Klinische Studien

In mehreren klinischen Studien wurde die Wirksamkeit einer Radon-Therapie bei unterschiedlichen rheumatischen Erkrankungen nachgewiesen, davon untersuchte eine Studie speziell die Wirksamkeit einer Heilstollenkur im Gasteiner Heilstollen.

Wenn man die einzelnen Studien zusammenfassend bewertet, zeigen sie gemeinsam, dass die besonderen, eigenständigen Effekte der Radontherapie nicht während oder unmittelbar nach der Behandlung auftreten, sondern erst im weiteren Verlauf sichtbar werden. Dafür hielt der Effekt dann für mehrere Monate an. In den Studien mit einer Nachbeobachtungsdauer von 9 oder sogar 12 Monaten war die Wirksamkeit der Radon-Therapie unverändert nachweisbar, während sich im Gegensatz dazu in den  Kontrollgruppen kein signifikanter Unterschied zum Ausgangsbefund nachweisen ließ. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Meta-Analyse (Falkenbach et al. 2004), nach der bei 378 Patienten mit rheumatischen Erkrankungen unmittelbar nach der Behandlungsphase keine signifikanten Unterschiede zwischen der Radon-Gruppe und der Kontrollgruppe festzustellen waren. Im Verlauf zeigte sich dann aber ein signifikanter Unterschied nach 3 und 6 Monaten zugunsten der Patienten, die mit Radon behandelt worden waren (signifikant weniger Schmerzen).

Die wichtigsten Ergebnisse der klinischen Studien werden im folgenden kurz dargestellt.

Radonbäder zur Behandlung von Patienten mit HWS-Syndrom

In dieser doppelblinden Studie aus dem Radonbad Schlema wurde die therapeutische Wirkung von Radon-Bädern bei Patienten mit einem nicht-entzündlich bedingten, degenerativen Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom) untersucht. 46 Patienten wurden über 4 Wochen entweder mit Radonbädern (Interventionsgruppe) oder mit ansonsten identischen Bädern, aber mit Leitungswasser ohne Radongehalt (Kontrollgruppe) behandelt. Insgesamt erfolgten im Verlauf der 4 Wochen 9 Badeanwendungen für jeweils 20 Minuten bei einer Wassertemperatur von 36-37°. Die Radonaktivität betrug 3kBq/l; pro Bad wurden 150 Liter Wasser eingesetzt. Bei Studienende zeigte sich in beiden Gruppen eine Verringerung des Schmerzes im Bereich der paravertebralen Muskulatur (Muskulatur neben der Halswirbelsäule). Dies wurde mit einem speziellen Messinstrument gemessen (Pressure Threshold Meter). Entscheidendes Ergebnis dieser Studie war die Beobachtung, dass bei Untersuchungen 2 und 4 Monate nach der Badekur die Schmerzreduktion in der Radongruppe signifikant stärker war als in der Kontrollgruppe.

PRATZEL, H.G., B. LEGLER, K. AURAND, K. BAUMANN and TH. FRANKE: Wirksamkeitsnachweis von Radonbädern im Rahmen einer kurortmedizinischen Behandlung des zervikalen Schmerzsyndroms. Phys. Rehab. Kur. Med. 3, 76-82 (1993)

Radonbäder zur Behandlung von Patienten mit degenerativen Wirbelsäulen- und Gelenkbeschwerden

In dieser doppelblinden Studie aus Bad Steben wurden 52 Patienten mit degenerativen Gelenk- oder Wirbelsäulenerkrankungen untersucht. Die Interventionsgruppe erhielt über einen Zeitraum von 3,5 Wochen insgesamt 8 Badeanwendungen für jeweils 20 Minuten. Die Radonaktivität betrug 0,8 kBq/L. Die Kontrollgruppe wurde unter identischen Bedingungen, aber mit radonfreiem Wasser behandelt. In beiden Gruppen kam es durch die Behandlung zu einer Verringerung der Schmerzen, gemessen mit einem speziellen Druckschmerzmeßinstrument (Pressure Threshold Meter) und einer sogenannten visuellen Analogskala. Signifikante Unterschiede zwischen den mit Radon oder mit Leitungswasser behandelten Patienten wurden erst nach 2 Monaten und nach 4 Monaten beobachtet. Dabei zeigte sich ein anhaltender Effekt der Therapie nur in der Radongruppe, nicht jedoch in der Kontrollgruppe.
 
Pratzel HG, Legler B, Heisig S, Klein G (1999). Schmerzstillender Langzeiteffekt durch Radonbäder bei nicht entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. In: Deetjen P, Falkenbach A (Hrsg): Radon und Gesundheit, Radon and Health. Frankfurt: Peter Lang, 1999: 163-182

Radonbäder bei rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis)

In dieser Studie aus Bad Brambach in Sachsen wurden 60 Patienten mit rheumatoider Arthritis im Rahmen einer vierwöchigen stationären Rehabilitationsmaßnahme über 3-4 Wochen insgesamt 15 mal entweder mit einem Radon-CO2-Bad mit einem Radongehalt von 1,3 kBq/L und einem CO2-Gehalt von 1,6 g/L oder aber allein mit einem ansonsten identischen CO2-Bad behandelt. Nach der Kur waren in beiden Gruppe die Schmerzintensität geringer und die funktionelle Einschränkung gebessert. Signifikante Unterschiede zwischen der Radon-behandelten Gruppe und der Kontrollgruppe bestanden zunächst nicht. Nach 6 Monaten waren die Ergebnisse in der Radongruppe aber sowohl für die Schmerzreduktion als auch für die Verbesserung der Funktionskapazität signifikant besser.

Franke A, Reiner L, Pratzel HG, Franke Th, Resch KL(2000). Long-term efficacy of radon spa therapy in rheumatoid arthritis - a randomised, sham-controlled study and follow-up. Rheumatology (Oxford); 39:894-902

Radonbäder bei unterschiedlichen rheumatischen Erkrankungen

In dieser Studie aus dem Sibyllenbad wurden 206 Patienten mit unterschiedlichen rheumatischen Erkrankungen (Arthrosen, degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, rheumatoide Arthritis) mit 10 Radon-Bädern von jeweils 20 Minuten Dauer behandelt (Wassertemperatur 36-37°, Radonkonzentration in der Wanne ca 2.000 Bq/L).  Bereits unmittelbar nach der Behandlung und 4 Wochen später waren die Schmerzen signifikant geringer, außerdem kam es zu einer Besserung der Beweglichkeit. Die Studie hatte allerdings keine Kontrollgruppe, so dass keine Aussage dazu möglich ist, ob die Ergebnisse auf die Balneotherapie in der Wanne oder auf die Radon-Therapie zurückzuführen sind.

Grunewald W.A. (2000). Radon-Therapie und Sybillenbad 1989 - 1995. Medizinische Informationen. Hrsg. Zweckverband Sybillenbad; Regensburg - Neualbenreuth 2000

Radon-Therapie von Bechterew-Patienten im Radonstollen in Bad Kreuznach

In dieser randomisierten, kontrollierten Studie aus Bad Kreuznach wurden 100 Patienten mit M. Bechterew (Spondylitis ankylosans, ankylosierende Spondylitis) im Rahmen einer dreiwöchigen stationären Rehabilitationsmaßnahme im Kreuznacher Radonstollen behandelt (Indifferenztemperatur, Radonkonzentration zwischen 30 und 130 kBq/ m³. Bei der Kontrollgruppe wurden statt der Stollentherapie Sauna-Anwendungen durchgeführt, ansonsten war die Behandlung identisch. Im Verlauf waren in der Radongruppe die Schmerzen signifikant geringer als in der Kontrollgruppe. Die Effekte der Radontherapie waren 9 Monate später noch nachweisbar und hielten z.T. sogar noch länger an. In dieser Studie wurde auch der Medikamentenverbrauch abgefragt. Dabei zeigte sich im Verlauf nach der Stollentherapie in der Radon-Gruppe ein signifikant geringerer Medikamentenverbrauch als in der Kontrollgruppe.  

Lind-Albrecht G (1994). Einfluss der Radonstollentherapie auf Schmerzen und Verlauf bei Spondylitis ankylosans. Dissertation, Johannes Gutenberg-University, Mainz 1994

LIND-ALBRECHT, G and U DROSTE: Zusatzeffekt der Radonstollentherapie im Rahmen der stationären Rehabilitation bei Spondilitis ankylosans (Morbus Bechterew). Monographie der Karl-Aschoff-Klinik im Rheumazentrum Rheinland-Pfalz, Bad Kreuznach (1996)

Radon-Therapie des M. Bechterew (ankylosierende Spondylitis) im Gasteiner Heilstollen

In dieser randomisierten kontrollierten klinischen Studie aus dem Gasteiner Heilstollen wurden 120 niederländische Patienten mit einem M. Bechterew (ankylosierende Spondylitis, Spondylitis ankylosans) in einem dreiarmigem Design behandelt. Dabei wurden zwei Gruppen in den Niederlanden behandelt, eine Gruppe im Gasteiner Tal (Bad Hofgastein). Die erste Gruppe in den Niederlanden diente als erste Kontrollgruppe Die Patienten setzen ihr laufendes Gymnastikprogramm fort; weitere Maßnahmen erfolgten nicht. Die beiden anderen Gruppen (die zweite Gruppe in den Niederlanden und die Gruppe im Gasteiner Tal) wurden mit einem dreiwöchigen komplexen Rehabilitationsprogramm behandelt (Gruppengymnastik, Haltungskorrektur, Hydrotherapie, Sporttherapie). Die Gasteiner Patienten wurden zusätzlich mit 10 Einfahrten in den Gasteiner Heilstollen behandelt (Radonkonzentration im Mittel 44 kBq/m³, Temperatur bis zu 41,5°C, relative Luftfeuchtigkeit bis annähernd 100%). Die niederländischen Patienten aus der Interventionsgruppe (zweite niederländische Gruppe) erhielten zusätzlich zu ihrem komplexen Rehabitationsprogramm 10 Sauna-Behandlungen in Arcen (analog zu den 10 Stolleneinfahrten in Gastein, allerdings ohne die dortige Radon-Exposition). Ausgewertet wurden der Einfluß der unterschiedlichen Behandlungskonzepte auf die funktionelle Kapazität (gemessen im BASFI = Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index), das Gesamtwohlbefinden der Patienten, die Schmerzintensität und die Dauer der Morgensteifigkeit. Diese einzelnen outcome-Parameter wurden in einem gemeinsamen Index (Pooled Index of Change, PIC) zusammengefasst. Nach der Behandlung zeigte sich in beiden Interventionsgruppen (Gasteiner Gruppe, Arcener Gruppe) eine Verbesserung der genannten Zielwerte um durchschnittlich 20-30%, während die Kontrollgruppe, die lediglich ihr Gymnastikprogramm fortgeführt hatte, keine Veränderungen aufwies. Wesentliches Ergebnis dieser Studie war die Beobachtung, dass im Verlauf nach 6 und 9 Monaten nur noch die Gasteiner Patienten signifikant bessere Therapieergebnisse aufwiesen als die Kontrollgruppe, während dieser Effekt bei der niederländischen Gruppe aus Arcen, die zwar auch mit einem komplexen Rehabilitationsprogramm, nicht jedoch mit Radon behandelt worden war, nicht mehr nachweisbar war.

van Tubergen A, Landewé R, van der Heijde D, Hidding A, Wolter N, Asscher M,
Falkenbach A, Genth E, Goei Thé H, van der Linden S.: Combined spa exercise therapy is effective in patients with ankylosing spondylitis: a randomised controlled trial.
Arthritis Care Res. 45 (2001) 430-438

 

Copyright © 1997-2021 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.