Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Medikamente, die in den Folsäurestoffwechsel eingreifen (z.B. Methotrexat)

Sulfasalazin vermindert die Folsäureabsorption (Folsäure ist ein Vitamin). Wenn es zu zusammen mit anderen Medikamenten eingenommen wird, die in den Folsäure-Stoffwechsel eingreifen (wie z.B. Methotrexat), muß besonders auf entsprechende Mangelerscheinungen geachtet werden. Oft erkennt man erste Veränderungen im Blutbild an der sogenannten Erythrozytenmorphologie und dem Hämoglobin-Gehalt der Erythrozyten (MCV-Werte und MCH-Werte im Blutbild). Sulfasalazin kann außerdem die Wirkung von Methotrexat verstärken. Diesen Effekt macht man sich u.a. bei der Kombinationstherapie von Sulfasalazin mit Methotrexat zunutze.

Eisenpräparate

Eisenpräparate und Sulfasalazin bilden sogenannte Chelate, d.h. sie binden aneinander und behindern sich damit wechselseitig bei der Resorption, d.h. beide Substanzen werden weniger vom Körper aufgenommen, wenn man sie gleichzeitig einnimmt.

Antibiotika

Antibiotika und Anionenaustauscher verringern ebenfalls die Resorption von Sulfasalazin.

Cumarin-Derivate (z.B. Marcumar)

Durch Sulfasalazin kann die Wirkung von Cumarinderivaten wie Marcumar verstärkt werden, deshalb sind anfangs häufigere Kontrollen des Quick-Wertes bzw. der INR empfehlenswert.

Sulfonylharnstoffe (z.B. Glibenclamid / Euglukon u.a.)

Durch Sulfasalazin ist wie bei anderen Sulfonamiden eine Wirkungsverstärkung von Sulfonylharnstoffen möglich (Medikamente, die zur Behandlung der Zuckerkrankheit eingenommen werden = eine Substanzgruppe aus der Gruppe der sogenannten oralen Antidiabetika). Es ist deshalb anfangs eine häufigere Kontrolle der Blutzuckereinstellung empfehlenswert.

Phenytoin (z.B. Zentropil)

Durch Sulfasalazin kann wie bei anderen Sulfonamiden auch eine Wirkungsverstärkung von Phenytoin erfolgen (Phenytoine sind Substanzen, die u.a. zur Behandlung einer Epilepsie eingenommen werden = Präparate aus der Gruppe der Antiepileptika). Ggf. sind deshalb anfangs Spiegelbestimmungen des Phenytoins nötig.

Herzglykoside (Digitalis-Präparate wie Digoxin oder Digitoxin, z.B. Novodigal oder Digimerck)

Wie bei den übrigen Sulfonamiden kann es auch bei Sulfasalazin zu einer Wirkungsabschwächung von Herzglykosiden kommen (Präparate, die früher vor allem zur Behandlung einer Herzschwäche eingesetzt wurden, heute hauptsächlich bei einer bestimmten Form der Herzrhythmusstörung, nämlich Vorhofflimmern; Hauptvertreter dieser Substanzgruppe sind Digoxin sowie Digitoxin, z.B. Novodigal oder Digimerck). Ggf. sind auch hier Spiegelbestimmungen der Herzglykoside nötig.
Therapie-Monitoring: Überprüfung der Wirksamkeit

Wie bei jeder anderen langwirksamen antirheumatischen Therapie sollte in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der Wirksamkeit der Behandlung mit Sulfasalazin erfolgen. Diese Wirksamkeitsüberprüfung sollte optimalerweise von einem internistischen Rheumatologen vorgenommen werden, der zur Wirksamkeitsbeurteilung beispielsweise u.a. folgende Kriterien heranzieht:

     

  • Schmerz (z.B. über eine ---> numerische Ratingskala mit Bewertung des Schmerzes zwischen 0-10; = 0 kein Schmerz, 10 = maximaler Schmerz; alternativ ist auch der Einsatz einer ---> visuellen Analogskala möglich)
  • Krankheitsaktivität global aus der Sicht des Patienten (z.B. ebenfalls auf einer Analogskala von 0-10)
  • Zahl schmerzender Gelenke (Gelenkstatus)
  • Zahl geschwollener Gelenke (Gelenkstatus)
  • Morgensteifigkeit (Dauer in Minuten oder Stunden)
  • Krankheitsaktivität global aus der Sicht des Arztes (z.B. auch über eine Analog-Skala)
  • Systemische Krankheitsaktivität:
    •  

    • Blutsenkung (BSG)
    • C-reaktives Protein (CRP)
    • Weitere Laborparameter wie Immunglobuline, Elektrophorese etc.
    • In der Rheumatologie gilt die systemische Krankheitsaktivität als kontrolliert, wenn folgende Werte erreicht sind:
      •  

      • CRP < 0.5 mg/dl oder < 5.0 mg/l (Achtung: es gibt auch Tests, bei denen andere Normalwerte gelten!)
      • BSG < 20 mm/h bei Männern (erster Wert der Blutsenkung)
      • BSG < 30 mm/h bei Frauen (erster Wert der Blutsenkung)
  • Funktionskapazität (Fehlen oder Vorhandensein sowie Ausmaß einer Behinderung, z.B. Steinbrocker-Index, FFbH = Funktionsfragebogen Hannover oder HAQ = Health Assessment Questionnaire)

In klinischen Studien wird heute üblicherweise die sogenannte ---> ACR-20-Response, ---> ACR-50-Response und ACR-70-Response, neuerdings sogar schon die ---> ACR-90-Response bestimmt oder eine Veränderung im ---> DAS gemessen (Disease Activity Score = Messinstrument zur Beurteilung der Krankheitsaktivität). Insbesondere der DAS wird zunehmend auch in der täglichen rheumatologischen Routine eingesetzt.

Früher war man dabei mit teilweisen Verbesserungen schon zufrieden ("partielle Remission"). Ein wesentliches Merkmal der modernen Rheumatologie zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist ihr wachsender Anspruch, nicht mehr nur die Krankheit zu bremsen, sondern sie zu stoppen und im optimalen Fall auch langfristig kontrollieren zu wollen. Das neue therapeutische Ziel in der Rheumatologie heißt damit komplette Remission, d.h. das Fehlen von Symptomen, Krankheitszeichen und Entzündungswerten im Blut.

Leider gelingt es heute noch nicht bei allen Patienten, dieses Ziel zu erreichen, als Vorgabe sollte es aber schon heute Maßstab des Handelns und der therapeutischen Entscheidungen sein.

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