Das richtige Beenden einer gut wirksamen krankheitsmodifizierenden Therapie: Die hohe Schule der Rheumatologie

Das Absetzen einer langwirksamen antirheumatischen Therapie bei einem Patienten in einer kompletten Remission gehört zu den schwierigsten und verantwortungsvollsten Aufgaben in der Rheumatologie. Während das Ansetzen und die Einleitung einer langwirksamen antirheumatischen Therapie noch vergleichsweise einfach ist (man könnte sagen, beim Eiskunstlauf die Pflicht), ist das korrekte Absetzen einer langwirksamen antirheumatischen Therapie bei einem Patienten in Remission extrem schwierig (sozusagen die Kür der medikamentösen Rheumatherapie).

Leider ist dieser Umstand den meisten Patienten ebenso wenig bewusst wie den meisten Ärzten. Die Rheumatologen weisen deshalb immer wieder darauf hin, dass sie immer dann kontaktiert und eingeschaltet werden möchten, wenn es, aus welchen Gründen auch immer, um das Absetzen einer langwirksamen antirheumatischen Therapie geht.

Setzt man die langwirksame antirheumatische Therapie zu früh ab, kann es zu einem erneuten Schub oder einem erneuten Krankheitsausbruch kommen. Die Erfahrung ist, dass es dabei dann auch nach Wiederbeginn einer langwirksamen antirheumatischen Therapie vor allem bei bestimmten Substanzen (z.B. Gold, Tauredon) nachher nicht mehr zu einer so guten Wirkung kommt wie zuvor.

Die Absetzstrategie einer wirksamen langwirksamen antirheumatischen Therapie wird in den einzelnen Zentren und von den einzelnen Rheumatologen etwas unterschiedlich gehandhabt.

Wir selber haben uns in der Vergangenheit in erster Linie an den Remissionskriterien des ACR (American College of Rheumatology orientiert. Heute steht mit dem europäischen DAS ("disease activity index") ein Instrument zur Verfügung, dass für die Handhabung in der täglichen rheumatologischen Praxis erhebliche Vorteile bietet und das zugleich den Vorteil hat, dass man einen Zahlenwert über das Ausmaß der Remission erhält und damit Vergleiche möglich werden.

Liegt eine komplette Remission für einen längeren Zeitraum vor, z.B. über ein halbes Jahr oder sogar ein ganzes Jahr, kann man nach unseren Erfahrungen einen Absetzversuch der langwirksamen antirheumatischen Therapie probieren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Erkrankung wirklich komplett remittiert ist und der Patient außer der langwirksamen antirheumatischen Therapie keine weiteren Rheumamedikamente einnimmt.

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