einhergeht, verlaufen Infektionen bei Patienten mit dieser Erkrankung häufig schwerer als bei Patienten ohne Arthritis. Durch die Therapie mit einem TNF-Blocker wie Enbrel und zusätzlich Kortison in einer nicht ganz so niedrigen Dosierung von 12.5 mg/Tag ist die Immunabwehr zusätzlich geschwächt. Es kann deshalb passieren, dass beispielsweise eine Windpockeninfektion unter dieser Therapie heftiger verläuft als ohne eine solche Behandlung. Möglich ist z.B. eine Beteiligung der Schleimhäute, unter anderem im Mund oder auch in der Speiseröhre. Bei einer sehr starken Infektion kann die Windpockeninfektion außerdem auch andere Organe befallen.

 

Wir können und dürfen über das Internet keine individuellen diagnostischen oder therapeutischen Ratschläge erteilen, d.h. Dir mit einer E-Mail keine Ratschläge für Dich ganz persönlich geben, was in Deinem speziellen Fall zu tun ist, aber was wir dürfen, ist, Dir allgemeine Empfehlungen zu geben, die in dieser Form auch auf andere Patienten in einer vergleichbaren Situation zutreffen. Die Entscheidung, welche weiteren Maßnahmen durchgeführt werden sollten, muß natürlich Dein behandelnder Arzt vor Ort treffen.

 

Die Empfehlungen der Arzneimittelkommission der Universität Halle-Wittenberg (federführend geschrieben von unserem TIZ-Beiratsmitglied Priv. Doz. Dr. med. Gerd Horneff) gehen dahin, dass man bis zum Abklingen akuter Symptome eine Therapiepause mit Enbrel machen sollte.

 

Zudem würde Dr. Horneff in einer solchen Situtation eine antivirale Therapie vorschlagen, vor dem Hintergrund, dass Virustatika (Aciclovir, Famciclovir, Brivudin) nach seiner Erfahrung nicht toxischer sind als Antibiotika, d. h. genauso gut vertragen werden wie die Antibiotika, die man bei der Behandlung von bakteriellen Infekten einsetzt.

 

Die Notwendigkeit/ der Nutzen einer solchen antiviralen Therapie ist für die Patienten, die wegen einer juvenilen Arthritis mit TNF-Blockern und zusätzlich entweder mit oder ohne Cortison behandelt werden, derzeit durch entsprechenden wissenschaftliche Untersuchungen noch nicht gesichert.

 

Dagegen ist eine solche Therapie Standard bei der VZV-Infektion (Windpocken-Infektion) oder bei der Reaktivierung einer solchen Infektion bei immunkompromittierten Pat. unter Chemotherapie oder bei angeborenen oder erworbenen Immundefekten.

 

Eine (persönliche) Anfrage von Dr. Horneff an das Robert-Koch-Institut zur VZV-Infektion bei MTX-Therapie in "Rheumadosis" ergab, dass man dort die Immunsuppression als zu gering einschätzt, als dass Probleme zu erwarten wären. Aber wer garantiert dies dem Patienten? Deshalb empfiehlt Dr. Horneff dem behandelnden Arzt: Auch in einer solchen Situtation Therapiepause und Virustatikum.

 

Gute Besserung!

 

 

Für die Unterstützung bei der Beantwortung dieser Frage danken wir unserem Beiratsmitglied Priv. Doz. Dr. med. Gerd Horneff, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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