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Helicobacter pylori

Bakterium, das den Magen besiedeln kann und dort Magenschleimhautentzündungen oder sogar Magengeschwüre herrufen kann. Oft ist eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori aber auch nicht mit Beschwerden verbunden. Diese können sich aber entwickeln, wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden, die mit einer Magenunverträglichkeit einhergehen können, z.B. viele Medikamente aus der Gruppe der cortisonfreien Entzündungshemmer, aber auch Methotrexat. Behandelt wird eine Helicobacter-ausgelöste Magenschleimhautentzündung oder ein dadurch hervorgerufenes Magengeschwür mit dem Triple-Schema s.u..

Ein bißchen Medizingeschichte:

Erstmals beschrieben wurde Helicobacter pylori wohl 1895. Danach geriet er fast 100 Jahre lang ins Vergessen. 1983 isolierten und kultivierten dann die beiden Australier Robin Warren und Barry Marshall in Perth "krumme" Magenbakterien und stellten fest, daß diese Campylobacter-pylori-Bakterien für die Entstehung von Magengeschwüren verantwortlich waren. Da das Bakterium nicht nur gekrümmt ist, sondern auch eine gewundene Struktur hat, benannte man es nach dieser Windung (helix) mit seinem neuen Namen Helicobacter pylori.

Das Krankheitsbild

Helicobacter nistet sich in der Magenschleimhaut ein und führt dort zu Entzündungen. Er wird fäkal-oral übertragen. In den meisten Fällen (75-80%) ist die Infektion asymptomatisch. Nur etwa 20 Prozent der Helicobacter-Träger werden krank und entwickeln vorzugsweise in Stress-Situationen ihr Magengeschwür.

Die Therapie

Da Helicobacter pylori optimal an das Leben im sauren Milieu des Magens angepaßt ist, kann er dort lebenslang verbleiben. Eliminiert werden kann er nur durch eine Eradikationstherapie das sogenannte Triple-Schema. Nach der Maastrichter Konsensus-Konferenz sollte dies durch die siebentägige Gabe eines Protonenpumpenhemmers (morgens und abends, z.B. Omeprazol) in Kombination mit zwei verschiedenen Antibiotika erfolgen (Amoxicillin 1000 mg plus Chlarithromycin 500 mg). Die Erfolgsquote dieser Eradikationstherapie liegt bei über 90%. Zu Rückfällen kommt es bei weniger als 2% der Patienten.

Die WHO vermutet einen Zusammenhang zwischen einer Helicobacter-Besiedelung und der Entstehung von Magenkarzinomen. Vermutlich spielt eine Helicobacter-Besiedelung auch eine Rolle bei der sogenannten Refluxoesophagitis. Es wird auch eine Beteiligung bei Herzinfarkt, Lebererkrankungen und chronischer Urtikaria spekuliert. Als Risikofaktor wird eine Helicobacter-Infektion für Erkrankungen der Herzkranzgefäße, der Bauchspeicheldrüse, des Dickdarms, des zentralen Nervensystems und der Augen diskutiert. Möglicherweise spielt Helicobacter über die Freisetzung von Toxinen auch eine Rolle als Trigger von Autoimmunerkrankungen. Da Helicobacter pylori unbestritten ein "Modekeim" ist, werden sich einige dieser genannten Diskussionen und Spekulationen vermutlich wieder relativieren. Die laufende Forschung wird zeigen, was als gesichertes Wissen übrig bleiben wird.

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