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Neues Sprunggelenk oder Gelenkversteifung?

Frage aus der Kategorie: Fragen an die Experten
Eine Frage von Burgi G.:

Ich leide an einer sehr schweren chronischen Polyarthritis. Wegen einer fortgeschrittenen Sprunggelenksbeteiligung stehe ich nun vor der Frage, ob bei mir ein künstliches Sprunggelenk (Endoprothese) oder eine Versteifung des Sprunggelenks (Arthrodese) durchgeführt werden soll.

Sie müssen wissen, dass ich trotz meiner Erkrankung (diese dauert nun schon etwa 6 Jahre mit extrem progredientem Verlauf) immer noch den ganzen Tag arbeite. Ich bin gelernte Verkäuferin und arbeite auch jetzt noch immer im Verkauf, d.h. ich stehe den ganzen Tag auf meinem kaputten Füßen - das wäre ja weiterhin nicht so schlimm, man gewöhnt sich schließlich an alles.

Nun hat mir aber mein behandelnder Internist ebenso wie mein Orthopäde Bedenken aufgegeben: Nach einer Arthrodese sei es mir nicht mehr möglich (oder sehr schwer), so ohne weiters über Stufen zu gehen. Leider gibt es in meinem Unternehmen viele Stufen und ein Teil der Verkaufstätigkeit besteht ja auch in der Dekoration von Schaufenstern und Geschäftsinnenräumen, wo es immer wieder notwendig sein wird, auch mal auf eine Leiter zu klettern usw. Ist das wirklich so schlimm??

Das zweite Problem, welches ich sehe ist das Autofahren: Ich bin zwar im Besitz eines nach österr. Recht §29 STVO "Behindertenausweises" (zum Parken auf Behindertenparkplätzen), habe aber auch jetzt schon immer riesige Probleme beim Autofahren: Abrupte Vollbremsung, da darf ich gar nicht daran denken, da dies für meine Füße zu schmerzhaft ist.

Leider hat mir noch keiner sagen können, was Vorschrift nach einer Prothese bzw. Arthrodese ist - brauche ich etwa auch ein neues Auto, welches keine Fußpedale mehr hat und wie soll ich das finanzieren - gibt es Unterstützungsfonds?

Das dritte, und ich glaube auch das vorrangig größte Problem von allen: Durch meine Polyarthritis sind ja nicht nur die Sprunggelenke, sondern leider auch beide Handgelenke sowie sämtliche Fingergrundgelenke, Kniegelenke usw. schwer beeinträchtigt.

Ich habe schreckliche Angst - und das ist in beiden Fällen, sei es nun Arthrodese oder Prothese, der Fall - auf Krücken zu gehen, da meine Hände so etwas nicht durchhalten werden! - Gibt es da eine Alternative?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.04.2005:

Nun hat mir aber mein behandelnder Internist ebenso wie mein Orthopäde Bedenken aufgegeben: Nach einer Arthrodese sei es mir nicht mehr möglich (oder sehr schwer), so ohne weiters über Stufen zu gehen. Leider gibt es in meinem Unternehmen viele Stufen und ein Teil der Verkaufstätigkeit besteht ja auch in der Dekoration von Schaufenstern und Geschäftsinnenräumen, wo es immer wieder notwendig sein wird, auch mal auf eine Leiter zu klettern usw. Ist das wirklich so schlimm??
„Ohne weiteres“ kann man natürlich nach einer Arthrodese nicht über Stufen gehen. Andererseits wird es nach einer Arthrodese wahrscheinlich besser gehen als vorher, da die Schmerzen nicht mehr da sind. Wenn hinsichtlich einer Arthrodese Bedenken bestehen: Wir setzen in solchen Fällen dann gerne einen orthopädischen Arthrodese-Schuh ein, damit die Patienten ausprobieren können, was Ihnen eine solche Stillegung des Gelenks bringt und wie sie im Alltag damit zurechtkommen. Der Schuh versteift das Gelenk zwar nicht so sicher und so vollständig wie eine operative Versteifung, gibt aber nach meiner Erfahrung doch einen recht guten Eindruck davon, was bei einer Arthrodese-Operation zu erwarten ist (da ein speziell angefertigter Arthrodese-Schuh teuer ist, kann man u.U. zum ersten Ausprobieren auch eine „österreichische“ Lösung versuchen: Skischuh leihen (damit Sie hineinkommen: mit Heckeinstieg – vielleicht finden Sie irgendwo noch jemand, der ein solches älteres Modell besitzt)).


Das zweite Problem, welches ich sehe ist das Autofahren: Ich bin zwar im Besitz eines nach österr. Recht §29 STVO "Behindertenausweises" (zum Parken auf Behindertenparkplätzen), habe aber auch jetzt schon immer riesige Probleme beim Autofahren: Abrupte Vollbremsung, da darf ich gar nicht daran denken, da dies für meine Füße zu schmerzhaft ist.
Sage ich lieber nichts zu, denn sonst kommt noch jemand auf die Idee, Ihnen den Führerschein wegzunehmen bzw. das Autofahren zu verbieten, und dann ist die Mobilität ganz hin.

Leider hat mir noch keiner sagen können, was Vorschrift nach einer Prothese bzw. Arthrodese ist - brauche ich etwa auch ein neues Auto, welches keine Fußpedale mehr hat, und wie soll ich das finanzieren - gibt es Unterstützungsfonds?
Dazu kann ich nichts sagen. Dies weiß aber Daniela Loisl von der Österreichischen Rheuma-Liga. Ich leite Ihre Anfrage dorthin weiter.

 

Das dritte und ich glaube auch das vorrangig größte Problem von allen: Durch meine "Polyarthritis" sind ja nicht nur die Sprungglenke, sondern leider auch beide Handgelenke sowie sämtliche Fingergrundgelenke, Kniegelenke usw. schwer beeinträchtigt.
Ich habe schreckliche Angst - und das ist in beiden Fällen,  sei es nun Arthrodese oder Prothese,  der Fall - auf Krüken zu gehen, da meine Hände so etwas nicht durchhalten werden! - Gibt es da eine Alternative?
Dieses Problem ist Rheuma-Chirurgen bekannt und gilt in gleicher Weise auch für Patienten, die ein neues Hüftgelenk oder ein neues Kniegelenk bekommen und bei denen u.U. nicht nur die Hände, sondern auch noch die Ellenbogengelenke und die Schultergelenke betroffen sind und neben dem operierten Gelenk, z.B. Kniegelenk rechts, auch noch das (noch nicht operierte) Kniegelenk links und, wenn es ganz schlimm kommt, auch noch die Hüften. Für solche Patienten gibt es unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten, die über spezielle Stützhilfen (anders geformte Gehstützen, bei denen der ganze Unterarm aufgelegt wird, oder auch Schulterstützen) über eine Art Gehböcke bis hin zu Gehwagen reichen. Dies sollte aus meiner Sicht das kleinste Problem sein, da die Rehabilitationskliniken damit große Erfahrung besitzen und Sie nicht die Einzige sind, die damit zurechtkommen muß.

Update Juli 2005: Rückmeldung der Patientin

Lieber Herr Dr. Langer!

Habe schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Aber in der Zwischenzeit ist viel passiert. Ich hatte den Mut, mich der Sprunggelenksoperation - zum Erhalt einer TEP und einer Versteifung des unteren Sprunggelenkes zu unterziehen. Das ist gerade mal 10 Wochen her.

Abgesehen von gräßlichen Schmerzen - die laut Aussagen der behandelnden Orthopäden- für die Versteifung des unteren Sprunggelenkes ganz natürlich sind - ich habe zwei Schrauben direkt im Fersenbein - drückend auch die neue Prothese, geht es mir ganz gut.

Die Operation an sich war sehr unkompliziert - schlimmer war der 2-wöchige Krankenhausaufenthalt, da ich einen Liegegips hatte, und noch schlimmer sind die 8 Wochen seit dem Krankenhausaufenthalt, da ich noch immer am Gips gefesselt bin, aber ich kann schon wieder herumgehen.

Neugierig blicke ich jedoch nach vorne, da ich nächste Woche am Donnerstag den Gips endlich los werde und ich dann auch weiß, wie es mit der Beweglichkeit usw. voranschreiten wird.

Sollte mich jemand nach Rat fragen wollen, ob ich zu so einer Operation raten würde, bin ich mir immer noch nicht sicher, was ich darauf antworten soll - für das kaputte Sprunggelenk ist die TEP sicherlich das Beste. Für Rheumatiker - na ich weiß nicht ganz?? - leider sind seit dem Zeitpunkt der Belastung (das war unmittelbar nach Krankenhausentlassung) der zweite Fuß und die beiden Handgelenke derart in Mitleidenschaft gezogen worden, dass ich um mehrere OPs an genannten Gelenken nicht mehr umhin kommen werde. Natürlich kann ich nicht sagen, ob dies auch nicht der Fall gewesen sein würde, hätte ich eine Versteifung des Sprunggelenkes gemacht.

Sollten Sie an meinem "weiteren" Verlauf der Einheilung und Therapie interessiert sein, werde ich Sie natürlich auf dem Laufenden halten!

Nun noch schöne Grüße

Burgi

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