TNF-alpha-Inhibitoren (TNF-alpha-Blocker)

TNF-alpha-Blocker sind biologische Medikamente, die den körpereigenen Botenstoff TNF-alpha hemmen. In der Rheumatologie fallen sie in die Gruppe der langwirksamen Antirheumatika bzw. in die Medikamentenklasse der krankheitskontrollierenden Substanzen. TNF-alpha ist im Gelenk von Patienten mit einer chronischen Polyarthritis stark erhöht. Es spielt eine wesentliche Rolle bei der rheumatischen Gelenkzerstörung. Dies führte zu der Überlegung, Substanzen zu entwickeln, die TNF-alpha hemmen und die Schädigung des Gelenks verhindern.

Es stehen zwei Prinzipien der TNF-alpha-Blockade zur Verfügung. Der lösliche TNF-Rezeptor Etanercept (z.B. Enbrel) entspricht in seinem Aufbau weitgehend dem ortsständigen TNF-alpha-Rezeptor auf der Zelle. Seine Affinität zu TNF-alpha, d.h. seine Anziehungskraft für TNF-alpha ist aber um ein Vielfaches höher als die der ortsständigen Rezeptoren. Dadurch bindet TNF-alpha eher am löslichen Rezeptor als am zellständigen Rezeptor und gelangt auf diese Weise nicht an seinen eigentlichen Zielort. In der Folge kommt es in der Zelle auch nicht zur Auslösung einer entzündlichen oder entzündungsverstärkenden Reaktion.

Ein anderes Wirkungsprinzip verfolgen die monoklonalen TNF-Antikörper Adalimumab (z.B. Humira) und Infliximab (z.B. Remicade). Diese Antikörper binden ebenfalls an TNF-alpha, allerdings nicht wie ein Schloß, das genau auf den Schlüssel passt, sondern als ein Anhängsel am TNF-Molekül. Durch die Bindung des Antikörpers an TNF-alpha verändert sich die Form des Zytokins mit der Folge, daß es nicht mehr in den zellständigen Rezeptor passt. Entsprechend wird auch auf diese Weise die Auslösung oder Verstärkung der entzündlichen Reaktion gehemmt.

Die monoklonalen Antikörper Adalimumab und Infliximab sind wahrscheinlich auch in der Lage, an TNF zu binden, das bereits schon am zellständigen Rezeptor angedockt hat, und das Zytokin sogar wieder vom Rezeptor zu entfernen. Dieses unterschiedliche Wirkprinzip der beiden TNF-alpha-Blocker erklärt vermutlich ihre unterschiedliche Wirksamkeit, außerdem könnte darin auch der Grund für das unterschiedliche Nebenwirkungsprofil liegen, insbesondere auch das unterschiedliche Risiko im Hinblick auf schwere Infektionskomplikationen, speziell auch für Tuberkulose.

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