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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ursula H.:

Die Frage stelle ich im Auftrag meines Lebensgefährten, der seit 2001 an einer chronischen Polyarthritis leidet.

 

Vor 9 Monaten wurde eine Therapie mit Enbrel begonnen. Sie hat für etwa 6 Monate eine gute Wirkung gezeigt. Nun nehmen die rheumatischen Beschwerden

allerdings zu. Es kommt wieder zu Schwellungen der Finger und Fußgelenke.

Auch der linke Kiefer ist betroffen.

Zwischenzeitlich hat er die Coritsonmenge von 5 mg auf 10 mg erhöht, dadurch aber keine entscheidende Verbesserung erzielt.

Die Blutsenkung hat sich in diesem Zeitraum auch wieder erhöht. Außerdem hat er bei bisher allen Rheumamitteln, auch Enbrel, einen metallischen Geschmack im Hals und Schwellungen am Halsansatz.

Läßt sich die Dosierung oder der Wirkstoff von Enbrel erhöhen? Welche

Untersuchungen sollten durchgeführt werden?

Zusätzlich leidet er unter peripheren arteriellen Verschlußkrankheit (Arterienverkalkung der Gefäße in den Beinen) und hatte vor einem Jahr eine

Bypass-Operation im linken Bein. Weiterhin besteht ein Asthma.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 29.12.2004:

Bei einem Teil der Patienten kommt es unter der Therapie mit TNF-alpha-Blockern nach einer anfänglich guten Wirksamkeit dann im Verlauf zu einer nachlassenden Wirksamkeit bis hin zu einem vollständigen Wirkungsverlust.

Bei Substanzen wie Infliximab, die aus produktionstechnischen Gründen einen Mausanteil besitzen, ist dies oft durch die Bildung von Antikörpern gegen diesen Mausanteil erklärt, die den in Infliximab enthaltenen TNF-Antikörper nun ihrerseits blockieren und ihn damit neutralisieren = unwirksam machen (sogenannte -->HACA = humane antichimäre Antikörper).

Da in Enbrel kein Mausanteil vorhanden ist, kann diese Erklärung für einen Wirksamkeitsverlust nicht herangezogen werden. Die genaue Ursache ist hier bislang ungeklärt.

In Einzelfällen habe ich bei einigen meiner Patienten, bei denen Enbrel zunächst hervorragend wirkte und wo es dann, eigentlich ganz unerwartet, zu einem Wirkungsverlust kam, bei genauem Nachfragen eine vorhergehende Infektion mit einem sogenannten arthritogenen Erreger ermitteln und durch gezielte Blutuntersuchungen auch belegen können. Solche arthritogenen Erreger sind beispielsweise Bakterien wie Yersinien, Salmonellen oder Campylobacter, die Infektionen im Magen-Darm-Trakt hervorrufen, oder Chlamydia pneumoniae oder Mykoplasma pneumoniae, die eine Bronchitis oder ähnliche Erkrankungen im Bereich der oberen Luftwege verursachen. Diese Erreger sind – ganz unabhängig von einer Enbrel-Therapie - in der Lage, eine sogenannte --> infektreaktive Arthritis hervorzurufen. Möglicherweise war deshalb in den von mir beobachteten Einzelfällen die plötzlich einsetzende Schubsituation primär nicht ein Wirkungsverlust von Enbrel, sondern eine Art infektreaktive Arthritis oder infektinduzierte Zunahme der Krankheitsaktivität.

Bei meinen Patienten habe ich durch eine antibiotische Therapie und eine parallel durchgeführte Intensivierung der entzündungshemmenden Therapie, teilweise auch eine Erhöhung der laufenden Cortisondosis oder eine neu begonnene Cortisontherapie, die Krankheitsaktivität wieder kontrollieren können und musste die laufende Enbreltherapie nicht beenden.

Gibt es keine solchen Hinweise auf eine mögliche Ursache der aktuell erhöhten Krankheitsaktivität, kann ggf. die Dosis von Enbrel erhöht werden, z.B. durch Steigerung der Injektionsintervalle auf dreimal pro Woche statt zweimal pro Woche.

Alternativ ist der Wechsel auf einen anderen TNF-alpha-Blocker möglich. Aus entsprechenden Beobachtungen wissen wir, daß der Wirkungsverlust eines TNF-alpha-Blockers nicht gleichzeitig auch die Unwirksamkeit eines anderen TNF-alpha-Blockers bedeutet.

Bei einem Teil der Patienten kommt es unter der Therapie mit TNF-alpha-Blockern nach einer anfänglich guten Wirksamkeit dann im Verlauf zu einer nachlassenden Wirksamkeit bis hin zu einem vollständigen Wirkungsverlust.

Bei Substanzen wie Infliximab, die aus produktionstechnischen Gründen einen Mausanteil besitzen, ist dies oft durch die Bildung von Antikörpern gegen diesen Mausanteil erklärt, die den in Infliximab enthaltenen TNF-Antikörper nun ihrerseits blockieren und ihn damit neutralisieren = unwirksam machen (sogenannte --> HACA = humane antichimäre Antikörper).

Da in Enbrel kein Mausanteil vorhanden ist, kann diese Erklärung für einen Wirksamkeitsverlust nicht herangezogen werden. Die genaue Ursache ist hier bislang ungeklärt.

In Einzelfällen habe ich bei einigen meiner Patienten, bei denen Enbrel zunächst hervorragend wirkte und wo es dann, eigentlich ganz unerwartet, zu einem Wirkungsverlust kam, bei genauem Nachfragen eine vorhergehende Infektion mit einem sogenannten arthritogenen Erreger ermitteln und durch gezielte Blutuntersuchungen auch belegen können. Solche arthritogenen Erreger sind beispielsweise Bakterien wie Yersinien, Salmonellen oder Campylobacter, die Infektionen im Magen-Darm-Trakt hervorrufen, oder Chlamydia pneumoniae oder Mykoplasma pneumoniae, die eine Bronchitis oder ähnliche Erkrankungen im Bereich der oberen Luftwege verursachen. Diese Erreger sind – ganz unabhängig von einer Enbrel-Therapie - in der Lage, eine sogenannte --> infektreaktive Arthritis hervorzurufen. Möglicherweise war deshalb in den von mir beobachteten Einzelfällen die plötzlich einsetzende Schubsituation primär nicht ein Wirkungsverlust von Enbrel, sondern eine Art infektreaktive Arthritis oder infektinduzierte Zunahme der Krankheitsaktivität.

Bei meinen Patienten habe ich durch eine antibiotische Therapie und eine parallel durchgeführte Intensivierung der entzündungshemmenden Therapie, teilweise auch eine Erhöhung der laufenden Cortisondosis oder eine neu begonnene Cortisontherapie, die Krankheitsaktivität wieder kontrollieren können und musste die laufende Enbreltherapie nicht beenden.

Gibt es keine solchen Hinweise auf eine mögliche Ursache der aktuell erhöhten Krankheitsaktivität, kann ggf. die Dosis von Enbrel erhöht werden, z.B. durch Steigerung der Injektionsintervalle auf dreimal pro Woche statt zweimal pro Woche.

Alternativ ist der Wechsel auf einen anderen TNF-alpha-Blocker möglich. Aus entsprechenden Beobachtungen wissen wir, daß der Wirkungsverlust eines TNF-alpha-Blockers nicht gleichzeitig auch die Unwirksamkeit eines anderen TNF-alpha-Blockers bedeutet.

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