Wirksamkeit von Anakinra (Kineret)

Wirksamkeit bei der rheumatoiden Arthritis

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Anakinra (Handelsname: Kineret) wurde in mehreren randomisierten, doppelblinden und plazebokontrollierten klinischen Studien mit insgesamt fast 3.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis) geprüft.

In allen Studien war Anakinra der Therapie mit Placebo überlegen. In der Kombination mit Methotrexat (MTX) zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptome und Befunde der rheumatoider Arthritis auch bei Patienten, die vorher auf eine alleinige Therapie mit MTX nicht oder nicht ausreichend angesprochen hatten.

In der Monotherapie mit Anakinra, d.h. bei der alleinigen Behandlung mit Anakinra ohne Kombinationspartner, erreichten allerdings nur 43% (gegenüber 27% unter Placebo) der mit Anakinra behandelten Patienten nach sechs Monaten der Behandlung eine Verbesserung ihres sogenannten ACR-20-Wertes (die ACR-Kriterien sind in Rheuma von A-Z genau erklärt; kurz zusammengefasst bedeutet ACR-20 eine mindestens 20%ige Verbesserung bei einer Reihe von entscheidenden Symptomen und Befunden der rheumatoden Arthritis, z.B. Gelenkschmerz, Gelenkschwellung, Schmerz oder Entzündungswerte im Blut). Im Verhältnis ausgeprägter sind die Effekte auf dem wesentlich schwieriger zu erreichenden ACR-50 Niveau mit einer Ansprechrate von 24% für Anakinra gegenüber 4% bei Placebo und der einer ACR-70-Response von 10% unter Anakinra gegenüber 0% bei den mit Placebo behandelten Patienten.

Die klinische Wirksamkeit der Monotherapie mit Anakinra liegt damit zwar im Bereich von anderen langwirksamen Monotherapien mit traditionellen DMARDs (tDMARDs), aber deutlich unter der Ansprechrate der TNF-Blocker oder anderer biologischer DMARDs (bDMARDs) und tendenziell sogar selbst unterhalb der Ansprechrate von Methotrexat. Diese Bewertung unterliegt allerdings der Einschränkung, dass es aus methodischen Gründen nicht zulässig ist, die Wirksamkeit von Präparaten miteinander zu vergleichen, wenn sie nicht in einer speziellen Studie "Kopf an Kopf" unmittelbar gegeneinander geprüft wurden. Dies gilt für die Monotherapie-Studie mit Anakinra umso mehr, als in ihr Patienten mit einer im Durchschnitt relativ langen Krankheitsdauer behandelt wurden und damit größere Therapieeffekte schon aus diesem Grund eher nicht zu erwarten waren. So ist es auch aus anderen Studien bekannt, dass erfahrungsgemäß langwirksame antirheumatische Therapien in der Spätphase einer rheumatoiden Arthritis nicht so ausgeprägte Effekte zeigen wie bei Patienten, die zu Beginn der Erkrankung behandelt werden.

Dennoch kann man aus dem Vergleich von Ergebnissen aus klinischen Studien mit vergleichbaren Zielkriterien wie beispielsweise der ACR-20-, ACR-50- oder ACR-70-Response schon einen Eindruck über die Stärken und Schwächen von unterschiedlichen langwirksamen antirheumatischen Substanzen gewinnen. Der Eindruck aus diesen Studien geht für Anakinra dahin, dass die Substanz zumindest bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis ihre primäre Stärke vermutlich nicht in einer überragenden Wirkung auf die systemische Krankheitsaktivität hat, sondern eher bei der Kontrolle der lokalen Effekte der Entzündung, insbesondere der Verhinderung von entzündlich bedingten Schäden an Knorpel und Knochen. Diese Interpretation passt auch gut zu den Vorstellungen zum oben ausführlich dargestellten Wirkmechanismus von Anakinra.

So belegen Daten zur sogenannten Röntgenprogression übereinstimmend mit den auch theoretisch zu erwartenden Ergebnissen die sehr gute Wirksamkeit von Anakinra im Hinblick auf die rheumatische Gelenkdestruktion. Hier lässt sich bereits in der Monotherapiestudie unter der alleinigen Behandlung mit Anakinra zeigen, dass es bei einem Teil der Patienten zu einem völligen Stillstand der Erkrankung kommt. Allerdings sind die bisherigen Studien mit röntgenologischen Daten zu Anakinra in ihrer Aussage noch eingeschränkt, da die Beobachtungsdauer im Hinblick auf die Röntgenprogression mit 6 Monaten und 12 Monaten relativ kurz ist.

Weiterhin führt die Therapie mit Anakinra zu einer ganz erheblichen Besserung der funktionellen Kapazität. So zeigte sich bereits nach zwei bis vier Wochen eine dosisabhängige Verbesserung der Messwerte im Health Assessment Questionaire (HAQ), mit dem anhand von acht Fragebereichen die Aktivitäten des täglichen Lebens bewertet werden und aus dem dann der sogenannte HAQ-Disability-Score (HAQ-DI) errechnet wird. Die positiven Auswirkungen auf die Funktionskapazität ließen sich in der Kombination mit Methotrexat noch deutlich steigern. So erreichten die Verbesserungen im HAQ in der Kombinationsstudie median bis zu 60 % gegenüber dem Ausgangswert und sind mit den Ergebnissen von TNF-Blockern und anderen biologischen DMARDs vergleichbar.

Insgesamt deuten die Daten aus den klinischen Studien darauf hin, dass Anakinra bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis vorzugsweise in der Kombinationstherapie eingesetzt werden sollte.

Wirksamkeit bei Cryopyrin-Assoziierten Periodischen Syndromen (CAPS)

Cryopyrin-Assoziierte Periodische Syndrome sind eine Gruppe von autoinflammatorischen Erkrankungen, bei denen es zu einer unkontrollierten, überschießenden Bildung von Interleukin-1ß (IL-1ß) kommt. Im einzelnen werden vier Subdiagnosen unterschieden, nämlich NOMID (Neonatal Onset Multisystem Inflammatory Disease) und das damit eng verwandte, z.T. synonym verwendete CINCA-Syndrom (Chronic Infantile Neurological Cutaneous Articular Syndrome), das Muckle-Wells Syndrom (MWS) sowie das familiäre kälteinduzierte autoinflammatorische Syndrom (Familial Cold Autoinflammatory Syndrome, FCAS). CAPS-Erkrankungen treten sehr früh auf, z.T. bereits im Säuglingsalter, betreffen aber auch Erwachsene. Das Krankheitsbild zieht sich durch alle ethnischen Gruppen und tritt bei Frauen und Männern gleich häufig auf.

In einer grundlegenden, zulassungsrelevanten Studie (Studie 03-AR-0298) sowie in weiteren, z.T. retrospektiven Studien (siehe Studien zum Einsatz von Anakinra bei CAPS) konnte durchgängig die Wirksamkeit von Anakinra bei allen diesen Krankheitsbildern gezeigt werden. Bei allen Patienten trat die Wirkung sehr schnell ein, in der Regel bereits innerhalb der ersten 24 Stunden, und hielt im Verlauf über Beobachtungszeiträume von 60 Monaten an. Fieber, Hautausschläge, Gelenkschmerzen und Schwellungen sowie Übelkeit und Erbrechen entwickelten sich rasch und hochgradig zurück, wobei die Kopfschmerzen mit einem Tag Verzögerung abklangen, oder verschwanden vollständig, kehrten allerdings unter einer Therapiepause sofort zurück. Zeichen einer Entzündung des Zentralnervensystems (Gehirns) wie Kopfschmerzen, erhöhter Hirndruck oder Liquorbefunde einer aseptischen Meningitis (nicht-infektiösen Hirnhautentzündung) verringerten sich signifikant. Deutliche Verbesserungen wurden auch bei anderen Symptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung, Rötungen der Augen, Schlafproblemen sowie Hautmanifestationen der jeweiligen Krankheitsbilder (zumeist Hautausschläge), beim Gelenkstatus und allgemein bei patientenbezogenen outcomes wie der Lebensqualität gesehen. Bei Augenbeteiligung konnten signifikante therapeutische Effekte sowohl bei Uveitiden (Entzündung der mittleren Augenhaut Uvea) als auch bei Papillenödemen (d.h. Anschwellung der Papille (Austrittsstelle des Sehnervs) im Auge) beobachtet werden. In vielen Fällen konnte ein Fortschreiten von Organschäden (Sehverschlechterung, Hörverlust) aufgehalten werden und deren Funktionsfähigkeit (Hörvermögen/Sehvermögen) erhalten werden bzw. sogar verbessert werden (z.B. Verbesserung der Hörfunktion); vorbestehende Organschäden bildeten sich allerdings im Regelfall nicht oder nicht wesentlich zurück.

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