Prednisolon-Äquivalent

Mit dem Prednisolon-Äquivalent wird versucht, chemisch unterschiedliche Cortisonpräparate im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und das Nebenwirkungsrisiko vergleichbar zu machen.

Hintergrund ist, daß Cortison nicht gleich Cortison ist.

Das erste als Medikament hergestellte und therapeutisch eingesetzte Cortison war Prednison (Handelsname Decortin, Merck Darmstadt). In der Folge hoffte man, durch chemische Veränderungen der Substanz einerseits die Wirksamkeit zu steigern und andererseits die Nebenwirkungen zu verringern. Dies gelang z.T. auch wirklich, indem man versuchte, den Anteil der sogenannten mineralcorticoiden Wirkung zu reduzieren und die entzündungshemmende Komponente zu verstärken. Letztendlich zeigte sich aber, daß bei allen Weiterentwicklungen des Prednisons bzw. des kurz darauf ebenfalls von Merck Darmstadt synthetisierten Prednisolons (Decortin H) ein enger Zusammenhang zwischen Wirkung und Nebenwirkungen bestand, d.h. mit Zunahme der Wirksamkeit kam es praktisch parallel zu einer Zunahme der Nebenwirkungen.

In der Konsequenz bedeutet das, daß es heute zahlreiche verschiedene Cortisonpräparate gibt, die unterschiedliche Mengen Cortison mit unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung enthalten. Dabei sind 5 mg Methylprednisolon wirksamer als 5 mg Prednisolon, führen aber auch um den Anteil, den sie wirksamer sind, zu mehr cortisontypischen Nebenwirkungen.

Deshalb wurde der Begriff „Prednisolon-Äquivalent“ geprägt, mit dem versucht wird, die Wirksamkeit und die Nebenwirkungswahrscheinlichkeit der unterschiedlichen Cortisonpräparate vergleichbar zu machen.

Die nachfolgenden Angaben verwenden die Zahlen des deutschen „Cortison-Papstes“ Prof. Dr. med. Hanns Kaiser (Praxis der Cortisontherapie, Urban & Schwarzenberg, 4.Auflage 1996, S. 32). Sie sind weitgehend akzeptiert, auch wenn einige Hersteller aus verständlichen Gründen z.T. anderer Meinung sind.

Danach entsprechen 5 mg Prednisolon (z.B. Decortin H) annähernd:

     

  • 4 mg Methylprednisolon (z.B. Urbason, Aventis)
  • 5 mg Fluocortolon (z.B. Ultralan oral, Schering Asche Chiesi)
  • 2,5-5 mg Cloprednol (z.B. Syntestan, Roche)
  • 6 mg Prednyliden (z.B. Decortilen, Merck)
  • 6-9 mg Deflazacort (Calcort, GALENpharma)
  • 4 mg Triamcinolon (Delphicort, Riemser, Volon, Dermapharm)
  • 0,75 Dexamethason (Fortecortin, Merck)

Im konkreten Fall bedeutet das, dass 4 mg Methylprednisolon so wirksam sind wie 5 mg Prednisolon, andererseits im Hinblick auf die Nebenwirkungen eben aber auch das Nebenwirkungsrisiko von 5 mg Prednisolon haben. 20% weniger Methylprednisolon-Dosis (rein zahlenmäßig) heißt damit nicht 20% weniger Nebenwirkungen, sondern genauso viel oder so wenig Nebenwirkungen wie die rein zahlenmäßig um 20% höhere Prednisolon-Dosis.

Wenn man davon ausgeht, daß man bei einer Prednisolondosis von 5 mg von einer low-dose-Therapie spricht, wären umgerechnet die halbwegs sicheren Dosisbereiche für die anderen Präparate bei den oben angegebenen Dosierungen.

Copyright © 1997-2021 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.