Erfolgsaussichten der antirheumatischen Therapie

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts erleben wir einen Paradigmenwechsel in der Rheumatologie. Erstmals sind wir mit innovativen Therapieformen in der Lage, bei einem Teil der rheumatischen Erkrankungen den Entzündungsprozess komplett zu stoppen und zuvor schwerkranken und schwer behinderten Menschen ein wieder weitgehend normales oder sogar wieder völlig normales Leben zu ermöglichen.

Immer häufiger sehen wir weitgehende oder sogar komplette Remissionen bei der Behandlung von Patienten mit einer chronischen Polyarthritis oder anderen schwer verlaufenden, entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die neuen klinischen Studien zeigen, dass diese Beobachtung nicht mehr wie früher auf Einzelfälle beschränkt ist, sondern mittlerweile auch in einer relevanten Größenordnung statistisch belegt werden kann.

Allerneueste Studien haben wichtige Faktoren für den Verlauf und die Prognose der chronischen Polyarthritis herausgearbeitet. Danach sind neben genetischen Einflussgrößen 5 Faktoren entscheidend für die Prognose einer rheumatoiden Arthritis: Der Zeitpunkt der Therapieeinleitung, die Auswahl der eingesetzten Therapien, der Zeitpunkt des ersten Rheumatologenkontakts, die Intensität der rheumatologischen Mitbehandlung im weiteren Krankheitsverlauf und eine qualifizierte Einbeziehung des Patienten in die Behandlungsabläufe durch eine strukturierte Patientenschulung.

Die Prognose einer rheumatoiden Arthritis hängt neben genetischen Faktoren entscheidend ab von einer

  • frühzeitig eingeleiteten Therapie (< 4 Monate)
  • frühzeitig aggressiven Therapie
  • frühzeitig einsetzenden (qualifizierten) rheumatologischen Mitbehandlung
  • regelmäßigen rheumatologischen Mitbehandlung im Verlauf
  • strukturierten Patientenschulung

Auf der Grundlage der gegenwärtig vorliegenden Daten und Beobachtungen lässt sich ableiten, dass die Chancen der antirheumatischen Therapie wachsen und sich eine Remission umso eher erzielen lässt,

  • je früher die Diagnose gestellt wird
  • je weniger irreparable Schäden bei Diagnosestellung bereits vorliegen
  • je eher mit einer wirksamen antirheumatischen Therapie begonnen wird
  • je früher insbesondere eine langwirksame antirheumatische Therapie eingeleitet wird und
  • je besser die langwirksame antirheumatische Therapie an die individuelle Erkrankung angepasst ist ("krankheitsadaptierte Basistherapie"). Dies bedeutet insbesondere auch den Mut zum Einsatz "aggressiverer" Medikamente bei "aggressiven", schweren Krankheitsverläufen, den frühen Einsatz von sogenannten Kombinationstherapien und die rechtzeitige Entscheidung für krankheitskontrollierende Substanzen aus der Gruppe der biologischen Medikamente.

Weiterhin ist eine dauerhafte Remission bei der Behandlung einer chronischen Polyarthritis umso wahrscheinlicher,

  • je geringer die Schäden in dem Augenblick sind, in dem mit der langwirksamen antirheumatischen Therapie begonnen wird
  • je schneller die Entzündung unter der Therapie zurückgeht und die Laborwerte sich normalisieren und
  • je länger die initiale Remission anhält.

Die wesentliche Chance eines Patienten mit einer rheumatischen Erkrankung liegt heute darin, dass die Krankheit früh diagnostiziert wird, früh von einem Spezialisten behandelt wird (dies ist in der Regel ein Internist mit der zusätzlichen Qualifikation durch die Schwerpunktbezeichnung "Rheumatologie") und auch in der Folge eine Weiterbetreuung durch einen qualifizierten internistischen Rheumatologen erfolgt, z.B. in rheumatologischen Schwerpunktpraxen oder in vergleichbaren Einrichtungen.

Grund zur Hoffnung besteht allerdings nicht nur bei Beginn einer qualifizierten Therapie im frühen Krankheitsstadium. Von der besonderen rheumatologischen Erfahrung der spezialisierten Einrichtungen profitieren auch Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung.

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