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Blutsenkung

Die Blutsenkung, besser Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BKS) genannt, ist eine ebenso vergleichsweise einfache wie aussagekräftige Methode zur Erfassung von krankhaften Veränderungen im Körper.

Verfahren

Die Methode beruht darauf, daß das Blut aus verschiedenen Komponenten besteht, nämlich den festen Bestandteilen (Blutkörperchen wie rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) oder Blutplättchen (Thrombozyten) und flüssigen Bestandteilen (Serum).

Wenn man nun Blut aus der Vene entnimmt, durch Zugabe einer Substanz verhindert, daß es gerinnt (fest wird) , und es dann in einem senkrecht stehenden Röhrchen stehen läßt, setzen sich die festen Bestandteile mit einer konstanten Geschwindigkeit nach unten ab. Diese Geschwindigkeit ist höher, wenn krankhafte Veränderungen vorliegenden. Man mißt nun jeweils nach einer Stunde und nach zwei Stunden, wie schnell sich die Blutkörperchen abgesenkt haben. Dazu mißt man die Länge des Überstandes (das klare Serum, das über den nach unten gesunkenen Blutkörperchen steht) und gibt dies in mm an. Wenn eine Blutsenkungsgeschwindigkeit mit 4/8 mm gemessen wird, bedeutet dies, daß nach einer Stunde 4 mm und nach der zweiten Stunde 8 mm Serum über den Blutkörperchen gestanden hat, sich also die Blutkörperchen mit einer Geschwindigkeit von 4 mm pro Stunde (4 mm/h) vom Serum abgesetzt haben (gesenkt haben).

Röhrchen mit Blut zur Messung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (Blutsenkung). Das Blut in den Röhrchen auf der linken Seite wurde zuerst entnommen, dort ist bereits deutlich mehr des klaren Serums zu sehen. Im dritten Röhrchen von rechts ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit sichtbar höher als in den nebenliegenden Röhrchen, da nach kurzer Zeit hier bereits deutlich mehr klares Serum sichtbar ist. Foto: Michael Ginster, rheuma-online

Normalwerte und erhöhte Blutsenkung

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist bei einer Reihe von Erkrankungen erhöht, z.B. bei Infektionen, bei anderen Entzündungen, bei einigen Tumoren. Dies liegt daran, daß bei diesen Erkrankungen der Anteil der festen Bestandteile des Blutes oft erhöht ist.

Die Blutsenkung hat in der Rheumatologie eine zweifache Bedeutung: Zum einen ermöglicht sie die Unterscheidung zwischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und nicht-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Zum anderen ist sie ein sehr wichtiger Laborwert für die Verlaufskontrolle und die Therapiekontrolle. So erkennt man beispielsweise die Wirkung einer langwirksamen antirheumatischen Therapie an einem Abfall der BSG. Umgekehrt deutet ein Anstieg der BSG auf eine unzureichende Krankheitskontrolle durch die laufende Therapie. Dafür gelten folgende Grenzwerte (nicht normal sind Werte über):

  • 20 mm/h bei Männern (erster Wert der Blutsenkung, z.B. *25/48 mm n.W.)
  • 30 mm/h bei Frauen (ebenfalls erster Wert der Blutsenkung, z.B. *38/77 mm n.W.)

Blutsenkung und Krankheitsaktivität

Bei der Kontrolle der Krankheitsaktivität und der Therapiewirkung (Verlaufsmonitoring) kommt es weniger auf die absolute Höhe der BSG an, sondern auf die Änderungen im Verlauf. Ein Patient A mit einer chronischen Polyarthritis und mit einer BSG von 50/98 mm n.W. muß nicht kranker sein als ein Patient B ebenfalls mit einer chronischen Polyarthritis und einer BSG von 30/61 mm n. W.. Vielleicht ist es sogar umgekehrt. Wichtig ist aber, ob bei Patient A unter einer Therapie die BSG auf Werte unter 20 mm/h n.W. abfällt und niedrig bleibt oder ob es u.U. im weiteren Verlauf wieder zu einem Anstieg kommt. Jeder Patient mit einer chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankung sollte sich deshalb selber im Rahmen des eigenen Krankheits- und Behandlungsmonitoring eine Verlaufsdarstellung seiner BSG-Werte anlegen (entweder als Graphik oder als Tabelle). (vergleiche dazu auch c-reaktives Protein)

Wichtig zu wissen ist, daß einige entzündlich-rheumatische Erkrankungen zu Beginn eine normale Blutsenkung haben kann und man die Chance auf eine frühe Diagnose verpaßt, wenn man nur auf die Blutsenkung schaut. Außerdem gehen einige entzündlich-rheumatische Erkrankungen auch im weiteren Verlauf mit einer normalen Blutsenkung einher, auch wenn eine hohe Krankheitsaktivität besteht, der Patient beispielsweise starke Schmerzen hat und die Erkrankung unbehandelt zu zunehmenden Veränderungen an den Knochen führen würde. Dies gilt besonders für die Psoriasisarthropathie und Psoriasisspondarthropathie, aber auch einige andere Erkrankungen aus der Gruppe der seronegativen Spondarthritiden.

In diesen Fällen kann die Entzündung und die Krankheitsaktivität nur über andere Laborwerte (Laboruntersuchungen) erfaßt werden (z.B. das c-reaktive Protein (CRP), Haptoglobin oder auch Immunglobulinfraktionen (vor allem IgG, IgA; Immunglobuline).

Blutsenkung und Cortison

Die BSG wird durch Cortison deutlich beeinflußt. Änderungen der BSG sind deshalb im Hinblick auf die Wirkung von therapeutischen Maßnahmen oder im Hinblick auf die Änderung der Krankheitsaktivität nur aussagekräftig, wenn an einer eventuell bestehenden Cortisontherapie keine Änderungen vorgenommen wurden (z.B. Dosisverringerung oder Dosiserhöhung).

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