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Tuberkulose-Risiko bei der Therapie eines M. Crohn mit Remicade

Frage aus der Kategorie: Fragen an die Experten
Eine Frage von Andreas G.:

Hallo,

ich bin 25 Jahre alt und habe akuten Morbus Crohn. Ich bekomme Remicade jetzt schon seit einem Monat. Mein Arzt hat mich auf die Gefahren des Medikaments, vor allem von opportunistischen Infektionen wie der Tuberkulose hingewiesen. Ein Test vor der Behandlung war gottseidank negativ. Mir geht es sehr gut, und meine Beschwerden haben sich schon nach 2 Tagen gebessert.

 

Ist das Risiko, an opportunistischen Infektionen zu erkranken, bei einer Remicade-Therapie genauso hoch, wie wenn man sich mit dem HIV-Virus infiziert hat bzw. an AIDS erkrankt ist?

 

Würde ein durchgeführter HIV/AIDS-Test bei laufender Remicade Therapie durch die verminderte Immunabwehr positiv ausfallen, vor allem geprüft mit Schnelltests (obwohl man gar nicht HIV-positiv ist)?

Oder gibt es exakte Meßverfahren, in welchen eindeutig differenziert werden Kann, ob man HIV-positiv ist, oder die Immunabwehr durch andere Medikamente wie z.B. Remicade herabgesetzt ist?

Vielen Dank

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.06.2005:

 

1. Ist das Risiko, an opportunistischen Infektionen zu erkranken, bei einer Remicade-Therapie genauso hoch, wie wenn man sich mit dem HIV-Virus  infiziert hat bzw. an AIDS erkrankt ist?

Das Risiko, an opportunistischen Infektionen zu erkranken, ist bei einer Remicade-Therapie sehr viel geringer als bei einer Infektion mit dem HIV-Virus  infiziert hat bzw. bei einer AIDS-Erkrankung.

2. Würde ein durchgeführter HIV/AIDS-Test bei laufender Remicade Therapie durch die verminderte Immunabwehr positiv ausfallen, vor allem geprüft mit Schnelltests (obwohl man gar nicht HIV-positiv ist)?

Ein durchgeführter HIV/AIDS-Test kann unter einer laufenden Remicade- Therapie u.U. durch die verminderte Immunabwehr negativ (d.h. nicht falsch-p ositiv, sondern falsch-negativ) ausfallen, da dieser Test auf dem Nachweis von Antikörpern gegen das HIV-Virus beruht, und bei einer stark beeinträchtigten Immunabwehr solche Antikörper nicht oder zu gering gebildet werden. Diese Möglichkeit ist aber stark hypothetisch und dürfte in der Realität zu vernachlässigen sein.

3. Oder gibt es exakte Meßverfahren, in welchen eindeutig differenziert werden kann, ob man HIV-positiv ist, oder die Immunabwehr durch andere Medikamente wie z.B. Remicade herabgesetzt ist?

Es gibt solche exakten Meßverfahren insofern, als bei dem HIV-Test nicht ungezielt nach einer geschwächten Immunabwehr gesucht wird, sondern nach Antikörpern gegen das HIV-Virus. Wenn sich solche Antikörper nachweisen lassen, bedeutet dies, daß der Körper Kontakt mit dem HIV-Virus hatte; dies heißt im Prinzip gleichzeitig, daß eine HIV-Infektion vorliegt. Bei anderen Untersuchungen, mit denen man nach einer geschwächten Immunabwehr schaut, z.B. einem zellulären Immunstatus, geht es dagegen allgemein um eine Schwächung der Immunabwehr. Ein solcher Test kann sowohl bei einer HIV-Infektion als auch bei anderen Erkrankungen oder Umständen, bei denen es zu einer Schwächung der Immunabwehr kommt, positiv sein. Dies ist dann aber absolut zu trennen von einer HIV-Infektion oder einer AIDS-Erkrankung.

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