Nebenwirkungsprofil von Etanercept

Das Nebenwirkungsprofil von Etanercept wurde in kontrollierten Studien bei insgesamt 4.403 Patienten erhoben:

  • 2680 Patienten mit rheumatoider Arthritis (2 placebokontrollierte Studien, eine wirkstoffkontrollierte Studie Etanercept vs. Methotrexat, eine wirkstoffkontrollierte Studie Etanercept vs. Methotrexat (MTX) vs. Etanercept plus MTX)
  • 131 Patienten mit Psoriasisarthritis (2 doppelblinde, placebokontrollierte Studien, 1 offene Folgestudie)
  • 508 Patienten mit Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis, vier doppelblinde, placebokontrollierte Studien)
  • 1084 Patienten mit Plaques-Psoriasis (3 doppelblinde, placebokontrollierte Studien).

Dabei zeigten sich bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA), Psoriasis-Arthritis (PsA), ankylosierender Spondylitis (Morbus Bechterew, SpA) oder Plaque-Psoriasis vor allem  folgende unerwünschte Wirkungen von Etanercept.

Reaktionen an der Injektionsstelle

Reaktionen an der Injektionsstelle waren die häufigsten unerwünschten Wirkungen (30-40% der Patienten) unter einer Behandlung mit Etanercept. Sie waren überwiegend leicht bis mäßig ausgeprägt und führten selten zum Abbruch der Studienmedikation.

Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse

Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden in den klinischen Studien bei RA-Patienten unter Etanercept nicht häufiger beschrieben als bei den mit Methotrexat oder Placebo behandelten Patienten (Etanercept 6% vs. MTX 8%, Etanercept 4% vs. Placebo 5%). Bei Patienten mit Plaque-Psoriasis, die in placebokontrollierten Studien behandelt worden waren, betrug die Häufigkeit schwerwiegender unerwünschter Ereignisse für Etanercept und Placebo jeweils 1%.

Infektionen

Ebenfalls häufig, dabei meist ungefährlich, ist ein erhöhtes Infektionsrisiko unter Etanercept. Die häufigsten Infektionen in den Studien zu rheumatischen Erkrankungen betrafen die oberen Atemwege (Erkältung und Nebenhöhlenentzündung) und traten mit einer Häufigkeit von 22% unter Etanercept und 17% unter Placebo auf. In den klinischen Studien wurde auch eine erhöhte Rate an Harnwegs- und Hautinfekten beobachtet.

Schwerwiegende und / oder opportunistische Infektionen

In placebokontrollierten Studien wurde unter Etanercept keine Zunahme der Häufigkeit von schwerwiegenden Infektionen beobachtet (Infektionen, die eine stationäre Aufnahme bzw. eine parenterale  Gabe von Antibiotika erforderlich machen, lebensbedrohliche Infektionen oder Infektionen mit letalem Ausgang). Schwere Infektionen sind vor allem dann gefährlich, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und nicht angemessen behandelt werden.

In den Kombinationsstudien, in denen die Patienten entweder Etanercept, MTX oder die Kombination von beiden erhielten, waren die Raten an schwerwiegenden Infektionen innerhalb der Behandlungsgruppen ähnlich. Ein Anstieg der Infektionsrate unter der Kombination von Etanercept/MTX kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

In einer auf dem europäischen Rheumatologenkongress (EULAR 2007) vorgestellten Untersuchung wurden die Daten zu schwerwiegenden und opportunistischen Infektionen unter Etanercept im Vergleich zu Placebo aus kontrollierten, randomisierten und offenen Verlängerungsstudien bei RA, PsA und AS vorgestellt.

In allen Studien zusammen waren 9.030 Patienten (13.168 Patientenjahre) mit Etanercept behandelt worden.
Die häufigsten schwerwiegenden Infektionen (mit nicht spezifiziertem Pathogen) betrafen zu gleichen Anteilen die Atemwege, die Haut und den Magendarmtrakt. Unterschiede zwischen Art oder Ort der Infektion bei den einzelnen Indikationen bestanden nicht. 

In den kontrollierten, randomisierten Studien bei RA-Patienten wurden fünf opportunistische Infektionen unter Etanercept, drei unter Placebo beobachtet. In allen Studien zusammen traten 14 opportunistische Infektionen auf, davon als häufigstes Ereignis ein Herpes zoster mit drei Fällen unter Etanercept und zwei Fällen unter Placebo.

In europäischen Studien wurde über das Auftreten von Tuberkulose bei zwei Patienten berichtet. Opportunistische Infektionen wurden bei Patienten mit Psoriasisarthritis oder ankylosierender Spondylitits nicht gesehen.

Zusammengefasst wich die Häufigkeit schwerwiegender oder opportunistischer Infektionen unter Etanercept in den unterschiedlichen Indikationen nicht signifikant von den Ereignissen unter Placebo ab. Das Ergebnis dieser retrospektiven Untersuchung bestätigt das allgemein günstige Sicherheitsprofil von Etanercept.

Ebenfalls auf dem EULAR 2007 wurde eine Langzeitanalyse mit Etanercept bei RA-Patienten über neun Jahre vorgestellt. Europäische und nordamerikanische Patienten, die erst kurz an einer RA litten oder DMARD-refraktär waren, konnten in offene Verlängerungsstudien wechseln. Die Ergebnisse dieser Studie wie die der kontrollierten Doppelblindstudien flossen in diese Analyse ein.

Insgesamt wurden 2.054 Patienten mit 9.212 Patientenjahren ausgewertet. Die Häufigkeit für schwerwiegende Infektionen betrug unter Etanercept bei Patienten mit früher RA 0,02/Patientenjahr, bei den nordamerikanischen Patienten mit DMARD-refraktärer RA 0,04/Patientenjahr und bei den europäischen DMARD-refraktären RA-Patienten 0,06/Patientenjahr. In einem Fall wurde eine Tuberkulose beobachtet. Die Autoren schließen aus ihrer Untersuchung, dass das Sicherheitsprofil von Etanercept auch nach neun Jahren noch seine Gültigkeit besitzt.

In den klinischen Studien wurden allerdings mehr Lymphome unter Etanercept gesehen als sie für die Allgemeinbevölkerung typisch wären. Dieses Ergebnis stimmt nicht mit dem jüngsten Update zum Lymphomrisiko unter MTX und anti-TNF Therapie der National Data Bank for Rheumatic Diseases, Wichita, Kansas, USA überein.

Frederick Wolfe und Kaleb Michaud sahen in dieser Untersuchung an 19.591 RA-Patienten während 89.710 Patientenjahren einschließlich 10.815 Patienten mit anti-TNF-Therapie keinen Hinweis auf eine erhöhte Inzidenz für Lymphome unter der Behandlung mit TNF-Blockern.

Autoantikörper

Unter einer Behandlung mit Etanercept traten im Vergleich zu Placebo vermehrt antinukleäre Antikörper (ANA) auf. Ebenso wurde eine vermehrte Bildung von Antikörpern gegen doppelsträngige DNA (anti-ds-DNA) unter Etanercept festgestellt. In seltenen Fällen wurden bei überwiegend Rheumafaktor-positiven Patienten das Auftreten von Autoantikörpern in Verbindung mit einem Lupus-ähnlichen Syndrom oder Hautausschlägen beobachtet, die bioptisch mit einem subakuten kutanen Lupus vereinbar waren.

Zusammenfassung

Zusammengefasst zeigen alle vorliegenden Daten, dass die Therapie mit Etanercept von der Mehrzahl der Patienten gut vertragen wird und insgesamt sicher ist. Unter einem regelmäßigen Therapie- und Sicherheits-Monitoring und bei strenger Indikationsstellung sind schwerwiegende Behandlungsfolgen in der Regel nicht zu erwarten. Voraussetzung ist, dass die Einleitung, Durchführung und Überwachung der Therapie durch einen spezialisierten Arzt, der über eine entsprechende Erfahrung bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen und bei der Anwendung von biologischen Medikamenten verfügt, vorgenommen wird.

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